Weisslingen

«Dass Weisslingen als SVP-Hochburg gilt, stört mich nicht»

Das Image einer Gemeinde werde von deren Attraktivität bestimmt, ist der neue Präsident von Weisslingen, Andrea Conzett (WF), überzeugt. Er will ihr kein neues verpassen.

Andrea Conzett (WF) wusste, was auf ihn zukommt. Er sitzt seit 2010 im Gemeinderat.

Andrea Conzett (WF) wusste, was auf ihn zukommt. Er sitzt seit 2010 im Gemeinderat. Bild: Marc Dahinden

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Andrea Conzett, nach über 20 Jahren SVP-Herrschaft ist mit Ihnen nun ein Vertreter des Wisliger Forums an der Spitze von Weisslingen. Krempeln Sie nun alles um?

Andrea Conzett: Nein, es wird keine Kehrtwende geben. Denn wir können uns nicht mehr gross entwickeln. Wir haben keinen S-Bahn-Anschluss, kaum Industrie und nur noch wenige Baulandreserven. Damit lassen sich keine Visionen verwirklichen. Wobei ich das Wort Vision sowieso nicht mag. Visionen haben etwas Utopisches. Als Gemeinde müssen wir auch in Zukunft unseren Auftrag bezüglich Sicherheit und Infrastruktur erfüllen.

Weisslingen gilt seit je als SVP-Hochburg. Die NZZ widmete der Gemeinde 2007 ein Folio. Wie werden Sie dieses Image nun wieder los?

Ist das denn negativ? Mich stört es nicht. Meiner Meinung nach ist es die Attraktivität einer Gemeinde, die das Image ausmacht. Für den Einwohner zählt, ob es beispielsweise Schulen und familienergänzende Angebote gibt. In dieser Hinsicht ist Weisslingen für Familien attraktiv.

Weshalb sind Sie denn vor 14 Jahren nach Neschwil gezogen?

(lacht) Es war nicht die Gemeinde, die den Ausschlag gegeben hat. Es war die Meereshöhe.

Das müssen Sie erläutern.

Wir haben nach mehreren Jahren im Tessin und in Kalifornien drei Jahre lang im Aargau gelebt. Deshalb wollten wir unbedingt an einen Ort, der über der Nebelgrenze liegt.

Sie haben vorhin die Sicherheit angesprochen. Wie steht es mit der Sicherheit auf der Dorfstrasse? Oft führen die zahlreichen Rechtsvortritte zu brenzligen Si­tua­tio­nen. Ausserdem handelt es sich um eine Durchgangsstrasse zum Tösstal.

Der Verkehr ist in der Tat ein Dauerthema. Mittlerweile haben wir Markierungen angebracht, welche die Si­tua­tion entschärft haben. Auch hat der Gemeinderat ein Verkehrskonzept ausarbeiten lassen, über welches er am 4. April informieren wird.

Planen Sie auf der Dorfstrasse eine Tempo-30 Zone?

Dazu kann ich wirklich noch nichts sagen. Nur so viel: Es sind sehr viele Ressorts involviert, denn es gilt neben den Fragen zur Sicherheit auch solche zur Raumplanung, Optik, zum öffentlichen Verkehr und zum Tiefbau zu klären. Es gibt grundsätzlich zwei Lager: jene, die den Verkehr beruhigen möchten, und jene, die das nicht wollen.

In zwei Jahren wird Ihre langjährige Gemeindeschreiberin Käthi Schönbächler pensioniert. Die Neubesetzung der Stelle wird sicher eine Ihrer nächsten grösseren Aufgaben sein.

Das hat in der Tat erste Priorität. Gleichzeitig werden wir die Verwaltung generell überprüfen. Die Gemeinde ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Es fragt sich, ob die jetzigen Strukturen noch zeitgemäss sind.

Weisslingen hat gut 3200 Einwohner. Von der Grösse her ist die Gemeinde nicht dazu gezwungen, mit einer anderen zu fusionieren. Oder ist das doch ein Thema?

Nein, das ist kein Thema. Zwar hat Kyburg mit uns geliebäugelt, sich aber mittlerweile mit Illnau-Effretikon zusammengeschlossen. Wir arbeiten heute schon in verschiedenen Bereichen mit unseren Nachbarn zusammen. Das ist wichtig, wenn man unabhängig bleiben will. Denn die Zusammenarbeit ist in meinen Augen nicht der Anfang einer Fusion, auch wenn das viele denken.

Als Sie 2010 fürs Präsidium kandidierten, sprachen Sie sich für einen gleichbleibenden Steuerfuss aus. Sehen Sie das heute immer noch so?

Habe ich das gesagt? Eine gewisse Sicherheit ist sicher wichtig. Wir haben früher immer ein Defizit budgetiert, resultiert ist aber ein Ertrag, sodass das Eigenkapital stets gestiegen ist. Deshalb haben wir den Steuerfuss 2011 und 2012 von 111 auf 101 Prozentpunkte gesenkt und bis heute gehalten. Das wird unter Umständen nicht so bleiben. Für 2017 müssen wir ihn allenfalls anheben. Ins Gewicht fallen die hohen Gesundheitskosten. Davon sind alle Gemeinden überrascht worden.

Wie kommen Sie mit der höheren Aufnahmequote für Asylsuchende klar? Haben Sie genügend Wohnraum?

Statt 16 müssen wir neu 23 Personen aufnehmen. Wir haben bisher alle gut unterbringen können. Sollten noch mehr kommen, werden wir die Zivilschutzanlage in Betrieb nehmen. Dort wollen wir aber vor allem Schlafplätze einrichten. (Landbote)

Erstellt: 16.02.2016, 20:05 Uhr

Zur Person

Andrea Conzett (WF) unterlag 2010 in der Kampfwahl ums Präsidium Martin Rüegg (SVP), schaffte aber den Sprung in den Gemeinderat. Politisch steht er rechts der Mitte, wie er selbst sagt. Seit diesem Januar ist er Gemeindepräsident. Weil er der einzige Kandidat war, wurde er in stiller Wahl gewählt. Der 55-Jährige ist verheiratet und Vater von drei Kindern. 2002 zog er mit seiner Familie nach Neschwil, wohnt aber mittlerweile in Weisslingen. Er arbeitet als Grosskundenberater für die IBM in Zürich. Die Tätigkeit hat ihn ins Tessin und nach Kalifornien gebracht. neh

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