Stefan Fritschi (FDP) ist seit zwei Jahren Stadtrat. Der Schul- und Sportvorsteher zeigt sich kostenbewusst, innovationsfreudig und unvoreingenommen. Und er hört, was in den Lehrerzimmern läuft.
Politisiert lustvoll
Offenbar fördert Stefan Fritschi seine Leute, wenn diese innovative Ideen haben, die mit wenig Geld viel Nutzen bringen. Zu seinem Departement gehört ein Mitarbeiter, der technisch bewandert ist und nach neuen ökologisch-ökonomischen Lösungen sucht. Herausgekommen ist ein Turnzelt, das zwar nicht eben hübsch anzuschauen ist, aber seinen Dienst erfüllt – und viel Geld spart. Jede andere Lösung hätte länger gedauert und wäre teurer gekommen. Das haben auch Behörden in anderen Kantonen bemerkt: Manche haben Spione nach Oberwinterthur geschickt, um das Wunder des Turnzelts von Hegi zu ergründen. Noch nicht denselben Erfolg hatte Fritschi bisher mit der Idee aus seinem Departement, das Freibad Geiselweid zu einem halben Hallenbad zu machen. Das Cabriodach, das den Sommer in den Winter bringen soll, hat noch nicht die Herzen aller erwärmt. Durchaus innovativ, ungewöhnlich und kostenbewusst ist auch diese Lösung.
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Stadtrat Fritschi ist von Haus aus ein Sparer, im Gemeinderat gehörte der Pfarrerssohn zu den Predigern der Sparfraktion. Und als der Gemeinderat dem Stadtrat Fritschi den Kredit für das Schulhaus Zinzikon kürzte, hielt dieser kaum dagegen, sondern lobte sogar den «sehr guten Kompromiss». Man kann das interpretieren, wie man will: Entweder haben die Leute, die er übernahm, zu grosszügig budgetiert und der Sparapostel Fritschi hat nicht interveniert, oder aber – was wir nicht hoffen: Der Gemeinderat versteht mehr von der Sache als die Verwaltung. An der Urne kam das Projekt dann locker durch.
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Im persönlichen Umgang ist Magistrat Fritschi offen und unkompliziert, sagt oft sogar ein Wort zu viel, wo andere schweigen oder schwafeln. Und ist sich nicht zu schade, Aussagen zu korrigieren, wenn die Detailabklärung etwas anderes ergab. Seinen Input holt Fritschi nicht nur in der Verwaltung, sondern auch an der Front. Seine Frau ist Lehrerin und er dadurch auf dem Laufenden, was in Lehrerzimmern bewegt und wo der Schuh drückt: immer neue Reformen und mehr Bürokratie, immer mehr Kosten und weniger Zeit für einzelne Kinder. Das kanns nicht sein. Fritschi kommt entgegen, dass das, was derzeit neu von Zürich kommt, nicht mehr so flutartig über die Lehrerinnen hereinbricht wie noch zu Pedergnanas Zeiten.
Strebt in Richtung Meisterschaft
Seine Vorgängerin war nicht eben bekannt dafür, all die Schulreformen ständig in Frage zu stellen. Fritschi ist von seinem Naturell her ein anderer Typ. Aus Lehrerkreisen und Behörden hört man, er sei kritikfähig, könne zuhören und habe weniger vorgefasste Meinungen als Vorgängerin Pedergnana. Er ist generell ein unvoreingenommener Mensch mit weitem Horizont. Man trifft ihn im Stadthaus nicht nur im Sitzungszimmer, sondern auch im Konzertsaal. Ebenso mit Familie am Afro-Markt, im Bruderhaus oder beim Orientierungslauf im Wald. Er ist ein Stadtrat, der seine Stadt kennt und ihre Angebote nutzt. Ein Bürger wie andere auch.
Von Pedergnana hat er einige Dossiers übernommen und angepackt: Das Verhältnis zur Krippe der christlichen Privatschule Salzh ist jetzt geklärt, die Lehrerlöhne in den 10. Schuljahren werden koordiniert, die Horttarife sind neu festgelegt und die Schülerprognosen korrigiert. Das Wachstum will Fritschi auch hier mit Günstiglösungen auffangen: Pavillons und Provisorien.
Hat eine ewige Baustelle
Dieser Tage legte er jedoch ein Dossier auf den Tisch, an dem er noch zu kauen haben wird. Die Sonderschulung verhaltensauffälliger Kinder wird immer teurer, weil immer mehr und immer jüngere Kinder Auffälligkeiten zeigen. Von einer neuen eigenen Sonderschule sprach Fritschi noch vor einem Jahr. Vielleicht etwas vorschnell – so wie er eben ist. Die Lösung nun in der Integration in Regelklassen zu suchen, mag dem Sparer Fritschi entsprechen. Wenn er aber auf das hört, was ihm seine Frau aus dem Lehrerzimmer zutragen dürfte, wird er wohl nochmals nachdenken müssen.
Jeder erhält, was er verdient. Die Palette:
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