Erfindergeiststatt Bioromantik

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer einmal so richtig Landluft schnuppern will, dem sei der Bioackerbautag empfohlen, der jährlich stattfindet und soeben in Brütten über die Bühne gegangen ist. Hier trifft sich, was Rang und Namen hat unter den Biobauern. Es wird geplaudert, gefachsimpelt, gewitzelt, gegessen und getrunken. Auch wenn sich der Anlass an ein Fachpublikum richtet, so eignet er sich auch für solche, die einmal hinter die Kulissen blicken wollen.

Wer jetzt aber Heuballen, Hacken und Sensen erwartet, der wird jäh enttäuscht. Denn der Bioackerbau hat mit dem verklärten Biobild der Werbung so gar nichts gemein. Die Arbeit ist aufwendig, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger ist streng reglementiert. Auf chemisch-synthetische Hilfsmittel müssen die Bauern ganz verzichten. Und Handarbeit ist teuer. Damit der Anbau von Bioprodukten aber trotzdem rentiert, vertrauen auch die Bauern auf Maschinen und Geräte.

Und da staunt der Laie: Die an Traktoren angeschlossenen Hacken sind GPS-gesteuert. Mit­hilfe von Satelliten können die Bauern die Reihen im Acker millimetergenau ansteuern. Denn es sollen ja nicht die Kulturpflanzen, sondern die Unkräuter zerhackt werden. Diese Arbeiten werden bald sogar Roboter erledigen: Dank Kameras können sie die guten von den schlechten Kräutern unterscheiden. Die schlechten drücken die Roboterarme dann einfach unter den Boden. Und weg sind sie.

Überhaupt ist die Bioszene erfinderisch. Unerwünschten Pflanzen rücken die Biobauern nämlich auch mit einer Finte zu Leibe: Sie präparieren den Acker so, dass die Kräutlein denken, er sei frisch angesät. Also keimen und spriessen sie, was das Zeug hält. Und schwupp, hackt der Bauer sie dann unter den Boden und baut dann beispielsweise Raps an.

Bioromantik würde man das wohl nicht nennen. In dieses Bild passen eher die im Festzelt bereit stehenden und mit einem Apfelsymbol gekennzeichneten Kompostkübel. Und die Aufforderung, die per Mikrofon erfolgt: Man möge doch die Kaffee­becher richtig entsorgen. Denn diese seien schliesslich biologisch abbaubar. ()

Erstellt: 17.06.2016, 11:20 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!

Kommentare

Blogs

Den Knopf in der Kinderzunge lösen

Sonnenschutz Die Schattenseiten des Sonnenbads

Werbung

KIWI

Kiwi Kinos Winterthur