Kyburg/Illnau-Effretikon

«Ich persönlich bevorzuge die heutige Namensgebung der Stadt»

Am 1. Januar schliessen sich Kyburg und Illnau-Effretikon zusammen. Stadtpräsident Ueli Müller sagt, weshalb er die Stadt nicht umbenennen würde.

Altes und neues Oberhaupt der Gemeinde Kyburg: Kurt Bosshard (l.) und Ueli Müller vor dem Schloss.

Altes und neues Oberhaupt der Gemeinde Kyburg: Kurt Bosshard (l.) und Ueli Müller vor dem Schloss. Bild: Marc Dahinden

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Herr Müller, was ist das für ein Gefühl, wenn man als Historiker Geschichte schreibt?
Ueli Müller: Kein besonderes, auch wenn mich der Zusammenschluss mit Kyburg natürlich sehr freut. Die Arbeit von Stadtrat und Verwaltung wird sich ja nicht gross verändern. Wir erhalten ein grösseres Territorium, ein längeres Wasserleitungsnetz und eine zusätzliche Schule. Und mit dem Schloss ein Aushängeschild, das sich gut vermarkten lässt.

Anfang Dezember fand ein letzter öffentlicher Informationsabend in Kyburg statt. Mit welchen Anliegen sind die Kyburger an Sie herangetreten?
Der Abend ist gut angekommen, ich hatte sehr viele positive Rückmeldungen. Die Kyburger haben gesehen, dass wir sie ernst nehmen und die Stadt ihnen einiges bieten kann. Jemand forderte Tempo 30 auf der Allmendstrasse, zwischen dem Parkplatz am Dorfeingang und der Linde.

Und was haben Sie ihm geantwortet?
Da es sich um eine Kantonsstrasse handelt, müssen wir das Anliegen beim Kanton deponieren. Das werden wir sicher machen. Ob es Erfolg hat, ist offen. Die Kyburger sind davon überzeugt, dass wir als Stadt mehr Gewicht haben.

Mehrere Einwohner bedauern, dass sie nun nicht mehr direkt auf die Politik Einfluss nehmen können, weil es keine Gemeindeversammlungen mehr gibt. Was sagen Sie dazu?
Das ist so. Auch die einzelne Stimmkraft wird kleiner, da Illnau-Effretikon viel mehr Einwohner hat. Einbringen können sich die Kyburger trotzdem noch. Sie können entweder in meine Sprechstunde kommen, ein Mail oder einen Brief schreiben. Das können sie übrigens an alle Stadträte und Verwaltungsmitglieder. Und bei den nächsten Wahlen dürfen sie sich wie alle Stadtbewohner um ein politisches Amt bewerben.

Was unternehmen Sie, damit sich die Kyburger gut ­aufgenommen fühlen?
Das Jahrheft, das jeweils aufs Neujahr erscheint, wird Kyburg zum Thema haben. Wir lassen es ausnahmsweise in alle Kyburger Haushalte verteilen. Zudem sind alle Kyburger zum Neujahrskonzert im Stadthaus und zum Neujahrsapéro im Illnauer Rössli eingeladen. Wir werden dafür sorgen, dass die neuen Einwohner gleich behandelt werden wie alle anderen in der Stadt.

Welche Herausforderungen kommen nach dem 1. Januar sonst noch auf die Stadt zu?
Es müssen noch die letzten Übergabearbeiten erledigt werden. Zum Beispiel das Gemeindearchiv ins Stadthaus Effretikon zügeln. Dann müssen die beiden Bauordnungen zusammengeführt werden. Bei der Wasserversorgung Brünggen überlegen wir uns, eine Verbindungsleitung zum Reservoir First zu erstellen, weil im letzten Herbst das Wasser knapp wurde. Und weiter wird die Kyburger Schule neu organisiert.

Inwiefern?
Wir bilden einen neuen Schulkreis, der die Primarschulen und den Kindergarten in Kyburg und Ottikon umfasst. Die Schülerzahl ist zwar bescheiden, aber das Einzugsgebiet dafür sehr gross. Die Oberstufenschüler von Kyburg werden nicht mehr nach Weisslingen, sondern nach Illnau und Effretikon gehen.

Kurz nach der Abstimmung zur Eingemeindung verlangte ein politischer Vorstoss eine Umbenennung der Stadt. Wie realistisch ist das?
Im Zusammenschlussvertrag ist der Name geregelt: Er lautet Illnau-Effretikon. Eine neue In­itia­ti­ve müsste von den Stimmbürgern her kommen, in Form einer Volksin­itia­ti­ve oder allenfalls einer Petition. Danach bräuchte es eine Volksabstimmung.

Wie sinnvoll wäre «Kyburg»?
Historische Gründe lassen sich für beide Namen finden. Kyburg war im Mittelalter und bis 1798 der Machtmittelpunkt. Illnau und Effretikon waren jedoch schon viel früher besiedelt; die erste Urkunde stammt aus dem Jahr 745. Wichtig scheint mir die Gründung der selbstständigen politischen Gemeinde im Jahr 1798, das heisst die Loslösung von den alten Strukturen des Zürcher Stadtstaats. Deshalb bevorzuge ich persönlich die heutige Namensgebung. (Landbote)

Erstellt: 29.12.2015, 21:19 Uhr

Die Meilensteine eines Zusammenschlusses

Ein Initiativkomitee um den ehemaligen Feuerwehrkommandanten Andreas Bärtschi reicht im Februar 2008 eine
Initiative beim Gemeinderat von Kyburg ein mit der Aufforderung, Vor- und Nachteile einer Fusion abzuklären. Die Behörde hält den Zeitpunkt für «verfrüht». Knapp einen Monat später erklärt sie die Initiative für ungültig. Begründung: Der Vorstoss verlange keinen Beschluss der Gemeindeversammlung, sondern lediglich Abklärungen. Im September 2009 finden Tischgespräche zur Zukunft von Kyburg statt, an denen auch die Bevölkerung teilnimmt. Im Juni 2011 kommt der Gemeinderat dann zum Schluss: «Eine Fusion ist nicht zwingend nötig.» Im April 2012 teilt der Gemeinderat der Bevölkerung mit, man wolle die Schule mit jener von Illnau-Effretikon zusammenschliessen. Zwei Monate später reicht das Initiativkomitee eine zweite
Initiative ein, zieht diese später
aber wieder zurück, weil der Gemeinderat im November 2012 eine Grundsatzabstimmung in Aussicht stellt. Mit 185 Ja- zu 29 Nein-Stimmen sagen die Kyburger Stimmbürger Ja zu einem Zusammenschluss.

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