Andelfingen

Wolf biss in der Nähe von Wohnhäusern zu

Der Wolf, welcher bereits im Thurgau mehrere Schafe riss, ist laut Fachleuten «mit hoher Wahrscheinlichkeit» das gleiche Tier, welches am 2. März in einem Rebberg im Ortsteil Uhwiesen zugeschlagen hat.

Winzer und Schafhalter Cédric Besson hielt gestern am «Tatort» ein Büschel Wolle seines vom Wolf getöteten Schafes in der Hand.

Winzer und Schafhalter Cédric Besson hielt gestern am «Tatort» ein Büschel Wolle seines vom Wolf getöteten Schafes in der Hand. Bild: Madeleine Schoder

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Es muss mitten in der Nacht gewesen sein, als der Wolf durch den Wald auf dem Cholfirst, dem nördlichsten Höhenzug im Kanton Zürich, streifte – und plötzlich Witterung aufnahm. Es roch nach Mahlzeit. Denn ganz in seiner Nähe, in einem schön angelegten Rebberg an der Sunnebergstrasse im Ortsteil Uhwiesen, weideten sieben Schafe. Es waren sogenannte Ouessantschafe, eine bretonische Zwergschafrasse, die gerne dafür eingesetzt wird, das Gras zwischen den Rebstöcken wegzufressen.Auch was dann passierte, kann nur vermutet werden. Der Wolf dürfte wohl kurze Zeit später an einzelnen Wohnhäusern vorbeigetrabt sein, anschliessend behände den Zaun übersprungen und sodann die kleine Herde in Panik versetzt haben. Darauf deuteten am anderen Tag jene Stellen hin, die zeigen, mit welcher Wucht Teile der Umzäunung zu Boden gedrückt wurden. Schliesslich nahm der Wolf dann ein Schaf ganz besonders ins Visier.

«Schlimm zugerichtet»

«Das Schaf war so schlimm zugerichtet, dass man davon ausgehen musste, dass es ein grösseres Tier gerissen hatte», erinnert sich Winzer Cédric Besson, der Besitzer der Schafe. «Allerdings konnte ich mir damals kaum vorstellen, dass es ein Wolf gewesen sein könnte.» Denn das Weinland sei ja nicht das Wallis, meint der gebürtige Waadtländer.

Schafsbesitzer beschwichtigt

Besson führt zusammen mit ­seiner Frau den Winzerkeller Strasser in Uhwiesen. Die Schafe sind eher nur ein Hobby für ihn. Dass nun eines seiner Tiere dem Wolf zum Opfer fiel, bedauert er zwar. Aber auch wenn er in den letzten Tagen seine Tiere über die Nacht «vorsichtshalber» in den Stall gebracht hat, sieht er die Sachlage insgesamt relativ gelassen. «Ich glaube nicht, dass wir hier Angst vor dem Wolf haben müssen», meint Besson. «Denn Wölfe dürften sich in dieser Gegend wohl kaum dauerhaft niederlassen, sondern höchstens einen Zwischenhalt einlegen.» Wenn sich die Population des Wolfes im Mittelland in Grenzen halte, werde auch die Bevölkerung gut damit leben können, glaubt Besson.

Den Rhein überquert?

Diese Haltung vertritt auch Urs Philipp, Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich. Zudem glaubt auch er, dass der Wolf das Weinland längst wieder verlassen hat. «Da solche Tiere normalerweise auf der Wanderschaft sind, gehen wir davon aus, dass der Wolf mit grosser Wahrscheinlichkeit inzwischen über die Kantonsgrenzen hinaus weitergezogen ist.» Denn man habe bisher keine weiteren Meldungen mehr von Wolfssichtungen oder von Nutztierrissen in der Region Weinland gehabt, sagt Philipp. «Wir können uns deshalb gut vorstellen, dass der Wolf den Rhein entweder schwimmend oder via eine Brücke überquert hat.»

Philipp weist zudem darauf hin, dass Schafhalter Besson der entstandene Schaden, welcher ihm durch den Tod des Tieres entstanden ist, von Kanton und Bund noch vergütet wird.

Dass es sich beim Weinländer Raubtier tatsächlich um einen Wolf handelte, weiss Philipp erst seit gestern. Die entsprechende Bestätigung hat er von einem Labor der Universität Lausanne erhalten. Die DNA-Analyse gebe auch erste Hinweise, woher das Tier stammen könnte. Manches deute darauf hin, dass der Wolf «italienischer Abstammung» sei. Es handle sich wahrscheinlich um ein Jungtier aus dem Calanda-Rudel, glaubt Philipp. Er geht zudem davon aus, dass es sich «mit hoher Wahrscheinlichkeit» um das gleiche Tier handelt, welches bereits kurz zuvor im Kanton Thurgau mehrere Schafe gerissen und verletzt hatte.

Und das Andelfinger Schaf?

Ob auch das Schaf, welches ein Spaziergänger am 5. März auf einer Weide in Andelfingen tot aufgefunden hatte, von einem Wolf gerissen wurde, bleibt laut Philipp «wohl für immer» eine ­offene Frage. Denn da das Tier durch seinen Besitzer berührt und vom «Tatort» abtransportiert worden sei, seien «entscheidende Spuren verwischt worden». Er rät deshalb dringend, tote Nutztiere nicht anzufassen und umgehend die lokale Jagdgesellschaft oder die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung zu informieren. (Der Landbote)

Erstellt: 17.03.2017, 21:19 Uhr

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