Kolumne

«Ablöscher» als Aufheller

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Die linken und grünen Wortführer, die die Energiedebatte kontrollieren wollen, wussten schon bei der Ankündigung des Fernseh-Thementags «Blackout», was von diesem Programmangebot zu halten war: Angstmacherei im Hinblick auf kommende energiepolitische Entscheide und folglich pfui!

Es war wieder wie damals, am Anfang der Debatten über Asylpolitik und Ausländerkriminalität: Die Linksgläubigen versuchen das Thema, das ihnen peinlich war, zu tabuisieren und allein schon Fragen als unanständig zu erklären. Davon profitierten dann die Rechtsgläubigen.

Dieses Mal zerschellte die Vorschuss-Kritik am soliden Fernseh-Handwerk, das Nathalie Rufer und ihr Team in zwei Jahren intensiver Vorbereitung realisiert hatte. «Blackout», die neunstündige Dauersendung am zweiten Neujahrstag im SRF, wurde gerade wegen ihrer kurzweiligen Mischung aus Reportage, Dokumentarfilm, Debatte und Reality-soap zu einem Erlebnis für Kopf und Gemüt.

Warum haben sie beim Schweizer Fernsehen diese Darstellungsform nicht schon öfter gepflegt?

Ich stiess um 17 Uhr ungeplant dazu und blieb bis Sendeschluss dabei: neugierig, zeitweise nachdenklich und immer bestens unterhalten. Und hinterher habe ich mich gefragt: Warum haben sie beim Schweizer Fernsehen diese Darstellungsform nicht schon öfter gepflegt? Wenn es der Sinn des viel zitierten «Service Public» sein soll, durch die Reduktion von Komplexität schwierige Themen auch für Laien und Normalos erfahrbar zu machen, dann war dies ein mehr als nur ermutigendes Pilotprojekt. Der voreilig prophezeite telegene «Ablöscher» wurde zum Erheller.

Ich erfuhr sinnenfällig, was in den Kuhställen, aber auch in den Wohnzimmern dieses Landes abgehen kann, wenn der Ausnahmezustand über Tage hinweg anhält. Ich wurde auf intelligente Weise verführt, mich mit unserer Abhängigkeit von der elektrischen Energie zu beschäftigen. Und ja, ich wurde in meinem Misstrauen gegenüber jenen bestärkt, die leichthin behaupten, Sonne und Wind würden in Sachen Energiebedarf alles richten. Aber da war schon der Basellandschäftler Anti-Atomkämpfer Eric Nussbaumer zur Stelle und konnte mit seinen Argumenten dagegenhalten, ausführlich und ohne «Arena»-Hektik.

Als SRG-Skeptiker seit vielen Jahren habe ich mich gefragt: Wer, wenn nicht die SRG könnte/würde/wollte eine solche Riesenkiste mit unterhaltender, spannender Aufklärung stemmen? Mehr solche Sonderleistungen – und dazu zähle ich auch den Gotthard-Dreiteiler oder die neueste Staffel des «Bestatters» – würden die gefährdete Position der SRG verlässlicher stärken als direktoriale Sonntagspredigten.

(Der Landbote)

Erstellt: 06.01.2017, 15:57 Uhr

Karl Lüönd ist Journalist
und Publizist. (Bild: Johanna Bossart)

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