Sonnenschutz

Die Schattenseiten des Sonnenbads

Nach einem langen, trüben Winter sehnt man sich nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Aber Achtung: Bereits im Frühling kann die Sonne der Haut schaden. Bevor man sich auf den Liegestuhl legt, sollte man sich schützen.

Schutz beim Baden: Die Krebsliga empfiehlt, eine wasserfeste Creme einzustreichen. Aber auch bei wasserfesten Lotionen gilt: Nach dem Baden nochmals eincremen, bevor man sich erneut der Sonne aussetzt.

Schutz beim Baden: Die Krebsliga empfiehlt, eine wasserfeste Creme einzustreichen. Aber auch bei wasserfesten Lotionen gilt: Nach dem Baden nochmals eincremen, bevor man sich erneut der Sonne aussetzt. Bild: Keystone

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Früher war man sich der ­Gefahren von ultravioletten Strahlen weniger bewusst. Hin und wieder ein Sonnenbrand gehörte einfach zu einem ­richtigen Sommer. Übertreiben wir es heute nicht ein wenigmit der Angst vor der Sonne?

Andreas Müller*: Es ist mittlerweile erwiesen: Jeder Sonnenstrahl fördert die Hautalterung und erhöht das Risiko für Hautkrebs. Sonnenbrände sind vor ­allem vor dem 20. Altersjahr ­gefährlich. Aber auch Strahlung, die nicht zu einer schmerzhaften Hautrötung führt, ist schädlich. Ausschlaggebend ist die Gesamtmenge über das Leben hinweg.

Dann müsste ja ein grosser Teil der Menschen ab 40 an Hautkrebs erkranken, weil sie inder Kindheit zu wenig aufgepasst haben.
Früher gingen die Leute zum Glück noch weniger an die Sonne als heute. Wer draussen arbeiten musste, schützte sich mit langärmligen Kleidern. Sonst spielte sich das Leben mehr in Räumen ab, wie das auch heute in süd­lichen Ländern noch der Fall ist. Wenn man in der Mittagshitze Menschen am Strand sieht, sind das fast immer sonnenhungrige Touristen. Die Einheimischen machen dann Siesta im Haus und warten auf die kühleren Abendstunden, bis sie nach draussen ­gehen. Aber hierzulande hat die Erkrankung tatsächlich bedenklich zugenommen. Das erlebe ich täglich in meiner Praxis.

Trotz all der Präventions­kampagnen?
Das Heimtückische am Hautkrebs ist, dass er erst etwa 20 Jahre nach der Strahlenexposition auftritt. Deshalb greifen auch Aufklärungskampagnen erst sehr viel später. In Aus­tra­lien etwa, wo das Risiko wegen des lokalen Ozonlochs viel grösser ist als bei uns, hat man die Gefahr schon in den 70er-Jahren sehr ernst genom­men. Zum Beispiel schicken manche Schulen Kinder, die ihren Hut vergessen haben, wieder heim. Nun beginnen diese Mass­nahmen zu fruchten: In den letzten Jahren beobachtet man, dass der Hautkrebs in Aus­tra­lien etwas zurückgeht.

Hat das auch damit zu tun, dass sich die Ozonschicht allmählich ein wenig erholt? Das schädigende Gas namens FCKW, das in Spraydosen und Kühlschränken gebraucht wurde, ist ja vor bald 40 Jahren verboten worden.
Das hat wohl nur einen geringen Einfluss. Die Ozonschicht schützt uns sowieso nur teil­weise vor UV-Strahlen, auch wenn sie intakt wäre.

Und wie wirksam sind die Warnungen hierzulande?
Ich stelle fest, dass die Angst vor Hautkrebs im Allgemeinen nicht so gross ist wie vor anderen Krebsarten. Meine Patienten fürchten sich fast mehr vor Hautalterung, obwohl diese nur ein ästhe­tisches Problem ist: Falten, lederige Haut, Altersflecken. Mit solchen Bildern kann ich sie eher motivieren, sich zu schützen.

Wie gefährlich ist Hautkrebs in Wirklichkeit?
Genauso gefährlich wie Darm- oder Lungenkrebs, aber viel verbreiteter. Jedes Jahr erkranken in der Schweiz gegen 2500 Menschen neu. Rund 350 sterben sogar jährlich

Hautkrebs ist genauso gefährlich wie Darm- oder Lungenkrebs, aber viel verbreiteter.Andreas Müller, Facharzt für Dermatologie

daran. Der schwarze Hautkrebs (Fachbegriff: malignes Melanom) bildet schnell Metastasen. Häufiger ist der weisse Hautkrebs (Basalzellenkarzinom und Spindelzellenkarzinom), der zum Glück weniger aggressiv ­verläuft. Wenn man frühzeitig rea­giert, sind die Heilungschancen heutzutage gut. Die Leute sind mittlerweile recht gut informiert und warten nicht zu lange, bis sie einen Hautarzt aufsuchen.

Wie bemerkt man, dass etwas nicht stimmt?
Wenn sich Muttermale ver­ändern, statt einer runden Form eine asymmetrische annehmen oder unscharfe Ränder aufweisen, ist ein Besuch beim Arzt ange­sagt. Besonders gefährdet sind Personen mit vielen Muttermalen oder familiärer Vorbelastung. Sie sollten sich regelmässig beim Hautarzt untersuchen lassen. Für andere Personen reicht es, die Haut gut zu beobachten.

Wenn man die Haut stets ­schützen will, braucht man viel Sonnencreme. In den chemisch wirkenden Mitteln wurden aber Stoffe gefunden, die wie Hormone wirken und sogar in der Muttermilch nachweisbar sind.
Das war Anfang Jahrtausend, als diese Erkenntnisse publik wurden. Unterdessen wurde wieder Entwarnung gegeben: Nach heutigem Wissensstand sind ­diese Hormone für die mensch­liche Gesundheit unschädlich. Wie sie sich auf die Tiere im Wasser auswirken, wird noch diskutiert. Wer Bedenken hat, kann auf Produkte mit mineralischen Inhaltsstoffen zurückgreifen. Sie bieten einen ausgezeichneten Schutz, sind aber weniger beliebt, weil sie einen weissen Film auf der Haut hinterlässt. Noch besser ist es, lange Kleider zu tragen. Der Stoff sollte aber eine gewisse Festigkeit haben. Eine dünne Sommerbluse lässt unter Umständen Strahlen durch.

Auch viele Anti-Aging-Gesichtscremen enthalten einen Sonnenschutz, obwohl das an den meisten Tagen wohl nicht nötig wäre. Was ist davon zu halten?
Ich finde das sinnvoll. Die Produkte versprechen, die Haut­alterung zu verlangsamen, und da trägt ein Sonnenschutz wesentlich dazu bei. Wir kriegen stets viel mehr Licht ab, als uns bewusst ist.

Wir brauchen doch auch etwas Sonnenlicht, um Vitamin Dzu bilden, das vor brüchigen Knochen (Osteoporose) und ande­ren Krankheiten schützt. Sonnencreme verhindert aber, dass die Haut den wichtigen Stoff bilden kann.
Dass wir so viel Vitamin D brauchen sollen und fast alle unterversorgt sind, ist eine relativ neue Erkenntnis, die noch nicht vollends gesichert ist. Vielleicht wird man dies in 10 Jahren wieder anders beurteilen. Als Dermatologe warne ich eindringlich davor, ­wegen des Vitamins D den Sonnenschutz zu vernachlässigen.

Natürliches Licht, die Wärme der Sonnenstrahlen zu spüren – das tut doch schlicht und ­einfach der Seele gut. Müssen wir wirklich auch im Sommer kreideweiss bleiben?
Es ist wie bei allen Gesund­heitsempfehlungen: Wir machen einen Kompromiss zwischen Genuss und Vernunft. Wir trinken manchmal ein Glas Wein oder auch ein zweites, obwohl Wasser gesünder wäre. Wir genehmigen uns fettige Speisen statt Gemüse. So kann man es auch mit dem Sonnenbaden halten: Man darf es zwischendurch geniessen, sollte es aber nicht übertreiben.


* Andreas Müller (48) ist Facharztfür Dermatologie in Bülachund Konsiliararzt Dermatologieam Spital Bülach. ()

Erstellt: 12.04.2017, 14:52 Uhr

Tipps

Sonnenschutz für Haut, Lippen und Augen

Die Krebsliga empfiehlt, im Sommer die Sonne während der Mittagszeit (11–15 Uhr) gänzlich zu meiden. Zu den an­de­ren Tageszeiten sollte man die Haut mit Kleidern oder Sonnencreme schützen.

Im Winter dagegen kann man sich in unseren Breitengraden bedenkenlos ins Freie wagen. Ausser in den Bergen: Der Schnee reflektiert die Sonne und verstärkt so den Effekt. Beim Skifahren sollte man deshalb unbedingt Haut und Augen schützen.

Das Angebot an Sonnencremen ist breit. Personen mit speziellen Hauttypen oder Allergien sollten ein Fachgeschäft aufsuchen – zum Beispiel eine Apotheke – und sich vom Personal beraten lassen. Für die empfindliche Kinder­haut sind speziell verträgliche Produkte ohne Duftstoffe zu empfehlen.

Viele Mittel enthalten heutzutage sowohl chemische als auch mineralische Inhalts­stoffe. Eine wirksame Sonnencreme muss vor UV-B- und UV-A-Strahlen schützen. Für den Laien ist es schwierig, die Qualität einzuschätzen. Teuer heisst nicht unbedingt gut. Hilfe bieten etwa die Kon­sumenteninformationen von «k-Tipp» und «Kassensturz», die im Internet zu finden sind.

Wer die Haut auch während des Schwimmens schützen will, sollte eine wasserfeste Lotion wählen. Trotzdem muss man sich nach dem Bad erneut eincremen, bevor man sich wieder der Sonne aussetzt. Denn wasser­fest bedeutet lediglich, dass der Schutz nach dem Baden noch mindestens 50 Prozent ­beträgt. Und dies auch nur, wenn man sich nicht mit einem Tuch trocken reibt.

Besonders exponiert sind im Winter die Lippen. Lippenpomaden mit Sonnenschutz schützen gleichzeitig vor Kälte und Strahlen. Weil man sich die Lippen häufig ableckt, sollte man den Stift wiederholt auftragen.

Wichtig ist es zudem, die Augen zu schützen. Eine Sonnenbrille sollte nicht nur chic sein, sondern auch von guter Qualität. Die in der Schweiz verkauften Modelle – auch günstige – tragen fast alle das CE-Zeichen, das für einen ausreichenden Schutz vor UV-Strahlen bürgt.

Aufpassen sollte man bei älteren Brillen oder solchen ohne Etikett: Wenn die Gläser lediglich getönt sind und keinen UV-Schutz bieten, weiten sich die Pupillen, und es tritt der gegenteilige Effekt ein: Es können sogar noch mehr schädliche Strahlen ins Auge gelangen.asö

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