Dägerlen

Der Zwist um die Balkone

Der Gemeinderat Dägerlen kann das Thema ­­Bau- und Zonenordnung noch nicht abhaken. Zwei Artikel in der revidierten Fassung verstossen gegen übergeordnetes Recht.

Balkone würden den Wohnkomfort bei der heutigen verdichteten Bauweise erheblich steigern, begründete ein Dägeler seine Beschwerde. (Archiv)

Balkone würden den Wohnkomfort bei der heutigen verdichteten Bauweise erheblich steigern, begründete ein Dägeler seine Beschwerde. (Archiv) Bild: Donato Caspari

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Ein Balkon auf allen Seiten eines Hauses: Soll das in den meisten Orten der Gemeinde Dägerlen erlaubt sein? In dieser Frage muss der Gemeinderat nochmals über die Bücher gehen. Denn das Zürcher Baurekursgericht hat kürzlich eine Beschwerde gutge­heisen, welche die revidierte Bau- und Zonenordnung (BZO) der Gemeinde betrifft.Zwar hatte der Absender, ein Dägerler Stimmberechtigter, ursprünglich einen Rekurs eingereicht. Das Gericht kam jedoch zum Schluss, dass er gar nicht rekursberechtigt sei. Denn die Gutheissung des Rekurses hätte ihm persönlich nützen müssen. Und das war hier nicht der Fall, wiedas Gericht in seinem eben ver­öffentlichten Urteil festhält.

Also wandelte es den Rekurs in eine Gemeindebeschwerde um. Eine solche ist möglich, wenn Beschlüsse der Gemeinde gegen übergeordnetes Recht verstossen. Auch das ist in diesem Fall gegeben, wie aus dem 22 Seiten langen Urteil weiter hervorgeht.

Balkone auf der Stirnseite

Der Beschwerdeführer hatte zwei Artikel in der revidierten BZO ­bemängelt, welche die Gemeindeversammlung vom Februar 2015 geändert hatte. Bei dem einen beschloss die Versammlung, Balkone auch auf der Stirnseite eines Hauses zuzulassen (was bis anhin nicht möglich war). Und beim anderen ersetzten die Stimmberechtigten in einer Tabelle zu den Bauweisen das Wort «zeitgemäss» durch «ortsbildgemäss». Die Tabelle sollte für Architekten und Bauwillige eine Hilfe sein. Damit war der Beschwerdeführer zufrieden.

Die Baudirektion jedoch entschied: «Beides nicht bewilligungsfähig.» Worauf der Gemeinderat beide Artikel wieder in die ursprüngliche Fassung brachte. Dies wiederum veranlasste den besagten Stimmbürger dazu, einen Rekurs gegen den Entscheid der Baudirektion sowie des Gemeinderates einzureichen.

Der Dägerler begründete seine Beschwerde zum einen damit, dass Balkone den Wohnkomfort bei der heutigen verdichteten Bauweise erheblich steigerten, sodass sie auch auf der Stirnseite eines Hauses erlaubt sein sollten. Zum anderen stellte er im Artikel zur Tabelle fest, dass einige der Bestimmungen sich mit anderen der BZO widersprachen.

Zu Recht, wie das Baurekursgericht nun bescheinigt. Der Artikel missachte übergeordnetes Recht, er müsse daher aufgehoben werden. Ebenso der Artikel zu den Balkonen. Bei beiden solle die ­Gemeinde entscheiden, ob undin welcher Form sie sie nun formulieren wolle.

Wie der Gemeinderat jetzt vorgehen will, hat er noch nicht entschieden, wie Gemeindeschreiberin Brigitta Leutenegger auf Anfrage sagt. «Sinnvoll wäre, wenn sich die Gemeindeversammlung nochmals zu den Balkonen äussern könnte», sagt sie. Der Artikel mit der Tabelle zu den Bauweisen könne man ersatzlos streichen. (Der Landbote)

Erstellt: 04.12.2016, 16:22 Uhr

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