Winterthur Neuwiesen

Wenn Lehrlinge den Laden führen

Der Denner an der Schützenstrasse hat die Leitung in die Hände von ­­­Lehr­lingen gegeben. Als gleich zu Beginn einer aussteigen wollte, musste die 20-jährige Chefin durchgreifen.

Filialleiterin auf Probe: Arbresha Krasniqi kennt die besten Produkte.

Filialleiterin auf Probe: Arbresha Krasniqi kennt die besten Produkte. Bild: Marc Dahinden

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Am Dienstagmorgen ist auffallend viel Betrieb im Denner an der Schützenstrasse. Gleich drei Denner-Mitarbeiter wuseln geschäftig zwischen den Regalen beim Eingang umher. An den beiden Kassen scannen zwei junge Frauen im Eiltempo Znünigipfeli für die lange Schlange aus Schülern des nebenan liegenden Schulhauses ein. Vor einer Woche haben zwölf Lehrlinge die Arbeit der normalerweise fünf Angestellten übernommen.

«Unseren Stammkunden fällt als Erstes das viele Personal auf», sagt Barbara Valley, die normalerweise die Filiale führt. Für das vierwöchige Projekt tauschte sie ihren Job in eine Coachfunktion um und unterstützt die jungen Filialleiter bei ihrer Aufgabe. Ihre regulären Mitarbeiter helfen während dieser Zeit an anderen Standorten aus oder machen Ferien. Das Projekt nennt sich Lehrlingsfiliale und wird von Denner seit 2010 zweimal im Jahr immer an einem anderen Ort durch­geführt. Um Teil der Lehrlings­filiale sein zu können, müssen die Lehrlinge von ihren Verkaufs­leitern empfohlen werden.

«Kein Chaos» als Vorsatz

Arbresha Krasniqi wurde bereits zum zweiten Mal für das Projekt ausgewählt. Als Drittlehrjahr­stiftin darf die 20-Jährige nun ­zusammen mit einem Kollegen vorübergehend die Chefposition übernehmen. «Letztes Mal gab es oft ein Chaos in der Arbeitsteilung, deshalb möchte ich, dass wir strukturierter arbeiten und niemand herumsteht», sagt sie über ihre Vorsätze als Chefin. Das verlange nach einem guten Arbeitsplan. Die Lehrlinge drücken während der vier Wochen die Schulbank an ihren Lehrorten, das führt teilweise zu längeren Zugfahrten und fliesst zusätzlichzur gesetzlich vorgeschriebenen Schichtenlänge in die Planung ein. Um die langen Arbeitswege im Alltag abzukürzen, wohnen alle Lehrlinge während der Zeit in Winterthur im Hostel Depot 159.

Knackpunkt Zusammenarbeit

Neben den administrativen Aufgaben ist auch die Zusammenarbeit nicht immer leicht. «Gleich am ersten Tag wollte ein Lehrling aussteigen, weil er sich im Team nicht wohlfühlte», erzählt Krasniqi. Im Gespräch hätten sie die Situation aber schlichten können. Überhaupt scheint Arbresha Krasniqi das Team im Griff zu haben: «Ich habe bei den anderen Lehrlingen von Anfang an klargestellt: Im Hostel sind wir Kollegen, im Laden bin ich der Chef.» Der Coach Barbara Valley freut sich über den Ehrgeiz ihrer temporären Mitarbeiter: «Ihre eigenen Umsatzzahlen schwarz auf weiss zu sehen, spornt sie an.» Ob die Jungen wirklich immer so diszipliniert sind? Die Mitarbeiterküche hinter dem Laden jedenfalls ist vollgepflastert mit Spielregeln, wie Nachtruhe­vor­schriften oder Drogen- und Alkoholverbot.

Valley findet es spannend, die Entwicklung der Lehrlinge zu ­beobachten. Ab August wird sie dazu noch mehr Gelegenheit ­bekommen: Die Filiale Schützenstrasse erhält einen regulären Lehrling. (Der Landbote)

Erstellt: 18.03.2017, 09:34 Uhr

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