Winterthur war am Wochenende Hauptstadt des Akkordeons. Am Eidgenössischen Akkordeonfest, das alle vier Jahre stattfindet, trafen volkstümliche und moderne Musik aufeinander.
Auf der Marktgasse ist am Samstagmorgen wenig zu spüren vom Grossanlass, der in Winterthur gerade begonnen hat. Einzig hier und dort auftauchende Gruppen in Orchesteruniform, die zu ihren Auftrittsorten eilen, zeigen, dass das 16. Eidgenössische Akkordeonfest bereits in vollem Gange ist.
Hektisch geht es denn auch in einem der vier Wettspiellokale zu und her. Im Eingangsbereich des Kirchgemeindehauses Liebestrasse drängen sich hauptsächlich französischsprachige Musikanten aus der Romandie dicht aneinander. Sie warten auf ihren Auftritt oder haben ihn gerade hinter sich gebracht. Im Festsaal drinnen muss sich das Akkordeonorchester Winterthur (AOWI) vor der Jury und rund 70 Zuschauern beweisen. Es spielt das Stück «Concerto d’Amore» des Komponisten Jacob de Haan, das aus einer Kombination von Barock-, Pop- und Jazzteilen besteht. Neben den Musikanten aus der Schweiz können am Eidgenössischen Akkordeonfest immer auch Gastorchester aus anderen Ländern teilnehmen. Eines davon kommt aus Unterpfaffenhofen in der Nähe von München und war schon am letzten Fest vor vier Jahren in Herisau dabei. «Die familiäre Atmosphäre an diesem Anlass ist sehr angenehm», sagt Stefan Kratzsch, Kassier des Orchesters.
Die Unterpfaffenhofener treten nach den Wettspielen auch beim Rathausdurchgang auf. Hier finden den ganzen Samstag über verschiedene Gratisdarbietungen von Akkordeongruppen statt. Deren vielseitige Musik von Tango über Musette bis hin zu einem ABBA-Zusammenschnitt lockt konstant etwa 50 bis 70 Zuschauer an.
Volksmusik und Exotisches
Ein weiteres Highlight des Akkordeonfestes ist die Sendung «Hopp de Bäse», die live vom Neumarkt auf SF 1 ausgestrahlt wird. Hier darf auch die Vereinigung Winterthurer Harmonikaspieler, die das Fest organisiert hat, ihr musikalisches Können zeigen. Die auf Volksmusik ausgerichtete Sendung räumt auch der exotischen Seite des Akkordeons etwas Platz ein. So schreitet ein Tangopaar zu den schwermütigen Klängen des Bandoneons, eines kleinen quadratisches Akkordeons, leidenschaftlich über die Bühne.
Kaum sind die Kameras des Schweizer Fernsehens ausgeschaltet, leert sich der Neumarkt wieder. Die Gäste ziehen nun weiter zum Festzelt auf der Zeughauswiese, wo das Abendprogramm beginnt. Rund 1500 Musikfreunde finden sich dort laut OK-Präsident Markus Jordi im Verlauf des Abends ein. Hauptact ist die österreichische Gruppe Global Kryner, die volkstümliche Musik mit verschiedenen modernen Elementen mischt. Als die Band schliesslich mit südamerikanischen Rythmen zur «Revolucion del Accordeon» aufruft, kann sich das altersmässig bunt durchmischte Publikum kaum mehr auf den Bänken halten.
Trotz der ausgelassenen Stimmung am Vorabend ist am Sonntagnachmittag nicht mehr viel von Katerstimmung zu spüren. Gebannt wartet man im Festzelt auf die Rangverkündigung, die schliesslich mit einer halben Stunde Verspätung beginnt. Die Bewertungen aller beteiligten werden nun verlesen. Das AOWI erhält das Prädikat «sehr gut» und landet damit im Mittelfeld der Rangliste. In der gleichen Kategorie siegt das Akkordeonorchester Yverdon. Beim AOWI ist man zufrieden mit dem Resultat, wie Präsidentin Marlen Abderhalden sagt: «Wir haben keine grossen Erwartungen gehabt. Das Wichtigste für uns ist, dabei gewesen zu sein.»
Daniel SagerAnzeige
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