Firma vom Sprung über den Rhein abhalten

Die Brütsch Elektronik AG hat ennet des Rheins vorsorglich Land gekauft für den Fall, dass sie in Uhwiesen doch nicht wachsen kann.

Grundstück links unterhalb des Betriebsgebäudes (Mitte): Der Gemeinderat von Laufen-Uhwiesen möchte der Brütsch Elektronik AG das Bauland zu einem Vorzugspreis verkaufen.

Grundstück links unterhalb des Betriebsgebäudes (Mitte): Der Gemeinderat von Laufen-Uhwiesen möchte der Brütsch Elektronik AG das Bauland zu einem Vorzugspreis verkaufen. Bild: Markus Brupbacher

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Schaut sich der grösste Arbeitgeber und Steuerzahler einer Gemeinde anderswo nach Bauland um, wird so manch eine Exekutive nervös. In Laufen-Uhwiesen ist es die Brütsch Elektronik AG mit rund 100 Angestellten, die den Gemeinderat auf Trab hält.

Denn das Unternehmen sucht Land, um seine Betriebsfläche «bei Bedarf möglichst zügig und problemlos vergrössern zu können», wie der Gemeinderat in einer Mitteilung schreibt. Um diesen Wunsch zu erfüllen, will der Rat dem Unternehmen 1866 Quadratmeter Bauland zum Vorzugspreis von 400 Franken pro Quadratmeter verkaufen. Den Verkauf des Landes muss allerdings noch die Gemeindeversammlung am 19. November gutheissen. Das Grundstück liegt im Gebiet Hofacker direkt unterhalb vom Betriebsgebäude der Firma Brütsch.

«Grosse Bedeutung»

In einem Schreiben an den Gemeinderat schenkte die Brütsch Elektronik AG dem Gemeinderat reinen Wein ein. So würde sie den Umzug nach Beringen in Betracht ziehen, sollte sich der Betrieb in Uhwiesen nicht vergrössern lassen. Die schaffhausische Gemeinde liegt gut eine Autoviertelstunde nordwestlich von Uhwiesen.

Als bekannt wurde, dass Brütsch in Beringen Land gekauft hatte, habe der Gemeinderat sofort reagiert und das Gespräch mit der Firma gesucht, erzählt Gemeindepräsident Rudolf Karrer. Die Firma habe eine «grosse Bedeutung» für Laufen-Uhwiesen. Dass die Gemeinde bei einem Wegzug Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verlieren würde, bestätigt Karrer. «Das ist so.» Der Gemeinderat sei allerdings nicht unter Druck gesetzt worden. Auch habe Brütsch den Quadratmeterpreis nicht gedrückt. «Es ist eine Win-win-Si­tua­tion.» Zudem enthält der Kaufvertrag ein paar Absicherungen. Baut die Firma nämlich innert zehn Jahren doch nicht, gibt es einen neuen Vertrag oder die Gemeinde kann das Land zurückkaufen. Und falls sie auf dem Grundstück nicht für den eigenen Betrieb, sondern Wohnungen bauen würde, müsste sie der Gemeinde nebst den 400 Franken zusätzliche 250 Franken pro Quadratmeter nachzahlen.

«Definitiv ist nie etwas»

Die Politische Gemeinde Laufen-Uhwiesen will den Steuerfuss für 2016 um fünf Prozentpunkte senken. Karrer betont, dass die Steuern unabhängig davon gesenkt würden, ob das Grundstück nun verkauft werde oder nicht.

Die Wahrscheinlichkeit eines Weg­zugs des Unternehmens aus Uhwiesen sei bei einem Ja zum Landverkauf viel geringer, sagt Verwaltungsratspräsident Oliver Brütsch. Aber «definitiv ist nie ­etwas». Denn bei einem starken Wachstum der Brütsch Elektronik AG könnte der zusätzliche Platz in Uhwiesen doch nicht ausreichen.

Doppelt so viel bezahlen

Das Land in Beringen kaufte Brütsch vorsorglich, weil es lange Zeit nicht danach aussah, dass in Uhwiesen Bauland in der erhofften Zeit zur Verfügung stehen würde. Trotz des Vorzugspreises müsste die Firma in Uhwiesen immer noch rund doppelt so viel bezahlen pro Quadratmeter wie in Beringen. Zudem seien die Bauvorschriften in Beringen weniger streng als in Uhwiesen, wo die Ausnützungsziffer besonders niedrig sei, sagt Brütsch.

Verlust von Arbeitsplätzen und weniger Steuereinnahmen: Das wäre tatsächlich die Folge, sagt Brütsch, «wenn man keine Möglichkeit hat, in der Gemeinde zu wachsen». Daher stört es ihn auch nicht, wenn in dem Zusammenhang der eine oder andere von Druck spricht. Das Unternehmen zahlt allein der Gemeinde Laufen-Uhwiesen Steuern im sechsstelligen Bereich. Dadurch werden die Mindereinnahmen durch den Vorzugspreis in einem Jahr deutlich mehr als kompensiert. «Daher erachten wir unser Angebot als fair», sagt Brütsch. (Landbote)

(Erstellt: 12.10.2015, 20:42 Uhr)

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