Kolumne

Zu viel Schnäuze am Ruder

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Nicht nur in den USA, in der Türkei oder in Russland haben derzeit vor allem Männer das Sagen, auch in den Gemeinden rund um Winterthur lenken sie die Geschicke. In den Gemeinderäten sind sie jedenfalls klar in der Überzahl. Einen ganz gewöhnlichen, durchschnittlichen Gemeinderat im Kanton Zürich könnte man deshalb ungefähr folgendermassen beschreiben: Der Gemeindepräsident ist in der Regel männlich und über 50.

Er versteht es, andere gelegentlich mit lockeren Sprüchen zu erheitern, und trägt an offiziellen Anlässen gerne blaue Jeans, ein rot kariertes Hemd, dazu ein Veston mit etwas zu langen Ärmeln. Auswärtige erkennen den Chef auch in seiner Freizeit auf den ersten Blick. Und zwar am Schnauz oder der Nickelbrille.

Der Gemeindepräsident ist in der Regel männlich und über 50. 

Sein Stellvertreter ist natürlich ebenfalls ein Mann. Auch er ist über 50, verheiratet und voll erwerbstätig. Sein Amt erledigt er locker nebenbei. Dann ist da dann doch noch eine Frau im Gremium (für die Quote). Sie kümmert sich um das Ressort Soziales oder die Schule, manchmal auch um die Kanalisation oder den Strassenunterhalt. In der Regel hat sie Kinder, arbeitet Teilzeit und trägt kurze Haare.

Das alles sind zwar Vorurteile. Aber sind sie wirklich so falsch? Die Zahlen sind nämlich eindeutig: Seit 1998 ist der Frauenanteil in Zürcher Gemeindeexekutiven unverändert tief. Damals lag er laut Kanton bei 22,4 Prozent, 2014 bei 23,4 Prozent. In Zürcher Parlamenten ist die Quote mit knapp 30 Prozent ebenfalls tief. Es gibt zwar einzelne Ausnahmen, etwa in Seuzach, Hagenbuch, Rickenbach oder Marthalen, wo Frauen regieren. Grundsätzlich stellt sich aber schon die Frage, weshalb in kleineren Gemeinden so oft Männer Präsidenten sind.

Es gibt sicher viele Gründe. Einer davon könnte fehlende Organisation sein. Frauen im Tösstal wollen das ändern und ein Netzwerk gründen, um Frauen zu ermutigen. So sollen an den nächsten Erneuerungswahlen möglichst viele Kandidatinnen antreten. Von solchen Aktionen können alle profitieren. Erstens sind im Lokalen auch Kandidaten oft rar. Zweitens sitzen weltweit schon genug Männer fest im Sattel.

(Der Landbote)

Erstellt: 20.04.2017, 11:48 Uhr

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