Neftenbach/Winterthur

«Feuerwehrfrauen tun dem Korps gut»

Seit einem Jahr ist Florian Färber Präsident des Bezirksfeuerwehrverbandes Winterthur. Im Interview spricht er über Frauen im Korps und den Umgang mit Elektrofahrzeugen.

Sein Pager hat am Dreikönigstag Alarm geschlagen: Feuerwehrmann Florian Färber aus Neftenbach.

Sein Pager hat am Dreikönigstag Alarm geschlagen: Feuerwehrmann Florian Färber aus Neftenbach. Bild: Johanna Bossart

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Herr Färber, zwei Grossbrände haben eben erst Schlagzeilen gemacht: Der Brand des «Sternen» in Sternenberg und eines Schopfes im Dorfkern von Benken. Sie aber haben beides wohl nur aus der Ferne betrachtet?
Florian Färber*: Ja, das ist so. Ich war weder als Feuerwehrmann noch als Präsident des Bezirksfeuerwehrverbandes Winterthur an den Einsätzen beteiligt. Sternenberg und Benken liegen nicht in unserem Einzugsgebiet.

Als Feuerwehrmann machen Sie sich wahrscheinlich trotzdem Ihre Gedanken.
Ja, klar. Ich verfolge die Geschehnisse über die Medien und die sozialen Plattformen.

Einen internen Kanal, über den sich speziell Feuerwehrleute austauschen, gibt es nicht?
Nein, so etwas haben wir nicht.

Haben Sie an den Festtagen ausrücken müssen?
An Weihnachten und Neujahr nicht. Am Dreikönigstag hat man die Feuerwehr Neftenbach zu einem Verkehrsunfall gerufen. Ein Autofahrer ist wegen der vereisten Strasse bei Aesch in ein Bushäuschen gefahren. Ich selbst war aber nicht vor Ort.

Stehen Sie an den Feiertagen besonders unter Strom, weil etwa Christbäume jederzeit in Flammen aufgehen könnten?
Klar sind wir uns besonderer Gefahren bewusst. Es ist aber nicht so, dass ich ständig auf meinen Pager blicke, weil ich das Gefühl habe, der Alarm könnte losgehen. Wir Offiziere wissen immer voneinander, ob wir in der Gegend oder anderswo unterwegs sind. An Silvester hatte ich meine Ausrüstung im Auto dabei, sodass ich jederzeit hätte ausrücken können. Drei Offiziere haben bei uns das Material immer dabei.

Haben auf Ihrem Christbaum echte Kerzen gebrannt?
Nein, unser Baum ist aus Plastik und trägt Lichterketten. Aber nicht wegen der Brandgefahr, sondern weil das bequemer ist.

Seit einem Jahr leiten sie den Bezirksfeuerwehr­verband Winterthur. Wofür braucht es einen solchen Verband überhaupt?
Er ist das Bindeglied zwischen den verschiedenen Feuerwehren, darunter die Berufsfeuerwehr Winterthur, drei Betriebsfeuerwehren, drei Ortsfeuerwehren und sieben Feuerwehr-Zweckverbände im Raum Winterthur. Als Präsident habe ich repräsentative Aufgaben. Und innerhalb des Verbands koordinieren wir die Ausbildung der Feuerwehrleute und andere feuerwehrspezifische Anliegen. Eine Ortsfeuerwehr kann zum Beispiel beim Bezirk einen Instruktor anfordern. An unseren regelmässigen Zusammenkünften besprechen wir auch Probleme oder wichtige Themen.

Womit haben die Feuerwehren derzeit zu kämpfen?
Ein Problem, das zunehmend die Milizfeuerwehren betrifft, ist sicher die sinkende Bereitschaft der Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter für die Feuerwehreinsätze freizustellen. Ich kenne das nicht. Wenn mein Pager losgeht, kann ich jederzeit weg.

Sie arbeiten als Bereichsleiter einer Kran- und Spezialtransportfirma in Weiningen. Das ist nicht gerade in der Nähe von Neftenbach.
Man muss sich nur gut organisieren, dann ist das kein Problem.

Behandeln Sie auch Themen wie etwa den Umgang mit Elektrofahrzeugen?
Das werden wir in diesem Jahr sicher aufgreifen. Ist ein Elektroauto in einen Unfall involviert, kann sich ein Feuerwehrmann einen Stromschlag holen. Deshalb bietet die Einsatzleitzentrale immer auch ein Fahrzeug der Berufsfeuerwehr Winterthur auf, das mit Spezialwerkzeug ausgestattet ist.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus, haben Sie genügend Leute?
Wir haben eine Jugendfeuerwehrabteilung im Bezirk. Die ist sehr wertvoll, denn sie liefert uns quasi fertig ausgebildete Feuerwehrleute. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren werden an elf Samstagen im Jahr ausgebildet. Trotzdem sind wir nicht auf Rosen gebettet. Neue Leute können wir immer gebrauchen.

Wie gross ist der Anteil an Frauen im Bezirk?
Der Anteil ist nicht sehr gross, er liegt bei unter zehn Prozent. In Neftenbach sind wir 53 Feuerwehrleute, darunter zwei Frauen. Sie sind erst kürzlich zu uns gestossen, was mich sehr freut.

Sind die Frauen vor allemin der Sanität zu finden?
Nein, das ist heutzutage nicht mehr so. Sie erledigen die genau gleichen Arbeiten wie die Männer. Sie holen also auch Menschen aus brennenden Häusern.

Würden Sie sich mehr Frauen wünschen?
Ja, denn Frauen tun dem Korps gut, der Umgang unter den Kameraden wird respektvoller.

Die Gebäudeversicherung schreibt den Feuerwehren in ihrem neuen Konzept keine Mindestbestände mehr vor. Was halten Sie davon?
Die Angst, es seien bei einem Alarm nicht genügend Feuerwehrleute vor Ort, ist unbegründet. Die Mindestbestände stammen aus der Zeit, als die meisten Feuerwehrleute noch im Dorf arbeiteten. Die Gebäudeversicherung stellt sich also lediglich den aktuellen Tatsachen mit dem Ziel, die Ressourcen in materieller wie personeller Hinsicht auch in Zukunft optimal einzusetzen.

Am 20. Januar findet Ihre Delegiertenversammlung statt. Gibt es spezielle Anträge?
Diesmal nicht. Wir werden unsere Jahresrechnung und den Jahresbericht abnehmen, die Mitglieder des Vorstands sowie zwei Delegierte für den Schweizerischen Feuerwehrverband wählen. Spannend ist jeweils der Rückblick des Statthalters auf das vergangene Jahr. Dort erfährt man unter anderem, wie viel die einzelnen Einsätze gekostet haben.


*Florian Färber ist auch Instruktor und stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Neftenbach. Der 43-Jährige ist Vater von vier Kindern und wohnt in Neftenbach. (Der Landbote)

Erstellt: 09.01.2017, 17:24 Uhr

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