Endlager

Nagra nimmt Bundesratsentscheid vorweg

Die Nagra hat die Messungen in Nördlich Lägern abgeschlossen. Denn sie geht schon heute davon aus, dass der Bundesrat das Gebiet weiter im Rennen ums Endlager haben will.

Vor rund einem Jahr führte die Nagra im Weinland – hier im Ortskern von Benken – zum zweiten Mal 3-D-seismische Messungen durch. Archiv /

Vor rund einem Jahr führte die Nagra im Weinland – hier im Ortskern von Benken – zum zweiten Mal 3-D-seismische Messungen durch. Archiv / Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Soll das Endlager für den Schweizer Atommüll im Zürcher Weinland, im aargauischen Bözberg oder im Zürcher Unterland nördlich der Lägern gebaut werden? Um der Beantwortung dieser Frage einen weiteren Schritt näherzukommen, hat die Nagra die drei möglichen Standortregionen seit Herbst 2015 mittels 3-D-Seismik vermessen. Diese Messarbeiten sind nun am 3. Februar in Nördlich Lägern abgeschlossen worden, wie die Nagra mitteilt.Bei solchen Messungen erzeugen massige Fahrzeuge Schwingungen, die von den Gesteinsschichten im Untergrund unterschiedlich zurückgeworfen werden. Dadurch entsteht ein noch genaueres, dreidimensionales Bild des Opalinustons, in dem die radioaktiven Abfälle einst gelagert werden sollen. Begonnen hat die Nagra mit der 3-D-Messkampagne im Aargau im Oktober 2015. Vor gut einem Jahr war das Weinland an der Reihe, wobei dies dort bereits die zweite, ergänzende 3-D-seismische Messung war.

Interpretation erst 2019

Bis aber die Resultate dieser Kampagne vorliegen, dauert es noch ziemlich lange. «Eine abschliessende Interpretation der 3-D-Seismik-Messdaten der drei Standortgebiete wird im Laufe von 2019 erwartet», sagt Nagra-Sprecherin Marisa Brauchli. Die Nagra wird dann einen Bericht dazu verfassen.

Im Jahr 2019? Der Bundesrat wird doch bereits Ende 2018 darüber entscheiden, welche der insgesamt sechs Standortregionen in der nächsten, dritten Etappe weiter untersucht werden sollen. Dann nämlich beurteilt die Landesregierung den Vorschlag der Nagra vom Januar 2015, nur noch das Weinland und den Bözberg vertieft zu untersuchen. Doch eben: Die neusten 3-D-Messdaten werden dann noch gar nicht vorliegen. Brauchli erklärt: «Die durchgeführten 3-D-seismischen Messungen gehören zur dritten Etappe des Sachplanverfahrens und fliessen nicht in den Bundesratsentscheid von 2018 ein.» Dieser Entscheid wird erst die zweite Etappe des Suchverfahrens abschliessen. Die soeben abgeschlossenen Messungen sind also bereits Teil der dritten Etappe, die eigentlich erst beginnt. Für die zweite Etappe und damit für den 2015er-Vorschlag führte die Nagra andere, 2-D-seismische Messungen durch. In dem komplexen Suchprozess werden teilweise Arbeiten für künftige Etappen vorgezogen. Dazu gehören auch die kürzlich eingereichten Gesuche, um in der dritten Etappe Sondierbohrungen durchführen zu können.

Wie tief soll das Lager liegen?

Die Nagra stellte im Januar 2015 das Standortgebiet Nördlich Lägern einstweilen zurück – der Grund: Im Untergrund wäre ihr zufolge nur in rund 900 Metern genügend Platz für das Endlager vorhanden. Doch in einer solchen Tiefe ist das Bauen technisch anspruchsvoller, was die Nagra als eindeutigen Nachteil erachtet. Anderer Meinung ist da das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi), das kürzlich verlangte, auch Nördlich Lägern neben dem Weinland und Bözberg in der dritten Etappe weiter zu untersuchen.

Bemerkenswerte Aussage

Weil die Nagra damit rechnet, dass der Bundesrat auch Nördlich Lägern weiter untersucht haben möchte, führte sie zuletzt auch dort 3-D-seismische Messungen durch. «Um ausgewählte geologische Aspekte, die zum Vorschlag der Rückstellung von Nördlich Lägern geführt haben, vertieft zu untersuchen», wie Brauchli sagt. Die Nagra will damit also ihren Vorschlag von 2015 noch besser begründen.

An der Weinländer Regionalkonferenz im Februar 2015 sagte Nagra-Geschäftsleitungsmitglied Markus Fritschi allerdings etwas Bemerkenswertes in dem Zusammenhang. So antwortete er auf die Frage, wieso bisher nur im Weinland 3-D-seismische Messungen durchgeführt wurden: «Die Opalinustonschicht wird dadurch nicht dicker und auch die Tiefenlage dieser Schicht ändert sich nicht.» Er meinte damit Messungen in den anderen Regionen. Im Klartext: Der Nachteil von Nördlich Lägern wegen der zu grossen Tiefenlage dürfte sich auch mit den jüngsten Messungen nicht ändern. Das könnte also bedeuten, dass diese dritte Standortregion einfach zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Rennen geworfen wird. ()

Erstellt: 13.02.2017, 16:15 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Werbung

KIWI

Kiwi Kinos Winterthur

Kommentare

Blogs

ADHS Häufig unerkannt: Auch viele Erwachsene leiden an ADHS

Jobsuche Marketing in eigener Sache

Paid Post

Forschen, entdecken, lernen

In der Gesamtschule Winterthur lernen Kinder anders. In der innovativen Tagesschule für Unter- und Mittelstufe liegt der Schwerpunkt im naturwissenschaftlichen Forschen.