Pfungen

Kochgeschichten aus Kindersicht

Kochen kann sie nicht. Das macht Yordanka Jaschke Aguirre aber nichts aus. Sie ermutigt ihre Söhne, über ihre schlimmsten Menüs Anekdoten zu schreiben.

Yordanka Jaschke Aguirre mit den Söhnen Martin (links) und Camilo und der verschmähten Salatsauce.

Yordanka Jaschke Aguirre mit den Söhnen Martin (links) und Camilo und der verschmähten Salatsauce. Bild: Madeleine Schoder

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«Deine Salatsauce schmeckt überhaupt nicht», sagt Camilo zu seiner Mutter und verzieht dabei den Mund. Der 8-Jährige darf das. Er hat darüber – begleitet von seinen Eltern – sogar eine Anekdote verfasst. «In der Salatsauce meiner Mutter hat es entweder zu viel Essig oder zu viel Senf», erklärt Camilo. Und sonst habe sie bestimmt zu viel Milch oder Rahm hineingetan.

«Stimmt», bestätigt Yordanka Jaschke Aguirre. Sie sei überall ehrgeiziger und kreativer als in der Küche. «Ich bin ein Organisationstalent und schreibe gern oder male und assistiere beim Fussball, aber leider kann ich nicht kochen.» Und wenn sich ihre Familie oder andere Menschen über ihre Kochkünste lustig machen, ist die 40-jährige Kubanerin keineswegs empfindlich. «Beim Malen von Bildern bin ich viel ehrgeiziger als bei Salatsaucen», sagt sie lachend.

Statt sich über die mangelnden Kochkünste der Mutter zu ärgern, entwickelte die Familie eine Idee. «Meine Kinder haben je zehn humorvolle Kurzgeschichten über die schlechten Esserfahrungen, die sie mit mir gemacht haben, geschrieben und selber illustriert.» Ihr Mann habe die Schreibfehler korrigiert, sagt Jaschke Aguirre. Das Buchprojekt findet sie gut, weil es zur Sprachförderung ihrer Kinder beiträgt.

Ein Brot, so hart wie Stein

In ihren Anekdoten berichten Martin und Camilo von geplatzten Weisswürsten, Suppe ohne Flüssigkeit, zementähnlichen Weihnachtskeksen oder hartem Brot. «Dunkel wie die Nacht, hart wie Stein, kompakt wie ein Ziegel», beschreibt beispielsweise Martin in einer Geschichte das selbst gemachte Brot seiner Mutter: «Aber immerhin ein Brot mit Liebe gemacht», fügt er an. Wenn sich die Familie je wie früher ein Ritter verteidigen müsse, werde die Mutter Brot backen. «So werden wir immer gewinnen.»

Und Camilo schreibt: «Mein Vater arbeitet oft und deshalb muss meine Mutter häufig kochen.» Seine Mama liebe Fisch, könne ihn aber nicht zubereiten. «Sie sagt, sie brauche neue Pfannen.» Als Kind ass sie in Kuba viel Fisch. «Leider kann sie hier den Fisch nur in viel Zitronensaft kaputtkochen.»

In ihrer Familie ist aus den mangelnden Kochkünsten der Mutter längst ein Running Gag geworden. Ihr Vater, der auf Kuba lebt, hat eine Zeichnung davon angefertigt, die eingerahmt im Wohnungsflur hängt. Mann und Kinder, comicähnlich, mit Besteck in der Hand, ohne Essen auf dem Tisch. Daneben steht die Mutter – an einer Staffel und malt ein Bild.

Inzwischen ist die kritisierte Salatsauce im Einmachglas zurück in den Kühlschrank gewandert. «Papa wird sie heute Abend retten», sagt Yordanka Jaschke. Ihr Mann habe als Geschäftsführer von Les Halles in Zürich eine Affinität zu Kulinarischem. Auch sie selbst war einige Jahre in der Gastronomie im Service tätig, damals, als sie im Alter von 19 Jahren in die Schweiz gekommen sei.

Yordanka Jaschke hat inzwischen einen Verlag gefunden, der sich für die Kochgeschichten der Buben interessiert. Daraus soll ein Buch mit weiteren Erzählungen von Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, entstehen. «Dieses soll auf den Muttertag in einem Jahr herauskommen.» (Der Landbote)

Erstellt: 21.04.2017, 10:25 Uhr

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