Turbenthal

Ein Trio will Dorfgeschichte archivieren

Ein Student soll in Turbenthal ein neues Archiv einrichten. Unterstützt wird er von einem Historiker und einer Aktuarin.

Wolfgang Wahl, Andrey Burnashev und Renate Gutknecht (von links) im provisorischen Ortsmuseum Turbenthal.

Wolfgang Wahl, Andrey Burnashev und Renate Gutknecht (von links) im provisorischen Ortsmuseum Turbenthal. Bild: Madeleine Schoder

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Wer Genaueres über Turbenthals Vergangenheit wissen will, der muss die Informationen zurzeit überall mühsam zusammensuchen. Diverse Zeitdokumente lagern im provisorischen Ortsmuseum an der Tösstalstrasse, andere liegen unbeachtet in Wohnungen oder in einem Archiv in der Zivilschutzanlage. Es besteht somit die Gefahr, dass die Unterlagen irgendwann verloren oder vergessen gehen.

Ein ungewöhnliches Trio will nun Ordnung ins Ganze bringen. Der Initiator des Projekts ist Wolfgang Wahl aus Wila. Er ist Historiker, Archivbeauftragter der Kulturkommission Zürcher Oberland und unterrichtet an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur (HTW). Mit dabei sind Andrey Burnashev, Student ander HTW, und Renate Gutknecht, Aktuarin im Turben­thaler Verein für ein Ortsmuseum.

Dokumente sichten

Der Gemeinderat hat ihnen einen Kredit von 8000 Franken zugesichert, damit sie ein neues Privatbestandsarchiv einrichten können. Darin werden im Gegensatz zum gesetzlich vorgeschriebenen Gemeindearchiv keine offiziellen Dokumente gelagert, sondern Informationen über Persönlichkeiten, Firmen oder Vereine.

Die Hauptarbeit übernimmt Andrey Burnashev im Rahmen eines zweimonatigen Praktikums. Der 24-jährige Student der Informationswissenschaften soll Hunderte Dokumente sichten, ordnen und diese dann im Keller der Gemeindeverwaltung übersichtlich archivieren und konservieren. Wahl will ihn dabei fachlich begleiten.

Gefragt sind aber auch Privatpersonen. Sie können erhaltenswerte Dokumente, etwa Vereinsprotokolle, Bilder oder Briefe, im Gemeindehaus abgeben, damit Andrey Burnashev diese dort auswerten und gewichten kann. Nach einem ersten Aufruf im «Tössthaler» von Ende Januar ist bereits Material eingegangen. In einem Büro liegen mehrere Kisten mit Fotoalben und Protokollbüchern zur Durchsicht bereit.

Auch der Verein für ein Ortsmuseum verfügt über zahlreiche Trouvaillen, die derzeit nicht fachgerecht gelagert sind. Zum Beispiel sind da Bilder der Schriftstellerin Olga Meyer und ihrer Mutter Anna Barbara. Annas Erlebnisse in Turbenthal dienten Olga Meyer als Grund­lage für ihr Buch «Anneli». Für den Verein für ein Ortsmuseum sei das Privatbestandsarchiv ein sehr wichtiges Projekt, sagt Renate Gutknecht. Sie und andere Vereinsmitglieder hätten zu Hause Unterlagen, die man unbedingt erhalten müsse: zum Beispiel eine Schachtel mit alten Dokumenten über die Wasserversorgung. Daraus gehe hervor, dass es in der Aussenwacht Seelmatten einst einen Flugzeughangar gab. Solches Wissen könnte durch einen Brand zerstört werden. «Deshalb müssen die Dokumente an einem zentralen Ort ­gesichert werden», sagt Renate Gutknecht. Dank verschiedener Informationen aus der Vergangenheit könne man nachvoll­ziehen, wie Turbenthal zu dem wurde, was es heute ist. «Das hilft, Zusammenhänge besser zu verstehen», sagt Renate Gutknecht. Zusätzlich sei auch eine Archivbibliothek geplant, wo möglichst alle Bücher und Schriften, in denen Turbenthal vorkommt, gelesen werden können.

Archiv weiterführen

Ziel des Projekts ist es, eine Übersicht über alle vorhandenen Unterlagen zu gewinnen, wie Wolfgang Wahl sagt. Mithilfe von Stichworten sollen Interessierte Dokumente zu spezifischen Themen rasch abrufen können. Das helfe auch bei der Entwicklung neuer Wanderausstellungen mit dem Ortsmuseum Wila. Ist das Privatbestandsarchiv erst eingerichtet, soll es von Laien weitergeführt werden können. Denn: «Ein Archiv hört niemals auf.»

(Der Landbote)

Erstellt: 11.02.2017, 08:53 Uhr

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