Illnau-Effretikon

«Der Zeitpunkt für eine Auszeit passt politisch und persönlich»

Fabian Molina, Präsident der Juso Schweiz aus Illnau, tritt im Juni von seinem Amt zurück. Im Gespräch erzählt er, welche Ziele er mit der Partei erreicht und weshalb ihn die Biografie seines Vaters geprägt hat.

Fabian Molina: «Das Amt des JUSO-Präsidenten ist intensiv, abwechslungsreich und emotional»

Fabian Molina: «Das Amt des JUSO-Präsidenten ist intensiv, abwechslungsreich und emotional» Bild: Nicolas Zanvi (Archiv)

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Sie geben nach über zwei Jahren das Präsidium der Jungsozialisten Schweiz ab, weil Sie sich auf Ihr Studium konzentrieren möchten. Weshalb gerade jetzt?

Fabian Molina: Ich habe mir überlegen müssen, wann der Zeitpunkt richtig ist. Es ist wichtig, dass es an der Parteispitze der Juso zu regelmässigen Wechseln kommt, damit neue Leute einbezogen werden. Und im Herbst passt es politisch wie auch persönlich gut.

Inwiefern?

Politisch, weil die Abstimmung über die Initiative gegen Spekulation mit Nahrungsmitteln hinter uns und diejenige über das Nachrichtengesetz vor uns liegt. Bei beiden Themen sind die Juso federführend. Und um den Abstimmungskampf vorzubereiten, ist ein gewisser Aufwand nötig.

Und weshalb passt es ­persönlich?

Die Chance, ein Auslandsemester in Madrid zu absolvieren, hat sich anerboten, und die wollte ich packen. Madrid hat eine sehr gute Universität und bietet mir als Sohn eines Chilenen die Möglichkeit, mein Spanisch aufzubessern.

Sie haben mit Ihren verschiedenen politischen Ämtern, unter anderem auch als Vizepräsident der SP Schweiz, eine intensive Zeit hinter sich. Werden Sie in Madrid nicht in ein Loch fallen?

Diese Gefahr besteht natürlich. Ich konnte mich bisher nie nur auf mein Studium konzentrieren. Doch dazu muss ich mich jetzt zwingen. Es ist ja nur für ein halbes Jahr. Aber Sie haben schon recht, ein Amt wie das des Präsidenten der Juso gibt es kein zweites. Es ist wahnsinnig intensiv, wahnsinnig abwechslungsreich, sehr emotional und gibt einem viel.

Haben Sie die Juso dorthin geführt, wo Sie sie haben wollten?

Die Juso sind eine kleine Partei mit beschränkten Mitteln. Umso wichtiger ist es, dass wir gehört werden, wenn wir etwas zu sagen haben. Es braucht also eine laute Stimme, die man wahrnimmt. Das habe ich sicher erreicht. Wichtig ist auch, dass wir viele junge Leute mobilisieren können. Das haben wir ebenfalls erreicht. Seit 2008 haben wir unsere Mitgliederzahl verdreifacht und wachsen weiter. Aktuell haben wir 3500 Mitglieder.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie kein Blatt vor den Mund ­nehmen. Dadurch ecken Sie oft an, haben auch schon Mord­drohungen erhalten. Wie gehen Sie damit um?

Man legt sich eine dicke Haut zu und kennt seine Rolle. In den Wut- und Hassmails, die ich erhalte, geht es ja nicht um mich als Person, sondern um das, wofür ich einstehe. Ich habe auch mit meinen Kritikern am Schluss immer ein Bier trinken können. Ich bin nicht nachtragend. Ansonsten könnte ich keine nationale Politik betreiben.

Inwiefern hat Sie die Biografie Ihres Vaters beeinflusst, der in Chile als aktiver Sozialist 13-mal im Gefängnis sass und 1982 in die Schweiz flüchtete?

Dass er flüchten musste und sich für den Sozialismus engagierte, sind Dinge, die mich geprägt haben. Und auch die Tatsache, dass der Sozialismus eine Idee ist, die schon lange vorangetrieben wird, und sich für soziale Gerechtigkeit und Freiheit einsetzt.

Und was hat den Ausschlag ­gegeben, dass Sie als 16-Jähriger der SP beigetreten sind?

Die Abstimmung über das neue Ausländer- und Asylgesetz im Jahr 2006. Damals wurde es massiv verschärft. Da habe ich gemerkt, dass die Politik über die eigene Existenz entscheiden kann. Mein Vater hätte unter dem neuen Gesetz kein Asyl erhalten, mich hätte es folglich gar nicht gegeben. Das hat mich getroffen, ich war damals gerade in der Pubertät.

Haben Sie politische Vorbilder?

Ich musste mir welche zulegen, weil ich immer danach gefragt werde. (lacht) Denn eigentlich hatte ich keine, weil es mir nicht darum geht, jemanden zu imitieren. Der ehemalige und Ende Februar verstorbene SP-Fraktionspräsident des Zürcher Kantonsrates, Willy Spieler, inspiriert mich. Er handelte menschenwürdig und war ein grosser Verfechter von mehr Wirtschaftsdemokratie. Ich habe seine Klugheit bewundert.

Sie sind erster Ersatzkandidat im Kantons- und Nationalrat. Was tun Sie, wenn Sie während Ihrer Auszeit nachrücken?

Ich glaube nicht, dass das passiert, da habe ich mich abgesichert. Und wenn doch, dann kommt es auf den Moment an. Unter Umständen würde ich in die Schweiz zurückkommen.

Welche weiteren politischen Ziele haben Sie sich gesteckt?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Die will ich aber noch nicht verraten.

(landbote.ch)

Erstellt: 27.03.2016, 16:56 Uhr

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