Kolumne

Snooker!

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Was für Sportanlässe schauen Sie am Fernsehen? Ich meine neben Fussball und Ski. Jeder Mensch hat doch hier seine Spezialität, um nicht zu sagen seinen Tic. Wer einen Sport selbst ausübt, konsumiert alles, was davon über den Bildschirm flimmert. Dragsterfahrer schauen Dragsterrennen, Holzfäller schauen Baumstammwerfen, Wasserballer schauen Wasserball. Mein Spleen heisst Snooker!

Snooker ist eine Form von Billard, bei dem, vereinfacht ausgedrückt, die bunten Kugeln in einer vorgeschriebenen Reihenfolge in die Seitentaschen versenkt werden müssen. Vereinfacht gesagt ist ein gutes Stichwort für den Berichterstatter dieser Spiele auf Eurosport. Er heisst Rolf Kalb und ich schaue Snooker nur auf diesem Sender und nur wenn er spricht (das tut er glücklicherweise fast immer). Er hat es nicht nötig mit seinem Fachwissen zu prahlen. Er weiss, dass der Snooker-Wissensstand der meisten Zuschauer praktisch gleich Null ist. Jetzt allerdings nicht mehr. Kalb antwortet immer auf die (Laien-)frage, die ich mir jetzt dann gerade gestellt hätte.

Eine Kugel, die auf ihr Ziel zurollt, hat etwas Beruhigendes und Spannendes zugleich.

Vielleicht habe ich seit meiner TV-Sendung «Benissimo» eine besondere Affinität zu farbigen Kugeln. Das ist es aber auch nicht. Immerrhin: Eine Kugel, die auf ihr Ziel zurollt, hat etwas Beruhigendes und Spannendes zugleich. Die Konstellationen sind immer andere, die Kollisionen mal leichter und mal schwieriger auszuführen. Kann der nächste Stoss gelingen? Wie ist der Plan? Wer gewinnt ist eigentlich gar nicht so wichtig, die Nationalität kein Kriterium und nur bei den wenigen chinesischen Ausnahmekönnern unter den zumeist britischen Assen augenscheinlich. Natürlich kristallisiert sich bei jedem Zuschauer mit der Zeit ein persönlicher Favorit heraus. Bei mir ist es Ronnie O`Sullivan, einer der Besten aller Zeiten. Ich halte immer noch zu ihm, obwohl er, am Ende seiner Karriere angelangt, nicht mehr so erfolgreich ist.

Beim Snooker spielen immer zwei gegeneinander. Einer ist aktiv am Tisch tätig, der andere sitzt auf einem Stuhl am Rand und wartet, bis er wieder drankommt. Es liegt in der Natur der Sache, dass er bei jedem Stoss seines Gegners auf einen Fehler hofft. Dies ist der absolute Härtetest für die Sportlichkeit und die Fairness. Stoisch, unerschütterlich und ruhig sitzen sie darum jeweils da, die Snookerspieler und die Nahaufnahmen ihrer Gesichter sind faszinierend. Ihr Blick, ihre Stirnrunzeln, ihr kurzes Zucken, verraten diese nicht doch ihre innersten Befindlichkeiten?

Wann immer ich ausspannen und mich doch etwas unterhalten will, ich schaue Snooker auf Eurosport! Fast immer findet irgendwo ein Turnier statt, das übertragen wird, und früher oder später verkündet Rolf Kalb: «Jetzt braucht er Snooker!». Kalb ist mir unterdessen so vertraut, dass ich schon nicht mehr weiss, ob ich mit ihm per du oder per Sie bin. Er weiss es auch nicht, denn jedesmal verabscheidet er sich mit «Ihr/Euer Rolf Kalb». Snooker! I love it!

(Der Landbote)

Erstellt: 30.12.2016, 16:03 Uhr

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