Sicherheit

Ist die Feuerwehr 2020 stark genug?

Durch die Reorganisation der Feuerwehr im Kanton Zürich werden die Mindestbestände der Korps abgeschafft. Kritiker befürchten, dass dann bei grösseren Ereignissen zu wenig Einsatzkräfte vor Ort sein werden.

2011, Brand einer Reithalle in Elgg: SVP-Kantonsräte befürchten, dass künftig solche Brände nicht schnell genug bekämpft werden.

2011, Brand einer Reithalle in Elgg: SVP-Kantonsräte befürchten, dass künftig solche Brände nicht schnell genug bekämpft werden. Bild: Kapo Zürich

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Mit dem Konzept Feuerwehr 2020 will die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) erreichen, dass die Feuerwehr­organisationen noch enger, effizienter und kostengünstiger zusammenarbeiten. Dies auch deshalb, weil es immer schwieriger wird, Personal für die Korps zu rekrutieren.So ist unter anderem vorgesehen, die gesetzlich festgelegten Mindestbestände abzuschaffen. Stattdessen will die GVZ die minimale Mannschaftsgrösse mit jeder Gemeinde individuell festlegen. Dabei werden zehn Kriterien angewendet: Dazu zählen unter anderem die Gefahrenanalyse des Einsatzgebiets, die Einsatzerfahrung der Feuerwehr und die Zahl ihrer Einsatzstunden pro Jahr. Zudem wird berücksichtigt, wie verfügbar die Feuerwehrleute tagsüber sind und ob es Zweckverbände oder Zusammenarbeitsverträge mit benachbarten Gemeinden gibt.

SVP-Kantonsrat Matthias Hauser hält diese Lockerung für gefährlich. Der Präsident der 1000 Einwohner kleinen Gemeinde Hüntwangen glaubt, dass die Vorgaben nicht ausreichen, um Brände schnell zu löschen. «In den neuen Reglementen sind keine minimalen Mannschaftsbestände vorgeschrieben. Es wird also gesetzlich keine Handhabe mehr geben, wenn einzelne Feuerwehren die individuellen Mannschaftsgrössen nicht erreichen.»

Monatliche Kontrollen

Hauser und sein Parteikollege Daniel Wäfler aus Gossau haben deshalb den Regierungsrat mit einer Anfrage konfrontiert. In seiner Antwort schreibt dieser, dass die Mannschaftsbestände monatlich kontrolliert würden. Ausserdem, sagt Kurt Steiner, Leiter Feuerwehr bei der GVZ, auf Anfrage, erfüllten mittlerweile alle Gemeinden die individuell festgelegten Minimalvorgaben.

Hauser findet dagegen, dass dies nur auf dem Papier zutrifft. «Studiert man die Einsatzprotokolle, sieht man, dass vielerorts die Gemeindefeuerwehren mit ungenügenden Beständen im Einsatz stehen und ohne Stützpunktfeuerwehren der Kampf gegen die Flammen sehr viel langwieriger wäre.» Auch die Tagesverfügbarkeit sei bei manchen Korps unzureichend. Hauser nennt als Beispiel die Feuerwehr einer Gemeinde, deren Kommandant so weit entfernt arbeite, dass er es durch den Verkehr niemals rechtzeitig zum Schadenplatz schaffen könne.

Hauser stört sich auch an den genannten Kriterien: Dass etwa die Anzahl Einsätze mitentscheidend für die Festlegung der individuellen Mannschaftsgrösse sein soll, kann er nicht nachvollziehen. «In Hüntwangen gab es seit 30 Jahren keinen grösseren Brand mehr – können wir deshalb die Feuerwehr abschaffen?»

«Das reicht nie und nimmer»

Landesweit gilt die Vorgabe, dass innert 10 Minuten ­– in dünn besiedeltem Gebiet innert 15 Minuten – mindestens 10 Angehörige der Feuerwehr (AdF) im Einsatz stehen müssen. Im Entwurf zur Feuerwehr 2020 ist von circa 10 die Rede.

10 AdF reichten für anspruchsvolle Rettungen «nie und nimmer», sagt Hauser und nennt ein weiteres Beispiel: «Als Ende Oktober in Stadel ein Bauernhaus brannte, waren zwei Stützpunktfeuerwehren vor Ort – aber nicht eine funktionierende Gemeindefeuerwehr.»

Kurt Steiner entgegnet, dass sich die 10 AdF lediglich auf den Ersteinsatz, den «ersten Schlag» beziehen. «Bei der Meldung ‹Brand› erfolgen selbstverständlich zusätzliche Aufgebote wie etwa eine Autodrehleiter mit weiteren AdF.»

SVP-Kantonsrat Hauser hofft dennoch, dass die GVZ das Konzept Feuerwehr 2020 noch einmal überarbeitet, «damit die Mannschaftsbestände nicht nur auf dem Papier stimmen und die Gemeinden nicht nur zusammenarbeiten können, sondern müssen». Falls das definitive Konzept ungenügend sei, behalte er sich vor, konkrete parlamentarische Vorstösse einzureichen.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 06.01.2017, 21:32 Uhr

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