Wiesendangen

Sie sieht den Wandel in den Bergen

Manuela Fischer nimmt den Wunsch vom Leben im Einklang mit der Natur ernst. Als Hüttenwartin, «Städterin», Land-Art-Künstlerin und Mutter.

Manuela Fischer aus Wiesendangen macht Land-Art in den Bündner Alpen. Eine Aufnahme des Projekts «Wandelzeit» hat sie auf das Vlies gedruckt, mit dem sie den Brunnifirngletscher abdeckte.

Manuela Fischer aus Wiesendangen macht Land-Art in den Bündner Alpen. Eine Aufnahme des Projekts «Wandelzeit» hat sie auf das Vlies gedruckt, mit dem sie den Brunnifirngletscher abdeckte. Bild: Heinz Diener

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In diesen Wochen ist Manuela Fischer aus Wiesendangen wieder als Hüttenwartin in ihrem Element. Seit 1989 begrüsst sie Gäste, die die Cavardirashütte oberhalb von Disentis beim Oberalpstock betreten. Sie steht am Herd oder verarztet Wanderer. «Nebenbei» kümmert sie sich um ihr neues Land-Art-Projekt. «Es heisst ‹Grenzland›», erzählt sie unmittelbar vor der Abreise in ihrem Winterthurer Grafikatelier. «Es gibt eine afrikanische Gesteinsschicht, die man oberhalb von Arosa sieht. Dort erhebt sich der Urkontinent. Ich möchte Afrika im Herzen der Schweiz sichtbar machen.»

«Grenzland» soll im Sommer 2016 eine poetische Rauminstallation werden. Eine lange Reihe von Metallstäben wird im Gebiet zwischen Arosahörnli und Urdenfürggli auf dieser gedachten Grenzlinie stehen. Reflektierende Objekte drehen sich im Wind und spiegeln die Sonne oder glänzen matt im Mondschein. «Was wir uns an Sonne wünschen, hat Afrika zu viel», beschreibt sie es.

Natürlich habe sie aufklärerische Absichten, sie sei den Ideen der 1960er- und 1970er-Jahre verhaftet. «Wir erleben derzeit Flüchtlingsströme, und die Grenzen in den Köpfen sollen verwischen. Die einen sind dort und die anderen sind da», sprudelt es aus ihr heraus, «die Aktualität hat unser Denkmodell überholt.»

Eine Gletschertafel

Hinter ihr hängt ein Druck auf Vlies aus ihrem erfolgreichen Land-Art-Projekt «Wandelzeit» an der Wand. Sie hat es soeben aus einer Zürcher Galerie abgebaut. «Wandelzeit» war eine Aktion, in der sie 2013 mit fünf Helfern eine 1500 Quadratmeter grosse Fläche auf dem Brunnifirn mit Vlies abdeckte. In der Sommerschmelze schrumpfte der Gletscher um zwei Meter. Nur ihre abgedeckte Gletschertafel blieb eindrucksvoll auf 2700 Metern Höhe stehen. Drei Millionen Liter Wasser hatte das Vlies isoliert und zurückgehalten – eine Technik, die aufgrund des Klimawandels in Skigebieten zunehmend praktiziert wird.

«Die Natur ist unsere Lebensgrundlage, das ist ein schöner Ansatz, um etwas zu bewegen», erklärt die 55-Jährige, wenn sie dar­auf angesprochen wird, wie sie ihre freiberufliche Tätigkeit als Grafikerin, die zehn Wochen pro Jahr als Hüttenwartin für die SAC-Sektion Winterthur, die Familie und die künstlerische Arbeit unter einen Hut bringt. «Der Ort da oben hat mich zusätzlich sensibilisiert für die Thematik; das Geräusch des Windes, das Rollen der Steine, das Spinnen der Geschichten im Urnerland. Das sind keine Sagen, sondern Wesen aus der Natur, die an den abgeschiedenen Orten spürbar sind.»

Die Autorin Daniela Schwegler hat sie in ihrem neusten Buch «Bergfieber – Hüttenwartinnen im Porträt» vorgestellt. Darin finden sich zwölf Biografien von Frauen, die quasi ein Doppelleben zwischen Berg und Tal führen. Diese Hüttenwartinnen sind im anderen Leben Krankenpflegefachfrau, Lehrerin, Kosmetikerin. Schwegler knüpft damit an ihr Buch «Traum Alp» an, in dem sie Älplerinnen porträtierte. Auch dieses Mal stammen die Fotos von Vanessa Püntener sowie von Stephan Bösch.

Optimistischer Blick

Szenisch wird erzählt, wie sich das Leben im Sommer auf der Cavardirashütte gestaltet. Ausser Manuela Fischer, ihrem Mann Ueli Wiesmann und den beiden Töchtern gehören feste Helfer zum Team. Doch Manuela Fischers doppelte Mission in den Bergen, als Wirtin und Künstlerin, ist sicher einzigartig. Auch am Wohnort Wiesendangen sei sie in Verbindung mit der Natur. «Es langen zwei, drei Schritte, um in den Garten zu gehen, und jeden Tag fahre ich mit dem Velo übers Feld zur Arbeit.» So sieht sie auch die ökologische Zukunft optimistisch: «Wandel ist positiv, er fordert uns auf, uns zu verändern. Die Menschen werden die Welt wieder in Balance bringen.»

(Landbote)

Erstellt: 14.08.2015, 12:02 Uhr

Buchtipp

«Bergfieber – Hüttenwartinnen im Porträt», Daniela Schwegler, Rotpunktverlag, 256 Seiten, 38 Franken.

Lesung

Am 22. September, 19 Uhr, bei Sherpa Outdoor in Winterthur.

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