Winterthur

Und schon wartet der nächste Arbeitgeber

In vielen Bereichen der Gesellschaft geht es nicht ohne Menschen, die sich für die Arbeit, die sie leisten, nicht bezahlen lassen. Am Samstag lud der Verein Benevol Neugierige zum «Speed-Dating» mit möglichen Arbeitgebern.

Welche Freiwilligenarbeit ist richtig für mich? Beim «Speed-Dating» konnten sich Interessierte schnell und direkt bei Anbietern informieren.

Welche Freiwilligenarbeit ist richtig für mich? Beim «Speed-Dating» konnten sich Interessierte schnell und direkt bei Anbietern informieren. Bild: Marc Dahinden

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Nur fünf interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer stehen um 14 Uhr vor den Vertreterinnen von Caritas Zürich, Pro Infirmis, dem Roten Kreuz und sechs weiteren Organisationen; im Laufe des zweistündigen Anlasses wird sich das Verhältnis ausgleichen. Zuerst stellen sich die Institutionen kurz vor, genau eine Minute Zeit hat jede bis zum Gong. Dann folgt das erste persönliche Gespräch, man sitzt sich am Tisch gegenüber. Soziales Interesse ist hier kein Verwaltungsbegriff: Eine offene und herzliche Atmosphäre prägt das dritte, jährlich stattfindende «Speed-Dating» von Benevol Winterthur, der Fachstelle für Freiwilligenarbeit.

Über achtzig Institutionen sind Mitglied bei Benevol, von der Integrierten Psychiatrie bis zu den Musikfestwochen, vom Tierschutzverein bis zum Verein Schloss Hegi. Der Anlass wurde vor drei Jahren eingeführt, um Interessierten die Möglichkeit zum direkten Kontakt mit den Ansprechpartnern zu ermöglichen. Das meiste laufe heute über das Zeitungsinserat oder das Internet, sagt Jeannine Stauffer, Leiterin der Geschäftsstelle von Benevol.

Frauen in der Mehrheit

Zehn Minuten Zeit gibt es pro ­Gespräch. Der Sinn des offen zugänglichen «Speed-Dating» am Samstagnachmittag im Unter­geschoss des Osttors: aus erster Hand zu erfahren, was einen bei einer bestimmten Tätigkeit erwartet. Und sich nach ein paar weiteren «Dates» am Ende vielleicht bei der Institution seiner Wahl für ein Vorstellungsgespräch zu entscheiden. Acht von neun Anbietern sind von Frauen vertreten, auch bei den «Kunden» sind die Frauen in der Mehrheit, sie sind meist im mittleren oder im Seniorenalter. Eine junge Frau, die sich für die Flüchtlingshilfe interessiert, hat offenbar nach der ersten Runde bereits gefunden, wonach sie suchte. Ich setze mich bei einem Gespräch dazu, es ist der Tisch der Alterszentren der Stadt. «Was führt Sie zu mir, was haben Sie für Vorstellungen?», fragt Daniela Tiefenbacher, die im Adlergarten und im Neumarkt für die Freiwilligenarbeit verantwortlich ist.

Ihr Gegenüber, stellt sich heraus, hat bereits Erfahrungen in einem Programm «von Senioren für Senioren» gemacht. Bei ihrem Angebot handle es sich um eine Eins-zu-eins-Betreuung, macht Tiefenbacher klar. Oft seien die Personen nicht mehr so fit oder würden mehrmals dasselbe erzählen; im Sommer könne man draussen spazieren gehen. «Haben Sie sich das so vorgestellt?» Offenbar ja, Telefonnummern und Broschüren werden ausgetauscht, ein Termin für ein längeres Gespräch fixiert. Rund 280 Freiwillige helfen bei der Betreuung in den fünf Winterthurer Alterszentren, damit die älteren Menschen nicht vereinsamen, zum Beispiel mit Einkaufen, Reden und Zuhören.

Dann der Selbstversuch. Aber ich habe nicht aufgepasst. Bei Heks Neue Gärten bin ich als Mann fehl am Platz. Das Projekt des Hilfswerks der evangelischen Kirchen richtet sich an Flüchtlingsfrauen. «Wenn die Frauen unter sich bleiben, sind sie offener und nehmen sich nicht gleich zurück», erklärt Monika Wirz. Das sei kulturbedingt. Wären die Männer dabei, würden sie beim Gärtnern gleich das Ruder übernehmen. Gestartet wird in einer Woche mit Flüchtlingen aus dem Busdepot und der Grüze. Wirz führt dann 14 Teilnehmerinnen, acht freiwillige Helferinnen unterstützen sie. Was muss eine Freiwillige mitbringen? Gerne Kontakt haben müsse sie, das sei wichtiger als Gartenwissen. Die Regel ist das nicht: Auch Freiwillige müssen manchmal Schulungen und Weiterbildungen durchlaufen.

Dreissig Neugierige seien letztes Jahr zum «Speed-Dating» ­gekommen, sagt Benevol- Geschäftsstellenleiterin Stauffer. Diesmal sind es nicht so viele. Aber eine Stunde nach Beginn stossen immer noch neue hinzu. Ein Paar im mittleren Alter nimmt gerade Kontakt mit der Frauenzentrale auf, die auch Männer und Familien in Rechts- und Budgetfragen berät. Die Frau, die sich zu Beginn für eine Tätigkeit in einem Alterszentrum interessiert hat, verrät mir nach weiteren Treffen, dass sie voraussichtlich bei der ersten Wahl bleiben werde. «Ich war Reiseleiterin, da habe ich gelernt, Geduld zu haben und mit verschiedenen Menschen umzugehen.» (Der Landbote)

Erstellt: 19.03.2017, 18:52 Uhr

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