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Weisser Zauber

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Nun ist der Schnee also doch noch gekommen und mit ihm seine ganz besondere Magie – jene Magie nämlich, welche die Landschaft draussen in eine weisse Pracht und das Heim drinnen in eine stinkende Mischung aus Besenbeiz und Umkleidekabine verwandelt. Auf der Wiese prangen Schnee-Engel, auf der Heizung dünsten nasse Handschuhe vor sich hin und verströmen dabei jenen unverkennbaren Duft, der mir wie kein anderer vom Winter kündet.Der Geruch von Apfelpunsch und Zimt oder von frisch gebackenen Mailänderli mag ja romantisch sein, aber gegen die Ausdünstungen aus vier Paar Schneestiefeln vermag er definitiv nicht anzustinken. «Alles still! Nichts hör ich klopfen / Als mein Herze durch die Nacht – / Heisse Tränen niedertropfen / Auf die kalte Winterpracht», so heisst es in dem Gedicht von Theodor Fontane. Bei uns zu Hause hingegen hör ich es ziemlich deutlich, das Klopfgeräusch. Auch sind es nicht heisse Tränen, sondern aufgetaute Eisränder an den Mützen und statt auf die Winterpracht tropfen sie auf den mit Zeitungen ausgelegten Teppichboden.

Überhaupt ist da gar nichts mit Stille. Und mit Besinnlichkeit erst recht nicht. Im Minutentakt muss man dem Nachwuchs entweder heissen Tee reichen, das Schneekleidungssortiment auswechseln, Schuhwerk mit Papier ausstopfen, Schals auf dem Radiator wenden, zusätzliche lange Unterhosen suchen, das Innenfutter der Handschuhe wieder in die einzelnen Fingerschläuche hineinfummeln, Wasserpfützen aufwischen, Wunden verbinden (weil die Geschwister sich mal wieder gegenseitig mit dem Bob über Hände und Füsse gekurvt sind) und alle naselang nach draussen vor die Tür, weil man mal wieder zusehen muss, wie eben diese frisch verarzteten Geschwister zum gefühlt 472. Mal auf ihren Plastikboliden den Hang vor dem Haus runterschlittern (um sich dabei erneut über Hand und Fuss zu fahren).

Ein selbsterhaltendes System nennt man das. Ein von Meteorologie, kindlicher Energie und elterlichem Verantwortungsbewusstsein angetriebenes Perpetuum mobile, das so lange weiter dreht, bis der Schlittelhang sein Weiss gegen ein sattes Braun getauscht hat, der Teppich in der Garderobe beim Auftreten laut schmatzende Geräusche macht, alle Skihosen verbraucht sind (auch die Erbstücke von den Cousins, welche man nach langem Suchen in den unzähligen Kartonkisten auf dem Dachboden noch gefunden hat) und das Desinfektionsmittel ausgegangen ist. Dann, erst dann kehrt endlich jene winterliche Ruhe ein, von der die Dichter erzählen. Zeit der Stille, der Andacht, der Musse. Ganze zwanzig Minuten lang! (Landbote)

Erstellt: 04.01.2017, 13:22 Uhr

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