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Wirtschaft

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Schweiz | 11.01.2012

«Die Verlagerung ist nicht gescheitert»

Bern. Die Branche des Schienengüterverkehrs sieht für den Transport auf der Schiene gute Perspektiven. SBB Cargo will im Inland aber die Zahl der bedienten Punkte ausdünnen.

Seit der Bundesrat im vergangenen Dezember den neuesten Verlagerungsbericht publiziert und das Ziel von maximal 650 000 Lastwagen im Alpentransit im vorgegebenen Zeitrahmen als nicht erreichbar bezeichnet hat, sind in der Öffentlichkeit Zweifel laut geworden, ob die Verlagerungspolitik nicht ganz gescheitert ist. Diesem Eindruck wollte der Verband des öffentlichen Verkehrs (VöV) gestern entschieden entgegenwirken. Und er tat dies in einem ausserordentlichen Schulterschluss mit den Partnern der Güterverkehrsbranche wie SBB Cargo und BLS Cargo, die im Rahmen einer Medienkonferenz in Bern erstmals eine gemeinsame Position präsentierten. 

«Wir wollen nicht jammern, sondern nach vorne schauen», sagte VöV-Direktor Ueli Stückelberger, «die Verlagerung ist nicht gescheitert, auch wenn wir das Ziel nicht fristgemäss erreichen können.» Er formulierte zugleich die wichtigsten Forderungen und Bedingungen, damit der Güterverkehr auf der Schiene ge­gen­über der Strasse wettbewerbsfähig und auf hohem Niveau bleiben kann. 

Deutschland bereitet Sorgen 

Dazu gehört der Ausbau der Gotthard-Zulaufstrecken auf Vier-Meter-Eckhöhe und die Beibehaltung der Lenkungsinstrumente wie LSVA, Nacht- und Sonntagsfahrverbot für Camions sowie die Längenbegrenzung der Lastwagen, die einer Absage an die viel diskutierten Gigaliner gleichkommt. Dirk Stahl, CEO von BLS Cargo, unterstrich die besondere Wichtigkeit des Ausbaus der Zulaufstrecken in Deutschland und Italien. «Dabei ist Deutschland im Moment wohl sogar unser grösseres Sorgenkind als Italien», sagte Stahl. 

Für Nicolas Perrin, CEO von SBB Cargo, wird die Rolle des Transports auf der Schiene im Binnenverkehr klar unterschätzt. Dabei würden 23 Prozent der Waren innerhalb der Schweiz auf der Schiene befördert. Selbst Aldi und Lidl hätten in der Schweiz gelernt, Bahn zu fahren. Angesichts der zunehmenden Staus auf den Strassen dürfte die Schiene im Binnenverkehr noch wichtiger werden. 

Allerdings sind laut Perrin strukturelle Änderungen nötig. So bedient SBB Cargo heute in der Schweiz rund 500 Punkte. Dabei generiert die Hälfte dieser Bedienpunkte einen Warenverkehr von weniger als drei Prozent, während 28 Prozent gut 90 Prozent des Aufkommens absorbieren. Nun will man den Raster gemeinsam mit den Kunden überprüfen und 155 Punkte sanieren. Konkret bedeutet dies ein Ausdünnen der Punkte. 

Anschluss an Seehäfen ist nötig 

Die Schienengüterverkehrsbranche erwartet im Übrigen einen steigenden Anteil von Containerverkehr. Als Antwort auf diesen Trend ist ein direkter Anschluss an die Seehäfen nötig. Entscheidend ist dabei das gemeinsame Projekt eines Terminals zwischen Rheinhäfen und SBB in Basel Nord, der in fünf bis sechs Jahren bereit sein soll. «Wir verladen landseitig zwei Drittel der Waren auf die Schiene, daher brauchen wir eine gute Infrastruktur», sagte Hans-Peter Hadorn, Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen. 

Die Schienengüterbranche bekennt sich schliesslich ganz klar zum Einzelwagenladungsverkehr (EWLV). Während in Nachbarländern wie Frankreich und Italien nur noch Ganzzüge mit Gütern gefahren werden, hat der EWLV in der Schweiz nach wie vor eine grosse Bedeutung. Gemäss VöV müssen diese Verkehre finanziell abgegolten werden, wenn sie den betriebswirtschaftlichen Kriterien nicht genügen, aber aus volkswirtschaftlichen Erwägungen erfolgen sollen. Zudem sollte der Bund Impuls-finanzierungen leisten, um das teure, doppelte Umladen Strasse–Schiene und Schiene–Strasse zu verbilligen. 

Zu den finanziellen Folgen des Forderungskatalogs hält sich die Branche bedeckt. «Allein der Vier-Meter-Korridor bedarf wohl eines dreistelligen Millionenbetrags», hielt Stückelberger fest. 

Gerhard Lob
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