Winterthur

Was geht ab auf #Winterthur? Vor allem Porno

Wer auf der Social-Media-Plattform Instagram den Hashtag Winterthur eingibt, stösst auf sehr viel expliziten Sex. Instagram verbietet pornografische Inhalte zwar,die Plattform schafft es aber nicht, die Regeln durchzusetzen.

Unter #Winterthur werden auf der Social-Media-Plattform Instagram Pornos platziert. Die Redaktion hat den Bildausschnitt wegen seiner Explizitheit retouchiert.

Unter #Winterthur werden auf der Social-Media-Plattform Instagram Pornos platziert. Die Redaktion hat den Bildausschnitt wegen seiner Explizitheit retouchiert.

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Man stelle sich vor: Eine Familie aus Mailand besucht die Schweiz. Der Vater ist Kunstliebhaber, und so ist auf der Route durch die Alpenrepublik auch Winterthur rot eingekreiselt. Die 14-jährige Tochter hat eigentlich überhaupt keine Lust auf den Ausflug ins Nachbarland, setzt sich dann aber auf der Autofahrt gen Norden doch einmal auf ihre Art mit dem Reiseziel auseinander.Auf der Social-Media-Plattform Instagram will sie sich die Fotos unter #Winterthur anschauen. Sie will wissen, was junge Leute über diese Stadt posten, in der ihr Vater stundenlang alte Bilder anschauen will. Unter #Winterthur stösst sie dann, nach ein paar Fotos aus dem Skaterpark, aber fast nur noch auf eines: Videos und Fotos, die Menschen beim expliziten Sex zeigen.

Viele junge Nutzer

Die Plattform Instagram ist offiziell ab 13 Jahren zugänglich. Alles, was man für die Anmeldung braucht, ist eine funktionierende E-Mail-Adresse. Über eine App fürs Mobiltelefon lassen sich dann mit wenigen Klicks Fotos und Videos hochladen und teilen – und das ist vor allem bei vielen Jungen beliebt. 2016 waren 41 Prozent der weltweit 600 Millionen Instagram-Nutzer 24 Jahre alt oder jünger. Dass diese jungen Leute auf Pornografie stossen, sei eher selten, sagt Social-Media-Experte Thomas Hutter. «Instagram enthält relativ wenig pornografische Inhalte.»

Bilder und Videos würden beim Hochladen zwar nicht automatisch, also durch eine Software, geprüft. Instagram verlasse sich bei der Prüfung der Inhalte aber auf das Community-Prinzip, und das funktioniere gut. «Die Nutzer melden anstössige Bilder wie Nacktheit, Pornografie, drastische Gewalt, Hassreden oder -symbole über die Meldefunktion an Instagram.» Entsprechende würden dann in der Regel innert zwei bis drei Stunden entfernt. «Instagram hält sich mit diesem Vorgehen an die AGB und an die Rechtslage» sagt Hutter. Die unter #Winterthur erscheinenden Inhalte, mutmasst Hutter, seien relativ jung. «Entsprechend wurden sie noch nicht von der Community gemeldet.»

Zweites Nipplegate

Seit der Lancierung vor sieben Jahren hat sich die Plattform mit der Blockierung pornografischer Inhalte allerdings schwergetan und ist wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Längst sind offensichtliche Hashtags wie #instaporn oder #fuckme auf der Plattform gesperrt, doch das hindert einzelne Nutzer nicht, pornografische Inhalte unter ähnlichen Stichworten immer wieder neu zu verlinken. Auch eine Sperrung hält sie nicht davon ab. Sie können problemlos unter einer neuen E-Mail-Adresse wieder Videos und Fotos auf Instagram hochladen.

Erst vor knapp zwei Jahren hat Instagram die Regeln gegen Pornografie verschärft. Nicht zulässig sind demnach «Geschlechtsverkehr, Genitalien und Nahaufnahmen nackter Gesässe». Zuvor hatten verschiedene Nacktaufnahmen für Schlagzeilen gesorgt, unter anderem Bilder der Musikerin Rihanna, ohne verpixelte Brustwarzen – Aktaufnahmen, die sich im Vergleich zur sonst vielfach hochgeladenen harten Pornografie harmlos ausnehmen.

Instagram schweigt

Eine Anfrage des «Landboten», ob verbotene Inhalte nicht stärker geahndet werden müssten und warum es nicht gelingt, #Winterthur von Pornografie zu bereinigen, liess Instagram unbeantwortet. Überraschend entspannt fällt die Reaktion von Winterthur Tourismus auf die Pornovideos unter dem Hashtag Winterthur aus. «Aus unserer Sicht betrifft dieses Problem Winterthur als Tourismusdestinatination nicht wirklich. Wir verwenden #Winterthur für die Kommunikation mit den Gästen nicht», sagt Tourismusdirektor Pierre Droz. Überhaupt habe Winterthur Tourismus keinen Instagram-Account. Man nutze dagegen andere Plattformen, wie Trip Advisor, Booking, Schweiz Tourismus und Zürich Tourismus. «Dort haben Sexvideos keine Chance», so Droz. In Zukunft ist jedoch ein Instagram-Account geplant. Im Zusammenhang mit dem House of Winterthur sei Winterthur Tourismus daran, «eine umfassende Social-Media- Strategie» aufzugleisen.

Anschauungsunterricht kann sich Winterthur in der Partnerorganisation in Zürich holen. Dort kennt man das Problem wie auch in einigen anderen Schweizer Städten. Weil unter #zürich und #zurich derart viel pornografisches Material verlinkt wurde, hat Zürich Tourismus vor zweieinhalb Jahren den Hashtag #visitzurich kreiert. «Unter diesem Hashtag werden täglich etwa 100 Bilder auf Instagram gestellt, darunter ist kein pornografisches Material», sagt Sprecher Ueli Heer. «Bis jetzt.»

(landbote.ch)

Erstellt: 14.02.2017, 18:06 Uhr

Instagram/ Facebook

Traumatisierte Mitarbeiter

Um Material, das von den Nutzern als unangemessen oder ­illegal gemeldet wird, zu löschen, haben Instagram und Facebook eine Armada von Angestellten. Ein Grossteil dieser Arbeit wird heute auf den Philippinen gemacht. Auf Facebook ist sie auch erfolgreich, jedenfalls sieht man dort nur selten unerlaubte Bilder oder Videos. Diese sogenannte Inhaltsmoderation hat allerdings ihren Preis. Die dafür angestellten Mitarbeiter müssen sich täglich Szenen anschauen, die kein normaler Mensch sehen will. Vor zwei Jahren machte das Outing eines ehemaligen Mitarbeiters Schlagzeilen. «Das Schlimmste ist das Blut», sagte er in einem viel beachteten Artikel und nannte Beispiele: brutale ­Strassenkämpfe, Gewalt an ­Tieren, Selbstmordanschläge, ­Enthauptungen und schreckliche Verkehrsunfälle.
Diese manuelle Kontrolle durch eine Software zu ersetzen, ist derzeit nicht möglich. Darum sei auch eine Überprüfung vor dem Hochladen des Materials nicht mit einem vernünftigen Aufwand möglich, sagt Social-Media-Experte Thomas Hutter. «Immerhin werden täglich Hunderte von Millionen von Bildern und Videos auf beiden Platt­formen hochgeladen.» Eine «manuelle» Überprüfung aller Inhalte wäre laut Hutter zudem ein Verstoss gegen die Privatsphäre der Nutzer.

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