Rheinau

Musiker sind heikle Esser

Musik ist eine universale Kunst. So konnte die Musikinsel Rheinau in ihrem ersten Jahr auch internationale Künstler begeistern. Doch noch arbeitet man defizitär.

Das Casals-Quartett umrahmte die erste Jahresbilanz der Stiftung Schweizer Musikinsel Rhein­au musikalisch.

Das Casals-Quartett umrahmte die erste Jahresbilanz der Stiftung Schweizer Musikinsel Rhein­au musikalisch. Bild: Heinz Diener

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Zuerst sprach die Musik, dann Christoph Blocher, könnte man die Medienkonferenz anlässlich der ersten Jahresbilanz der Stiftung Schweizer Musikinsel Rhein­au überschreiben. Eingerahmt von feinen musikalischen Beiträgen des Casals-Quartetts, präsentierte der Stiftungsratspräsident den Stand der Dinge. Rahel Blocher, Vizepräsidentin des Stiftungsrates, und Betriebsleiterin Monika Gasser informierten kompetent bis ins kleinste Detail über die Erfahrungen mit dem von ihnen so bezeichneten Musikhotel. Denn sie seien noch am Experimentieren, räumten sie ein.

Unterhalt «extrem unterschätzt»

Mit knapp 7000 Übernachtungen wurde das Angebot besser angenommen als erwartet, allerdings überwiegend am Wochenende. In der durchschnittlichen Auslastung habe man sich verschätzt, räumte Christoph Blocher ein. Auch die Kosten für den Unterhalt des grossen Gebäudekomplexes habe man «extrem unterschätzt», wie seine Tochter informierte. In der Folge resultiert ein Verlust von 800 000 Franken. «Das Defizit muss weg», sagte der Stiftungsratspräsident.

Man wolle die Bekanntheit bei Laienmusikern intensivieren, aber auch Vereine und andere Interessengruppen gewinnen, die nichts mit Musik zu tun haben. Schon jetzt haben Kirchgemeindegruppen, ETH-Workshops oder Chirurgenseminare die Räumlichkeiten genutzt. Regelmässig finden Yogakurse und Massage statt. Musikferne Gäste sollen mehr bezahlen, doch auch die Kernzielgruppe wird zukünftig tiefer in die Tasche langen müssen.

Internationale Ausstrahlung

«Es war ein Wagnis, das historische Gebäude für 15 Jahre vom Kanton zu mieten, damit erstklassige Musiker in einem erstklassigen Gebäude üben können – nicht nur für ein paar Stunden», rekapitulierte Christoph Blocher die ursprüngliche Idee. Dass das Ziel sei, Musikschaffenden in der Schweiz eine gute Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, steht auch in den Statuten der Stiftung. Umso mehr überraschte die internationale Attraktivität der Musikinsel in den Erfahrungsberichten der eingeladenen Künstler.

Marco Santinilli vom CheRoba Quartet (Jazz) erzählte, dass seine Musiker aus Norditalien anreisten, und lobte die Küche, die sie nach siebenstündiger Autofahrt in Rhein­au noch antreffen würden. Auch Paul Taylor und Sirkka Varonen vom Paul Taylor Orchestra bestätigten: «Die internationale Ausstrahlung ist gewährleistet. Ein solcher Ort ist nicht so leicht zu finden.» Am kommenden Sonntag geben sie im ehemaligen Kloster ein Konzert mit CD-Taufe. Sarah Weilenmann vom Pacific Vienna Quartet beschrieb das Staunen ihrer kleinen Celloschüler, die die Anlage mit Ehrfurcht besuchten.

Verpflegung fordert heraus

Ulrich Gröner, Violinprofessor an der Zürcher Hochschule der Künste, veranstaltet Meisterklassen in Rhein­au. Er appellierte an Blocher, die Preise moderat zu halten – wohl wissend, dass die Retraite auf der Schweizer Seite des Rheins für die zahlreichen studentischen Teilnehmer aus dem Euroland ein geradezu luxuriöses Vergnügen ist.

Doch auch Vertreter aus der erweiterten Region waren voll des Lobes für die geschaffene Übungsstätte. Claudio Danuser von den Swissair Voices sagte: «Wir werden nur noch hierherkommen. An einem Probenwochenende haben wir mehr erreicht als je zuvor.» Eugen Haltinger vom Stadtorchester Frauenfeld bezeichnete die Rhein­au als einen «Kraftort, der den Ereignissen der Zeiten trotzt». Ebenfalls präsent waren Nadja Velten und Remo Arpagaus von der Musikgesellschaft Hallau. «Unsere ersten Kunden», wie Christoph Blocher ergänzte.

Die Essensgewohnheiten der Musiker variierten sehr stark, berichtete Monika Gasser mit Blick auf Vegetarier, Veganer und Allergiker. Es sei eben nicht so, wie er und Stiftungsrat Walter Eberle es beim Militär kennen gelernt hätten, erklärte Blocher. Das Prinzip «Es wird gekocht und gegessen, was auf den Tisch kommt» lasse sich nicht auf die Musiker übertragen. «Wir lernen noch.» (Landbote)

Erstellt: 29.05.2015, 11:24 Uhr

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