Wiesendangen

Unterschriften gegen Gebell im Tierheim

Der Tierschutzverein Winterthur stösst mit seinen Plänen für ein neues Tierheim in Gundetswil auf Widerstand. Anwohner befürchten permanentes Hundegebell.

Blick aus dem Einfamilienhausquartier in Gundetswil Richtung Grundstein. Dort, in einem alten Bauernhaus (Bildmitte), ist ein Tierheim geplant.

Blick aus dem Einfamilienhausquartier in Gundetswil Richtung Grundstein. Dort, in einem alten Bauernhaus (Bildmitte), ist ein Tierheim geplant. Bild: Marc Dahinden

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Gundetswil ist ein ruhiges Dorf. Es besteht zu weiten Teilen aus Einfamilienhäusern. Ausgerechnet hier ist der Tierschutzverein Winterthur nach jahrelanger Suche endlich fündig geworden: Etwas ausserhalb, in einem alten Bauernhof, will der Verein ein Tierheim einrichten, um ausgesetzte Hunde, Katzen oder andere Haustiere zu pflegen.

Die Pläne kommen im Dorf allerdings nicht überall gut an. Diverse Anwohner befürchten, dass permanentes Hundegebell sie stören könnte. 28 Personen haben den baurechtlichen Entscheid verlangt, um später Rekurs gegen eine Baubewilligung einlegen zu können.

Zudem ist auf der Gemeindeverwaltung Wiesendangen ein Schreiben mit 39 Unterschriften eingegangen, wie Gemeindeschreiber Martin Schindler sagt. Die Absender hätten zwar nicht grundsätzlich etwas gegen Tierschutz. Im Brief äussern sie aber Vorbehalte wegen der geplanten Hundeboxen und dem Lärm, der im Tierheim deswegen entstehen könnte.

Pläne für eine Schutzwand

Das Bewilligungsverfahren zieht sich schon länger hin. Der Tierschutzverein Winterthur hat das Baugesuch Ende Juni 2016, also vor bald einem Jahr, eingereicht und seine Pläne an einem Anlass der Nachbarschaft vorgestellt. Schon damals gab es Befürchtungen wegen Lärm.

«Wir tun alles, damit es möglichst keinen Lärm gibt.»

Maja Rhyner, 
Präsidentin 
Naturschutzverein Winterthur

Die Situation ist für den gemeinnützigen Verein schwierig. Man fühlt sich unfair behandelt. «Wir tun alles, damit es möglichst keinen Lärm gibt», sagt Präsidentin Maja Rhyner. Sie liessen deshalb eine Lärmprognose und ein detailliertes Lärmgutachten erstellen. Später mussten sie zusätzlich auch noch Detailpläne für eine Lärmschutzwand nachreichen. Der Kanton prüft diese derzeit (Kasten). Trotz all dieser Bemühungen haben Einwohner im Quartier wenig Vertrauen in den Tierschutzverein.

Es gibt im Quartier Hunde

Eine Frau, die selber einen Hund besitzt, findet es eine Zumutung für das Quartier, dass rund 200 Meter entfernt mehrere Hunde einziehen könnten. Sie ist sich sicher, dass diese ständig bellen werden: Sieben Tage die Woche, von morgens bis abends, jahrelang. Ihr Hund belle zwar auch hin und wieder, sagt sie. Und es habe weitere Hunde im Quartier. Man nehme aber Rücksicht aufeinander und schaue, dass sich die Hunde zurückhalten. Ein anderer Anwohner zweifelt daran, dass der Tierschutzverein genügend qualifiziertes Personal hat, um die Hunde zu betreuen. Andere befürchten, dass ihr Land an Wert verlieren könnte.

Die Haltung im Quartier ist aber nicht grundsätzlich ablehnend. «Leben und leben lassen», sagt Peter Kirchner, der seit längerem in Gundetswil wohnt und als einziger der drei Angefragten auch mit Namen hinsteht. Er könne die Bedenken seiner Nachbarn aber gut nachvollziehen. In der Nacht sei es sehr ruhig, da würden bellende Hunde stören.

Im Tierschutzverein weiss man um die Bedenken. Präsidentin Maja Rhyner versucht diese schon länger zu zerstreuen. Im Betrieb werde es eine straffe Organisation geben. Die Tiere seien vor allem tagsüber und in individuell zusammengestellten Gruppen draussen. Ständiges Gebell würde Mitarbeiter genauso stören wie Anwohner. Das Tierheim wolle sich zudem auf Katzen und andere Kleintiere spezialisieren.

Falsche Gerüchte kursieren

Der Verein hätte sich vorstellen können, keine Hunde aufzunehmen. Allerdings sei gerade dies eine Bedingung des Kantons, damit das Tierheim in der Landwirtschaftszone überhaupt bewilligt werden kann, sagt Vorstandsmitglied Thuri Bänziger. «Wir könnten gut damit leben, wenn die Gemeinde für die Bewilligung die Anzahl Hunde einschränken würde.» Wie viele Hunde schliesslich im Heim sein werden, ist offen. Der Verein werde sich sicher nicht darum bemühen, möglichst viele aufzunehmen. Im Gegenteil.

Bänziger widerspricht dem Gerücht, dass der Verein den Architekten gewechselt habe. «Das stimmt nicht.» Ausserdem weist er darauf hin, dass sich der Tierschutzverein durch Spenden, Mitgliederbeiträge und Legate finanziere. «Wir machen das ehrenamtlich.» Tierschutz sei eine öffentliche Aufgabe, und dennoch würden ihnen Steine in den Weg gelegt. Der Gemeinderat nimmt zum Thema keine Stellung, bis das Bewilligungsverfahren abgeschlossen ist. Das Gremium habe aber die Unterschriften zur Kenntnis genommen.

(Der Landbote)

Erstellt: 17.05.2017, 18:25 Uhr

Lange Standortsuche

Seit 2013 ist der Tierschutzverein Winterthur auf der Suche nach einem Standort. Die Auffang­station in Ricketwil musste Mitte 2012 schliessen, da Vorschriften des neuen Tierschutzgesetzes nicht mehr eingehalten werden konnten. Ein idealer Standort wäre das Industriegebiet in ­Winterthur Hegi gewesen. Doch die Stadt verkaufte das Land an die Royal Döner AG. Seither hat der Verein diverse Standorte geprüft, aber als ungeeignet ­verworfen.

Das Tierheim liegt oberhalb eines Quartiers (für eine vergrösserte Ansicht auf Bild klicken).

Warum denn Hunde?

Es gibt im Kanton laut Baudirektion keine Pflicht, dass in einem Tierheim Hunde gehalten werden müssen. Das geplante Heim in Wiesendangen liegt allerdings in einer Landwirtschaftszone. Und in der Regel muss ein Tierheim mit Tieren, die kaum Lärm- oder Geruchsimmissionen verbreiten, in einer Bauzone liegen. Um die Auflagen im Landwirtschaftsgebiet erfüllen zu können, will der Tierschutzverein im Heim deshalb auch Plätze für Hunde einrichten. Derzeit prüft die Baudirektion das Gesuch, wie Mediensprecher Markus Pfanner auf Anfrage sagt.

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