So fährt sich das Eh-Mobil

Audi, VW und Volvo haben es vorgemacht: Jetzt baut auch Mercedes-Benz eine hochbeinige Kombivariante. Die heisst E-Klasse All-Terrain und kommt ab Serie mit Allrad, Automatik und Luftfederung.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt Wortspiele, die funktionieren nur auf Schweizerdeutsch. Dass die E-Klasse von Mercedes eigentlich Eh-Klasse heissen müsste zum Beispiel. Denn was man zu diesem Auto auch für Fragen hat, die Antwort lautet doch immer gleich: «Ja eh!»

Die Stuttgarter selbst sagen über die E-Klasse, sie sei das intelligenteste Businessauto der Welt. Gelogen ist der Superlativ nicht. Die Assistenztechnik ist auf die Spitze getrieben, auch im hausinternen Vergleich. So kann die E-Klasse weitgehend autonom überholen, man braucht dafür bloss den Blinker zu stellen. Und auch sonst ist an Assistenztechnik alles da, was derzeit zu haben ist. Die E-Klasse denkt permanent mit. Man muss sich das vorstellen wie bei der Traktionskontrolle. Der Fahrer entscheidet so lange autonom, wie er keinen Fehler macht.

Ein «Ja eh!» fehlte bei der ­E-Klasse aber bislang noch. Und zwar auf die Frage, ob es eine hochbeinige Kombivariante davon gebe. Audi, Volvo und VW rüsten ihre Kombiflaggschiffe schon länger dementsprechend um. Jetzt also fischt auch Mercedes-Benz in diesem Markt. Und gehen die Stuttgarter dabei nach dem exakt gleichen Schema vor? «Ja eh!» Neue Stossfänger vorne und hinten, rundum laufende Kunststoffverkleidungen und ein Kühlergrill mit Doppellamelle im SUV-Stil sorgen für die robuste Optik. Dazu gibt es 29 Millimeter mehr Bodenfreiheit, wovon allein 14 Millimeter auf die grösseren Reifenformate von 19 oder 20 Zoll zurückgehen.

Ob der Outdoor-Look dem ­T-Modell steht, ist Geschmackssache. Mit der Front hat man sich schnell angefreundet, so die einhellige Meinung der Kollegen an der Präsentation im Ötztal. Die Verkleidung, die vor den hinteren Radhäusern in die Türen hineinläuft, kommt weniger gut an. Das Interieur indes ist praktisch unverändert. Serienmässig gibt es eine Alupedalerie. Ansonsten ist alles eine Frage von Geschmack und Geldbeutel: Digitales Cockpit, Leder, Holz, alles ist möglich und alles vom Feinsten.

Objektiv sagen lässt sich, dass Mercedes mit dem All-Terrain über die blosse Travestie hinausgeht und den Kombi fürs Gelände konfiguriert. So gibt es beide im nächsten Jahr lieferbaren Motorisierungen nur in Kombination mit dem Allradantrieb 4Matic. Ausserdem sind eine Neungangautomatik und eine Luftfederung mit mehreren Kammern Serie.

Die Luftfederung steigert nicht nur den Komfort, sie bringt auch Flexibilität in die Fahrzeughöhe. Im Gelände fährt die ­E-Klasse so 35 Millimeter höher als auf der Autobahn. Um das Optimum aus diesen Anlagen herauszuholen, hat Mercedes für den All-Terrain auch ein gleichnamiges Fahrprogramm entwickelt. Die Karosserie fährt dabei in die höchste Position, ESP sowie Regelung von Giermoment und Antriebsschlupf erhalten neue Kennlinien. Fährt man schneller als 35 km/h schaltet sich der Modus aus.

Was das alles bringt, testen wir auf der Passstrasse zum Timmelsjoch an der österreichisch-italienischen Grenze, seit einigen Jahren so etwas wie die Hausstrecke von Mercedes in der Vorweihnachtszeit. Der Allradantrieb macht seine Sache auf dem rutschigen Grund sehr souverän, je nach Fahrmodus variieren Vortrieb, Schlupf und Spass. Einen Unterschied zur normalen E-Klasse mit 4Matic können wir aber nicht feststellen.

Anders im Gelände: Auf einer Offroadpiste nahe Innsbruck machen sich die paar Millimeter mehr Bodenfreiheit dann doch bemerkbar. Das Geläuf ist zerklüftet, steil, mit Wurzeln und Schlaglöchern gepflastert. Schafft das der All-Terrain? Einmal mehr heisst die Antwort: «Ja eh!» Und doch: Ein Geländewagen ist das nicht, sondern eher das Sondermodell eines Businesskombis mit leicht gepimpten Kraxlereigenschaften.

An Motoren steht als 220 d ab Frühling zunächst ein Zwei-Liter-Vierzylinder-Diesel bereit, mit einem attraktiven Verhältnis von Leistung und Normverbrauch: 194 PS und 400 Nm stehen im Schnitt 5,5 Litern gegenüber. Später folgt ein laufruhiger, kräftiger Sechs-Zylinder-Diesel – noch fehlen die spezifischen Leistungsdaten. Noch unklar sind auch die Preise. Wird der All-Terrain verglichen mit einem ausstattungsbereinigtem T-Modell etwas mehr, also mindestens knapp 70‘000 Franken, kosten? «Ja eh!» (landbote.ch)

Erstellt: 03.01.2017, 17:13 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!

Kommentare

Blogs

Kinder profitieren davon, wenn Mama und Papa anders erziehen

Gesundheit «Ich kann trotz Krankheit noch lachen»

Werbung

KIWI

Kiwi Kinos Winterthur