Biber bewohnt auch Betonröhre

Ein künstlicher Biberbau soll am Mülibach in Waltalingen Schäden durch Biber verhindern. Das Pilotprojekt des Kantons ist gut gestartet. Zwei Tiere sind eingezogen.

Eine Biberfamilie im Mülibach hat in einer Betonröhre ein neues Zuhause gefunden. Der Kanton liess die Konstruktion unlängst im Boden versenken.

Eine Biberfamilie im Mülibach hat in einer Betonröhre ein neues Zuhause gefunden. Der Kanton liess die Konstruktion unlängst im Boden versenken. Bild: pd

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Der Warnhinweis auf der Internetseite des Reitvereins Stammheimertal klingt dramatisch: «Entlang des Mülibachs besteht für Reiter erhebliche Gefahr», heisst es zuoberst auf der Seite. Es drohe sogar der Todesfall. Der Grund für den Aufruf sind Biber. In den vergangenen Jahren haben sich die Nager immer wieder in die Uferböschung gegraben und stellenweise die beiden parallel verlaufenden Feldstrassen unterhöhlt. Das führte zu Löchern.

Zuständig für den Bach ist der Kanton. Um die Si­tua­tion langfristig zu verbessern, hat er in Zusammenarbeit mit der Biberfachstelle ein Pilotprojekt lanciert. Vor knapp einem Monat wurde als neues Heim für die Biber eine Betonröhre verlegt. Der Eingang liegt unter Wasser, das andere Ende unter der Strasse. Mit einer Betonabdeckung wird verhindert, dass sich die Tiere weiter ins Erdreich graben. Damit sie sich dennoch heimisch fühlen, ist die Röhre zur Hälfte mit Erde gefüllt.

Jungtiere in der Röhre?

Das Vorhaben scheint tatsächlich zu gelingen. Urs Wegmann, Leiter der Biberfachstelle Zürich, hat zwei Wochen nach dem Einbau bereits zwei erwachsene Biber darin entdeckt. Einen davon konnte er sogar fotografieren, als dieser gerade auftauchte. Wegmann geht davon aus, dass derzeit eine Familie mit fünf Tieren im Mülibach wohnt. Es sei möglich, dass in der Röhre bereits neue Jungtiere leben. «Jetzt ist die Zeit dafür.» Es sei deshalb wichtig, dass die Tiere nicht gestört werden, andernfalls wäre es möglich, dass sie sich ein neues Heim suchen. Den genauen Standort des Baus will er deshalb nicht verraten.

Ziel des künstlichen Biberbaus ist es jedoch nicht, Biber zu fördern. Es handle sich vielmehr um eine Präventionsmassnahme, um Schäden zu verhindern. In anderen Kantonen werde sie bereits erfolgreich angewendet, sagt Wegmann. Jahr für Jahr musste der Kanton am Mülibach an denselben Stellen Schäden beheben. Es nützte auch nichts, Steine in die Uferböschung zu verlegen. Der Biber grub sich untendurch. Und die angrenzenden Gemeinden Waltalingen und Unterstammheim mussten die Strassen ausbessern. Das kostet regelmässig. Der künstliche Biberbau ist hingegen eine einmalige Investition von 5000 bis 7000 Franken.

Wachsende Population

Sind die Jungtiere im Mülibach dereinst ausgewachsen, suchen sie sich ein neues Revier. Einen geeigneten Ort zu finden, ist heute jedoch nicht mehr so einfach wie noch vor einigen Jahren. «Die besten Plätze sind besetzt», sagt Wegmann. Biber unternehmen im Frühling deshalb längere Wanderungen und lassen sich vermehrt auch an weniger geeigneten, kleineren Bächen nieder. Die Population hat sich im Kanton gemäss Bericht der Biberfachstelle in den vergangenen drei Jahren von 250 auf 306 Tiere vergrössert. 80 der 87 Biberreviere liegen in der nördlichen Kantonshälfte. In den Jahren vor 2011 ist die Population noch rascher gewachsen.

Trotz der Zunahme: Ein künstlicher Biberbau wie in Waltalingen bleibt im Kanton Zürich vorläufig die Ausnahme. «Es ist ein Versuch», sagt Jürg Zinggeler von der Fischerei- und Jagdverwaltung. Zudem müssten die Voraussetzungen genau stimmen. Er geht deshalb nicht davon aus, dass es bald zahlreiche weitere künstliche Biberbauten geben wird.

Der Werkmeister von Waltalingen, Fritz Kuriger, freut sich über das Projekt. Er musste im Frühling regelmässig Löcher im Feldweg mit Kies auffüllen. Spaziergänger hätten ihn jeweils dar­auf aufmerksam gemacht. Er hofft, dass dies nun weniger oft vorkommt. Verletzt habe sich wegen der Löcher in der Strasse bislang aber niemand. (Landbote)

(Erstellt: 04.05.2015, 21:53 Uhr)

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