«Ich stand da wie ein Verbrecher»: Jeden Tag fühlen sich Tausende Kunden in Einkaufsläden wegen falscher Diebstahlalarme peinlich berührt. Schuld daran sind nicht deaktivierte Warensicherungsetiketten – und Betriebe, die den Schwarzen Peter weiterreichen.
Martin K. (Name der Redaktion bekannt) befindet sich im Eingangsbereich des Migros-Supermarktes (M) in Bülach Süd, als der Diebstahlalarm zum ersten Mal losgeht. Er ist zwar kurz irritiert, aber da ihn niemand darauf anspricht, vergisst er die Sache rasch wieder und wendet sich seinen Einkäufen zu. Doch als er kurze Zeit später nach Bezahlung seiner Waren den Kassenbereich verlassen will, ertönt erneut ein schriller Alarm. «Haben Sie kürzlich ein neues Kleidungsstück gekauft?», fragt ihn die Frau an der Migros-Kasse umgehend. «Oder tragen Sie neue Schuhe?» Martin K. verneint. Die Migros-Mitarbeiterin lässt ihn wissen, dass vermutlich eine nicht deaktivierte Diebstahlsicherungsetikette den Alarm ausgelöst haben könnte. «Tragen Sie vielleicht Kleider von C&A?», hakt die Kassiererin nach.
Kunde Martin fühlt sich inzwischen längst nicht mehr als König. Im Gegenteil. Die Sache ist ihm inzwischen ziemlich peinlich. Zumal nun auch andere Kundinnen und Kunden stehen bleiben und die Szene beobachten. «Ja, diese Wolljacke ist von C&A», sagt Martin K. schliesslich. «Aber diese habe ich ja bereits vor einem Jahr gekauft.» Die Kassiererin hat ein Einsehen und lässt Martin K. ziehen. Doch weit kommt er nicht. Beim Eingang von M-Electronics geht der Alarm erneut los.
Chips mit RFID-Technik
Nur ein Einzelfall? Mitnichten. Die Migros-Genossenschaften, aber auch C&A und Manor bestätigen: Fehlalarme gehören zum Alltag. Alle diese Konzerne arbeiten schon seit geraumer Zeit im Warensicherungsbereich mit der RFID-Technik (Radiofrequenz-Identifikation). Bei dieser Form von Diebstahlsicherung werden heute viele Artikel – vor allem im Nonfoodbereich – mittels elektromagnetischer Funkwellen identifiziert. Das geschieht via Warensicherungsetiketten mit inte- griertem RFID-Chip. Im Normalfall werden solche Etiketten beim Kassieren deaktiviert. Allerdings nicht immer – was zu den entsprechenden Fehlalarmen führt.
Migros kontra C&A
«In einer mittelgrossen Migros-Filiale sind es durchschnittlich drei bis vier Fehlalarme pro Tag», erklärt beispielsweise die Genossenschaft Migros Ostschweiz auf Anfrage. Hochgerechnet auf die 623 Migros-Läden in der Schweiz, dürften so allein bei den Mi- gros-Genossenschaften jedes Jahr mehrere Hunderttausend Fehlalarme ausgelöst werden. Doch der Konzern sieht die Schuld dafür nicht nur bei sich. «Solche Alarme werden hauptsächlich durch Kleidungsstücke der Firma C&A ausgelöst», ist beispielsweise die Genossenschaft Migros Basel überzeugt. Die Antwort von C&A folgt postwendend: «Wir bedauern, dass diese neue Technologie zu Fehlalarmen führt, weisen den Vorwurf aber zurück, dass die meisten Fehlalarme durch C&A-Etiketten ausgelöst werden», hält deren Sprecher Peter Gadient fest. Zudem komme es auch bei C&A zu Fehlalarmen, welche durch Sicherheitsetiketten anderer Anbieter ausgelöst würden. 2010 habe man beispielsweise mit der Genossenschaft Migros Waadt aktiv das Gespräch gesucht «und dabei festgestellt, dass die Probleme wechselseitig sind».
Weniger kontaktfreudig zeigte man sich bei C&A offenbar gegenüber der Genossenschaft Migros Ostschweiz. «Wir haben Anfang dieses Jahres erneut das Gespräch mit C&A gesucht, aber darauf bisher noch keine Antwort bekommen», heisst es aus der Ostschweiz. «Von einer Kontaktnahme der Migros Ostschweiz hatten wir bislang keine Kenntnis», entgegnet C&A. Um sogleich zu ergänzen: «Aufgrund Ihrer Anfrage haben wir aber sofort die Mi- gros Ostschweiz kontaktiert und werden zusammen Massnahmen zur Behebung dieses Problemfelds erarbeiten.» C&A räumt zudem ein, dass man seit geraumer Zeit eine bestimmte Sicherheitsetikette nicht mehr einsetze, «weil diese sich bei einigen durchgeführten Tests nachträglich wieder aktiviert hatte».
«Das Problem beschäftigt den Detailhandel tatsächlich», heisst es auch bei der grössten Schweizer Warenhauskette Manor. Laut eigenen Angaben kommt es bei durchschnittlich jedem 200. Manor-Kunden zu einem Fehlalarm. «Circa 25 Prozent der Alarme werden durch Produkte von Fremdfirmen ausgelöst», sagt Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher. Und wie soll das Problem behoben werden? «Das Problem kann von den jeweiligen Firmen nur gelöst werden, indem sie qualitativ einwandfreie Etiketten verwenden, die sich beim Gebrauch nicht wieder aktivieren, und indem sie sicherstellen, dass der Deaktivierungsprozess sich an den Kassen nachhaltig verbessert.»
«Sehr unangenehm»
Auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), ist es schon passiert, dass sie wegen eines Fehlalarms nach einer Kasse angehalten wurde, Auskunft zu geben. «Ich habe dies als sehr unangenehm und störend erlebt.» Vor allem die Häufigkeit der Fehlalarme macht ihr Sorgen. «Es ist doch schlicht eine Katastrophe, dass jedes Jahr Hunderttausende von unschuldigen Kundinnen und Kunden wegen dieser Fehlalarme in aller Öffentlichkeit blossgestellt und des Diebstahls verdächtigt werden.» Es stelle sich die Frage, ob der Einsatz von RFID-Warensicherungsetiketten tatsächlich noch in einem gesunden Verhältnis zum eigentlichen Nutzen stehe. «Zumal Untersuchungen in Deutschland zeigen, dass sich über 95 Prozent der Alarmmeldungen in Kauf- und Warenhäusern als Fehlalarm entpuppen.» Sie bittet zudem all jene, die solche Fehlalarme künftig erleben, ihr diese zu melden (info(at)konsumentenschutz.ch). «Damit ich bei den betroffenen Firmen in Erfahrung bringen kann, was sie zu tun gedenken, um solche Fehlalarme in Zukunft zu vermeiden.»
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Thomas MünzelAlso mir als Rollstuhlfahrerin ist es auch schon öfter passiert, dass ich (meistens schon beim hineinfahren) den Alarm ausgelöst hatte. Man vermutete, dass der Rollstuhl den Alarm auslöst. Ganz egal, obs der Handrollstuhl oder das Elektromobil war. Es gibt also offenbar mehrere Auslöser für Fehlalarme.
Am Tag vor Erscheinen des obigen Artikels bin ich in der Migrosfiliale in Effretikon als "Diebin erwischt" worden.An der Kasse piepste es und unverzüglich fragte mich die Kassierin, ob ich evtl. neue C&A Kleider tragen würde. Ich entgegne- te ihr, dass die Kleider bereits mehrmals gewaschen bzw. chem. gereinigt worden seien. Die Dame verwies mich freundlich an den Kundendienst. Dort wurde ich vor ALLEN Kunden gescannt, d.h. der Mantel der Marke Street One geöffnet, das T-shirt und der Pullover der Marke H&M hochgezogen, das war für mich sehr, sehr unangenehm und peinlich! Das Uebel wurde dann schnell gefunden; 2 Schnallen am Jupe der Marke Yessica von C&A vermutete man als Alarmauslöser. Die Sache war erledigt und ich durfte den Heimweg antreten. Zu Hause angekommen, liess mir die vorgefallene Angelegenheit keine Ruhe und ich nahm diesen Jupe etwas genauer unter die Lupe. Da entdeckte ich neben der Waschempfehlungsetikette eine 2. Etikette mit einem kleinen Chip der den Alarm ausgelöst hatte. Meine Erkenntnis: ab sofort kontrolliere ich alle neu gekauften Kleidungsstücke auf solche Chipetiketten, denn so eine unschöne Situation will ich nicht nochmals erleben.
Tatort: Migros Winterthur-Seen, letzten Samstag 21.01.12. Wir stehen an der Kasse und die Verkäuferin scannt alle Artikel, da geht mein Sohn durch die Schranke und der Alarm geht los. Alle Köpfe drehen sich nach uns um und jeder denkt wohl, aha, der junge Mann hat was mitlaufen lassen. Mein Sohn 15 J. hat zuerst nicht mitgekriegt, dass er der Auslöser war. Sofort kam noch eine andere Verkäuferin hinzu, um festzustellen was los war. Erst nachdem mein Sohn alle Taschen geleert hat, fragt die Verkäuferin ob er ein Kleidungsstück von C&A trage und siehe da, in der Jacke fand man schnell die Ursache für den Alarm. Die Etikette war der Auslöser. Die Verkäuferin hat es an Ort und Stelle entfernt und meinte, dieses Problem mit C&A Etiketten seie in der Migros bekannt. Trotzdem war es für alle furchtbar peinlich, vor allem für meinen Sohn. Für mich ist es unverständlich, dass C&A nichts dagegen unternimmt, obwohl dieses Problem bekannt ist. Schade, ein wirklich nicht sehr freundliches Kundenverhalten.
Gerade im Zusammenhang mit der aktuell geführten Diskussion um die Kennzeichnung von Textilien mit RFID, die nun auch in weiten Teilen "an den Haaren herbeigezogen" wurde, möchte ich zur allgemeinen Information einmal folgendes anmerken: Bei den hier geschilderten Fällen handelt es sich eben nicht um RFID Technologie sondern um sog. RF Technologie, die seit vielen Jahren und auf breiter Fläche angwandt wird. RF Technologie besitzt keinen Chip und ermöglicht damit technisch keinerlei Identifikation. Es wird lediglich ein Impuls im System ausgelöst, der dann einen entsprechenden Alarm bewirkt. Schade natürlich, dass die genannten Handelsketten die RF Technologie, wohl eher aber ihre Mitarbeiter, welche auf die Entwertung der Elemente nach erfolgter Zahlung achten müssen, nicht unter Kontrolle haben. Allerdings sollte man diese Unannehmlichkeiten auch der richtigen Technologie zuschreiben.
Migros Zürich im Winter vor einigen Jahren. Ich betrete den Laden, dick eingekleidet und mit Schulrucksack, Notebook usw. für die Abendschule. Am Eingang steht eine Schranke, jedoch kein Alarm wird ausgelöst. Schnell was zu essen und zu trinken gekauft, an der Expresskasse bezahlt und beim Verlassen der Kasse geht der Alarm ab. Sofort ist ein Security zur Stelle und ich werde gebeten mit zu kommen. So muss ich in Begleitung dieses Securitys wieder durch den halben Laden. Unter anderem wieder an der Eingangsschranke vorbei, hier wieder kein Alarm. Dann heisst es in einem speziell dafür eingerichteten Räumchen Mantel, Rucksack usw. Ablegen. In dem Raum befindet sich ebenfalls eine solche Scann-Schranke. Ich muss ohne meine Sachen zigmal hindurch, kein Alarm. Dann werden meine Sachen untersucht und immer wieder einzeln durch den Scanner geschwenkt. Alles negativ. Nach ca. 20 Minuten darf ich gehen. Der Security bringt mich durch den Landen Eingang nach draussen. Doch diesmal geht auch diese Schranke los, die ich doch schon zweimal erfolgreich passiert habe. Wieder schauen alle Leute. Der Security nimmt mich wieder mit und das Ganze geht von vorne los, nur diesmal noch genauer. Ich bin langsam genervt und bitte den Herrn es so gründlich wie nötig zu machen, denn ein drittes Mal werde ich nicht mitkommen. Ich stehe schlussendlich im T-Shirt da, meine Schultasche wird komplett geleert und alles wieder zig Mal gescannt. Ich mache brav alles mit und helfe ihm sogar, wo es noch Taschen usw. am Mantel und Rucksack zu finden gibt. Nichts! Dann wird der Security noch erfinderisch und fragt bei einigen Sachen in meiner Schultasche ob ich das von hier hätte. Ich frage ihn jeweils, ob es den diesen Artikel überhaupt in einem Migros-Lebensmittelgeschäft zu kaufen gibt? Fehlanzeige. Schlussendlich bemerkt der gute Mann noch, dass in dem an sich nackten Räumchen auf einem kleinen Gestellt noch ein paar Migros Artikel liegen. Sofort werde ich verdächtigt, dass wohl irgendwelche Strumpfhosen und Schokoladen von mir sein könnten. Unglaublich! Alles der Security bekundet fertig zu sein, frage ich Ihn, ob er sich sicher sei, dass er fertig ist, da ich wie gesagt nicht mehr mitkommen werde, egal wie viele Schranken im Laden Alarm auslösen. Er bestätigt. Wieder der Gang durch den halben Laden, verfolgt von der Security, doch diesmal habe ich Glück, der Scanner am Eingang, wo ich rausgelassen werde ist still und ich kann wirklich gehen. Die Geschichte hat mich zwei Schulstunden, einige peinliche Momente und Nerven gekostet. Entschuldigung dafür, Fehlanzeige. Den „Verursacher“ habe ich übrigens nie gefunden, ich bin mit diesen Kleidern und dieser Tasche bestimmt duzende Mal in Einkaufszentren gewesen, dies ohne Probleme. Jedoch nach diesem Erlebnis bin ich nie wieder vor der Schule noch schnell etwas Verpflegung einkaufen gegangen.
Wir hatten in der Migros Oberwinterthur das nette Erlebnis. Warensicherung gibt an. KassenMA bittet uns zur Seite. Das C&A Phänomen ist ihnen vorerst nicht bekannt. Erst als wir - vom üblichen Käuferkreis "ausgesondert" - und von kritischen Blicken gemustert am Kundendienst stehen, kommt jemandem in den Sinn, ob wir wohl irgendwie in einem Kleidungsstück von Vögele oder C&A was haben könnten? Eher zufällig findet meine Frau was im Kleidersaum ihres neuen Textils - von ? Ja, von C&A. Also sucht sie die Filiale auf und konfrontiert diese mit der Belästigung. Die Reaktion ist abweisend. Da könnten sie nix für, das wäre in Deutschland ausgezeichnet. Und sie hätten keine Zeit, bei jedem Produkt nach einer versteckten RFID zu suchen. Eine wenig kundenfreundliche Haltung.
Vor Jahren kaufte ich im C und A in Winterthur eine Kapuzenjacke, welche ich eigentlich häufig trage. Letzten Sommer bin damit vermutlich zum ersten Mal wieder in das Herkunftsgeschäft gegangen. Erst beim Verlassen hat der Piepser reagiert. Ich konnte mir nicht erklären, dass ich die Auslöserin sein sollte, wurde aber auch ziemlich energisch von einer Verkäuferin angehalten. Nach etwa dreimaligem Durchgang, kontrollieren aller Taschen und zuletzt sogar einer Prüfung meiner Kleider fand die Verkäuferin die Ursache. Sie wollte mir dieselbe aber nicht verraten und fragte mich ob ich denn nicht wisse, was der Auslöser sei, so im Sinne eines erwarteten Geständnisses. Schlussendlich musste sie doch einsehen, dass wohl beim seinerzeitigen Verkauf das Plastikteil nicht entfernt wurde. Letzte Woche habe ich ebenfalls im C und A ein T-shirt gekauft und zuhause beim Anziehen bemerkt, dass eine Etikette mit eingelassenem Metallstreifen eingenäht war. Dieselbe habe ich aber jetzt schnell weggeschnitten. Ich wusste nicht, dass solche unangenehmen Erlebnisse so häufig passieren.
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