Nachtschicht statt Nachtruhe: Jakob Bächtold über die Schlafgewohnheiten einer fünfköpfigen Familie.
160:2=80. Die Nacht beginnt luxuriös. Fast einen Meter Platz im Bett. Jedes Kind im eigenen Nest. Nach Liedchen singen und langwieriger Überzeugungsarbeit bei der ältesten Tochter ("Ich bin nonig müed. Nei, ich bin würklich nonig müed.") schläft alles. Süsse Träume.
160:3=53. Die Idylle ist von kurzer Dauer. Die Jüngste zahnt - Wuäh! - und lässt sich partout nicht beruhigen. Erst als die Mutter sich das Kind an die Brust nimmt ist langsam wieder Ruhe. Fertig mit der Zweisamkeit im 160-Zentimeter-Ehebett. Doch neben dem kleinen Persönchen ist immer noch genug Platz. Gute Nacht.
160:4=40. Beim nächsten Aufwachen ist es eng. Im Dunkeln brauche ich ein paar Momente, um den Überblick über die Lage zu gewinnen. Kurz nach Mitternacht, schon liegt die Kleinste quer im Bett. Das da neben meinem Kopf sind ihre Füsse. Und auf der anderen Seite ist unbemerkt noch jemand dazugekrochen. "Chasch no chli übere?", brummt meine Frau, auf die sich die nächtlichen Aktivitäten konzentrieren, denn alle Schlafwandelnden wollen in erster Linie zu ihr, so nah wie möglich. Ich rutsche, bis an den Abgrund, auch da lässts sich schlafen. Bis die Kleinste wieder brüllt. Die zwei Schaufelzähne sind noch immer nicht geboren.
160:5=32. "Ich han vomene böse Wolf träumt, de hätt mi wele frässe." Auch das noch. Die Grösste trampelt über die Decke, beginnt sich einzunisten, macht das Bett zur Sardinenbüchse. Will sie nicht in ihr Zimmer zurück? Ich würde sie ja auch rübertragen. "Ich wott aber au im grosse Bett siiiii." Mathematisch hätte jetzt noch jeder 32 Zentimeter zur Verfügung. Das reicht nicht. Um eine nächtliche Szene zu vermeiden und voller Vorfreude auf ein Bett ganz für mich, flüchte ich ins Kinderzimmer. Ein paar Bären und Elefanten weggeräumt und fast eingeschlafen. Ein dumpfes Bumm weckt mich aus dem Halbschlaf. Es wird doch nicht etwa... Gebrüll! Alarm! Die Kleinste ist aus dem Bett gefallen. Glück im Unglück: Ausser einer Beule sind keine Schäden feststellbar. "Du chasch doch nöd eifach us em Bett, susch gheit si uf dinere Siite use." Der Wecker unterbindet weitere Diskussionen. Aufstehen. Schon verlangt die Mittlere nach einem Confibrot. Der Tag beginnt - zum Glück.
Und die Moral von der Geschicht: Begegnen sie Eltern von Kleinkindern am Morgen mit Vorsicht. Sie können nie ahnen, was sie in der Nacht alles erlebt haben.
Jakob Bächtold... Oh mein Gott, das kommt mir alles so bekannt vor! Es geht uns nicht besser und wir fragen uns, wann das endlich aufhört das in's grosse Bettli kriechen... unsere Töchter haben sogar den Schlüssel von unserem Schlafzimmer versteckt. Wir sind diesen nächtlichen Störungen voll und ganz ausgesetzt... lieber Jakob, es wird eines Tages besser, ca. in 5 Jahren! Ich wünsche eine gute Nacht:-)
Lieber Jakob Du hasst unser vollstes Beileid Immerhin bist Du als Prellbock noch akzeptiert! Ein schönes und ruhiges Wochenende und liebe Grüsse Esther Paul
Ohne grosse Worte. Hier fühlt sich jemand einfach nur bestätigt. Danke.
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