Eisvögel mögen warme Winter

Naturschützer Matthias Griesser beobachtet seit 25 Jahren regelmässig Eisvögel entlang der Thur. So viele Brutpaare wie in den vergangenen beiden Jahren hat er noch nie gezählt.

Matthias Griesser zeigt am Ufer der Thur einen idealen Brutplatz, den er zusammen mit einem Kollegen per Spaten geschaffen hat.

Matthias Griesser zeigt am Ufer der Thur einen idealen Brutplatz, den er zusammen mit einem Kollegen per Spaten geschaffen hat. Bild: Heinz Diener

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Wer einen Eisvogel sieht, vergisst das nicht so schnell. Die Tiere sitzen zunächst ruhig auf einem Ast, um dann pfeilschnell abzuschwirren und in einem Gewässer nach kleinen Fischen zu tauchen. Das blaue Gefieder leuchtet im Flug diamantgleich, die Unterseite schimmert auffällig rostrot.

Die Chancen, ein solches Naturschauspiel zu beobachten, stehen heute so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Population entwickelt sich kantonsweit erfreulich. Während die Vogelart in den 80er-Jahren in Zürich nur noch höchst selten anzutreffen war, wurden 2004 wieder rund 20 Brutpaare gezählt. Inzwischen leben hier immerhin wieder knapp 30 Brutpaare, wie Naturschützer Matthias Griesser sagt. Er führt diese Entwicklung vor allem auf zwei Faktoren zurück: Einerseits sind für die Vögel warme Winter ein Vorteil, andererseits greifen die Schutzmassnahmen der vergangenen Jahre immer besser.

Bis zu sieben Jungtiere

Ein grosser Teil der Zürcher Po­pulation lebt an den Ufern des Rheins, der Thur oder der Töss. Hier finden die Eisvögel immer häufiger geeignete Brutplätze vor. Ideal sind für sie steil abfallende Lehm- oder Sandwände, in die sie tennisballgrosse Löcher bohren können. Und zwar möglichst in einer gewissen Höhe, damit Raub­tiere wie Fuchs oder Wiesel ihre Eier nicht rauben können. Für einen perfekten Unterschlupf braucht es aber noch mehr: In der Nähe sollten sich ein Aussichtspunkt und ein Gewässer befinden, damit die Eltern dort für ihren Nachwuchs nach Fischen jagen können. Fast jede Viertelstunde muss neues Futter her, damit bis zu sieben Junge gross und stark werden können.

Als sich der Andelfinger Matthias Griesser vor über 25 Jahren für Eisvögel zu interessieren begann, fehlten solche geeigneten Brutplätze an der Thur weitgehend. An vielen Stellen war der Fluss begradigt und die Ufer waren verbaut. Lediglich zwei Brutpaare zählte Griesser 1992 in der Gegend. Inzwischen hat sich einiges verändert. Ein Segen für die Vögel war etwa die Renaturierung der Thurauen ab 2008. Geändert hat sich aber auch die Haltung im Tierschutz. Griesser stösst beim Kanton als Präsident des Naturschutzvereins Andelfingen je­denfalls auf offene Ohren. Bei gemeinsamen Begehungen werden mögliche Brutplätze für Eisvögel erkundet und dann ausgebaut oder neu erstellt. So geschehen zum Beispiel im Naturschutz­gebiet Thurauen. Griesser hatte festgestellt, dass ein Eisvogelpaar ausgerechnet in der Nähe einer Erholungszone brütete. Als der Platz im Frühling aber ständig von Menschen belegt war, gaben die scheuen Vögel ihre Brut wieder auf. Deshalb hat Griesser wenige Hundert Meter entfernt zusammen mit einem Kollegen per Spaten eine Wand geschaffen, die für die Vögel als idealer Brutplatz erscheinen muss. Die Chancen, dass bald Eisvögel einziehen, stehen gut: «Im Frühjahr fliegen die Vögel oft dem Wasser entlang, um genau nach solchen Orten Ausschau zu halten», sagt Griesser.

Die schweisstreibende Arbeit der vergangenen Jahre lohnt sich offensichtlich: 2008 zählte Gries­ser entlang der Thur bereits fünf Brutpaare. In den bisherigen Rekordjahren 2014 und 2015 waren es schon je acht (Grafik). Auch dieser Winter verlaufe bislang vielversprechend.

Zu einem herben Rückschlag kam es jedoch 2012. Im Februar war es so kalt, dass danach nur noch ein Brutpaar an der Thur gesichtet wurde. «Eisvögel reagieren sehr empfindlich auf Kälte», sagt Griesser. Deshalb komme dieser Art die Klimaerwärmung und die milden Winter der vergangenen Jahre zugute.

Eisvögel auch bei Elgg

Die besseren Bedingungen in den Thurauen wirken sich positiv auf die Population im ganzen Kanton aus, wie Matthias Griesser ver­mutet. Ausserhalb der Brutzeiten kann man die Vögel deshalb derzeit vermehrt auch an Orten beobachten, wo man sie nicht un­bedingt vermuten würde. In der «Andelfinger Zeitung» erschien kürzlich ein Leserbild eines Eisvogels am Rand eines Gartenteichs in Buch am Irchel, fernab von Thur und Rhein. Der Autor dieses Artikels konnte zudem kürzlich im Fahrenbachtobel bei Elgg zwei Eisvögel beobachten. Sie flogen im Zickzack knapp über der Wasseroberfläche eines Weihers – und verschwanden rasch wieder, als andere Spaziergänger auftauchten. (Landbote)

(Erstellt: 15.02.2016, 21:45 Uhr)

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Wenig mit Eis zu tun

Woher der Name des Eisvogels stammt, ist in der Literatur nicht eindeutig geklärt. Er könnte etwa vom altdeutschen Wort «eisan» abgeleitet sein, was «schillern» oder «glänzen» bedeutet. Andere vermuten, dass sich der Name eher auf das Wort Eisen bezieht und damit auf das stahlblaue Rücken- oder das rostrote Bauchgefieder. Möglicherweise trägt der bunte Vogel seinen Namen aber auch, weil das tiefblaue Gefieder an die Farbe in Gletscherspalten erinnert. roh

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