Kolumne

Laternenpolitik

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Es gibt von Psychoanalytiker Paul Watzlawick jenen Witz vom Mann, der unter einer Strassenlaterne her­um­kriecht und seinen Schlüssel sucht. Ein Polizist, der dazukommt und ihm bei der Suche hilft, fragt den Mann nach einiger Zeit, ob er denn ganz sicher sei, dass er den Schlüssel gerade hier verloren habe. Darauf antwortet dieser: «Nein, nicht hier, sondern dort hinten in der ­finstern Gasse, aber hier ist das Licht viel besser.»

Wie viel Wahrheit in Witzen steckt, wissen die Psychoanalytiker seit Freud wohl besser als irgendeine andere Berufsgattung, und dieser Witz ist momentan grad ganz besonders wahr. Jedenfalls kommt er mir immer in den Sinn, wenn ich die Nachrichten lese. Weil es angenehmer ist, bei der Laterne zu suchen, als in der unübersichtlichen Gasse, verkaufen das auch die Stimmenfänger von heute mit Vorliebe als ihr politisches Programm. Je komplexer das Problem, umso simpler ihre Lösung. Alles ganz einfach, sagen sie: Mauer hoch, Einreise gesperrt, und schon ist alles gelöst. Und wer darauf hinzuweisen wagt, dass solche Aktionen so sinnvoll sind wie die Schlüsselsuche bei der Laterne, den kanzelt man als elitär, volksfremd oder, weil das noch ein­facher ist, schlicht als Lügner ab.

 Wenn man gewinnt, war's das Volk, wenn man verliert, dann waren's Fremde.

Warum auch die Leute mit Komplexität behelligen, wenn es doch ganz einfach geht? Das fand auch ein hiesiger Politiker, als er auf seine Plakate gegen die erleichterte Einbürgerung Frauen in Burkas drucken liess. Das habe zwar direkt nichts mit der Vorlage zu tun, es gehe einfach ums Symbol fürs Unkontrollierte, gab er auf Nachfrage zu und bestätigte damit, welche Verachtung er für seine eigenen Wähler hat. In seinen Augen sind die Sympathisanten offenbar zu dumm, um sie mit adäquaten Plakaten zu überzeugen, sondern müssen stattdessen mit irre­führenden, aber dafür knalligen Sujets auf Linie gebracht werden.

Ausgerechnet einer, der den ­anderen Parteien vorwirft, sie würden das Volk missachten, zeigt, wie wenig er von der Intelligenz der Bürger hält. Drum ist er auch nach seiner bösen Schlappe noch überzeugt von der Masche und trompetet, die Plakate seien hervorragend und die Abstimmungsniederlage nur eine Folge davon, dass halt die falschen Leute, nämlich vor allem frisch Eingebürgerte, an die Urne gegangen seien. Schon klar: Wenn man gewinnt, war's das Volk, wenn man verliert, dann waren's Fremde.

Ich finde, es ist höchste Zeit, solch arrogante Typen endgültig bei der Laterne stehen zu lassen und sich stattdessen aufzumachen in die unübersichtlichen Gassen. Und mit Taschen­lampen statt falschen Lösungen in der Hand.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.02.2017, 11:38 Uhr

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