Winterthur

«Wir sind nicht gespalten, nur uneins über den Lösungsweg»

Die Kreisschulpflege Stadt-Töss schreibt in einer Mitteilung, die Situation rund um das Schulhaus Brühlberg stelle für die Behörde eine grosse Herausforderung dar. Doch eine Lösung zeichne sich ab. Im Interview nimmt Präsident Felix Müller Stellung.

Schulpflegepräsident Felix Müller tritt nicht in den Ausstand.

Schulpflegepräsident Felix Müller tritt nicht in den Ausstand. Bild: Urs Jaudas

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Im Landboten konnte man lesen, dass die Schulpflegesitzung vom Mittwochabend völlig aus dem Ruder lief. Haben Sie das auch so erlebt?
Felix Müller: Es war eine turbulente Sitzung, was aber verständlich ist in der hektischen Situation. Wir haben aber nur um die Sache gestritten, nicht um oder über Personen. Und positiv ist, dass wir mit einem Ergebnis aufgehört haben.

Und dieses lautet, dass es eine Taskforce gibt, die sich um die Neuausrichtung der Schule Brühlberg kümmert, in der Sie aber nicht dabei sind. Richtig?
Dass ich in den Ausstand trete ist nicht korrekt. Wir haben am Mittwoch wohl über eine Taskforce gesprochen. Aber nach dem, was im Landboten stand, müssen wir die Ausrichtung neu justieren. Das wird in einer nächsten Sitzung am Dienstag geschehen.

Inwiefern hat denn der Artikel die Ausgangslage verändert?
Wir haben über Lösungswege gesprochen, die jetzt noch angepasst werden müssen.

Es hiess weiter, die angedachte Lösung sei gegen ihren Willen beschlossen worden. Stimmt das?
Selbstverständlich braucht es eine Gruppe, die vor Ort unterstützt. Und es war nie die Meinung, dass ich überall dabei bin.

Ist die Interpretation richtig: Sie treten zwar nicht in den Ausstand und bleiben in der Verantwortung, sind aber nicht Mitglied der Taskforce?
Dazu kann ich im Moment nichts sagen, es gibt zwar einen Vorschlag, aber Inhalt und Zusammensetzung der Taskforce besprechen wir erst in der Sitzung am Dienstag.

Nochmals konkret, Sie tragen die Lösung einer Taskforce mit?
Ja, so stehe ich dahinter.

In der Medienmitteilung steht der Satz, die Schulpflege lege Wert auf die Feststellung, dass das Gremium von Ihnen geführt wird. Was wollen Sie damit sagen?
Dass ich das Gremium weiterhin führe, es gab keine Entmachtung.

Aber Sie sind innerhalb des Gremiums gespalten.
Das sehe ich nicht so. Wir sind wohl uneinig über den Weg der Lösung, aber nicht in Bezug auf Personen. Nicht alle haben die gleiche Idee einer Lösung. Deshalb treffen wir uns ja auch noch einmal am nächsten Dienstagabend.

Aber die Stimmung war an der letzten Sitzung so aufgeladen, dass ein Mediator beigezogen werden musste.
Ja, das ist richtig.

Weshalb haben Sie die Öffentlichkeit nicht unmittelbar nach der letzten Sitzung informiert?
Wir wollten eigentlich am Freitag informieren, aber wie gesagt, nach dem Artikel mussten wir nochmals miteinander Rücksprache nehmen.

Es ist bereits Mai und die Stellen der Lehrpersonen wurden noch immer nicht ausgeschrieben, weshalb?
Wir wollen die zu beschliessende Lösung abwarten und die Stellen dann so ausschreiben, dass es für alle Beteiligten stimmt, Schule, Schulpflege und Schulleitung.

Ein Leser vermutete gar, man wolle die Schule ganz schliessen und die Schüler verteilen.
Das ist Unsinn, das wäre schon aufgrund der Schulraumsituation nicht möglich. Wir können nicht einfach Schüler verschieben.

Aber ist es realistisch, noch genügend Lehrpersonen für den Sommer zu finden?
Es ist sicher eine Herausforderung. Es ist jetzt höchste Zeit, die Stellen auszuschreiben.

Was ist mit der Schulleiterin der Brühlberg-Schule, wird sie zurückkehren?
Ich kann Ihnen nur sagen, dass sie am Montag sicher noch nicht zurückkommt.

Und für Sie ist der Rücktritt immer noch kein Thema?
Ich bin jetzt in der Verantwortung und bin klar der Meinung, dass vieles blockiert und eine Lösung schwierig würde, wenn ich jetzt abtrete.

Und wie sieht es 2018 aus, treten Sie nochmals an?
Das ist im Moment kein Thema. Es braucht nun viel Zeit und Raum um die Situation zu klären, um den Rest kümmere ich mich später.

Mehr Zeit hätten Sie, wenn Sie Ihr Nebenamt beim Baurekursgericht abgeben würden. Ist das ein Thema?
Nein, im Moment nicht. Sogar die Grünen waren der Meinung, dieses Amt solle ich beibehalten, die Rücktrittsforderung bezog sich nur auf das Schulpflegepräsidium.

Die Vorwürfe, die nun seit Wochen gegen Sie erhoben werden, sind aber schon happig, wie gehen Sie damit um?
Vieles sind ältere Vorwürfe, die der Bezirksrat in der Beantwortung der Aufsichtsbeschwerde bereits entkräftet hat. Jeder macht Fehler, aber ich habe nicht den Eindruck, dass ich mich so verhalten hätte, das etwas ungesetzlich war.

Schauen wir vorwärts, wie geht es weiter?
Am Dienstag will die Schulpflege im Rahmen einer ausserordentlichen Sitzung einen Massnahmenkatalog verabschieden. Kernelement ist die Bildung einer Taskforce Brühlberg. Wenn es der Schulpflege am Dienstag gelingt, den überarbeiteten Lösungsvorschlag zu akzeptieren, dann bin ich zuversichtlich für das Schulhaus Brühlberg.

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Erstellt: 06.05.2017, 11:44 Uhr

Replik der Eltern

Eltern von Brühlberg-Kindern reagierten am Sonntag mit einer Stellungnahme auf das Interview mit Schulpräsident Felix Müller. Sie bezeichnen es als inhaltsleer und ausweichend. Müller sei seit Jahren nicht in der Lage, Probleme anzugehen und einvernehmliche Lösungen zu finden. Seit Beginn der jüngsten Brühlberg-Krise habe er noch nie mit den Eltern geredet, die neusten Informationen teile er nur dem Landboten mit. Das Interview sei ein billiger Versuch, eine von ihm verschleppte Situation schönzureden. Die Eltern halten weiter an ihren Forderungen, den Rücktritt von Felix Müller und die Absetzung der Schulleiterin, fest.
Weiter kritisieren die Eltern Roger Zollinger und Brigitte Spalinger, dass die Schulpflege seit bald zwei Monaten wisse, dass sie neue Lehrkräfte suchen müsse, aber bis jetzt seien keine Stelleninserate geschaltet worden. Es könne nicht sein, dass sie sich als Eltern für eine funktionierende und beständige Volksschule einsetzen müssen, weil Müller die Kreisschulpflege durch Machtspiele blockiere. (red)

Müller führt Schulpflege weiterhin

Am letzten Mittwoch tagte die Kreisschulpflege Stadt-Töss. Eine Medieninformation gab es nicht, doch im Landboten vom Freitag schilderte ein Mitglied, wie die Sitzung verlaufen war. Es berichtete von gehässigen Voten, so dass eine Mediation nötig wurde. Weiter hiess es, künftig kümmere sich eine Kommission der Schulpflege um die Neuausrichtung der Schule. Präsident Felix Müller trete in den Ausstand.

Heute Samstag nun nahm die Kreisschulpflege Stellung. Man habe sich intensiv mit der Situation rund um die Schule Brühlberg befasst. Das sei sehr anspruchsvoll gewesen und öffentliche Schlagzeilen über Machtkämpfe und Meinungsdifferenzen seien die Folge gewesen. Doch man wolle festhalten: «Das Gremium wird von Präsident Felix Müller geführt und verfolgt ein gemeinsames Ziel. Die Gewährleistung eines geordneten Schulbetriebs und eines positiven Lernumfelds im Brühlberg.» Um dies zu erreichen, habe man einen Massnahmenkatalog erarbeitet, der nun am kommenden Dienstag verabschiedet werde. Informiert werde am Mittwoch danach, weil «sich die Schulpflege bewusst ist, dass eine rasche und umfassende Information der Betroffenen Priorität hat.» (mif)

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