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Auf Holzbrettern den Berg hinunterpurzeln

In Sternenberg fand am Sonntag das Fassdauben­rennen statt, das noch im ­Vorjahr wegen fehlenden Schnees ausfallen musste.

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Im Tösstal liefen am Sonntag die Wintersportfans auf. Nicht etwa zum Skilift Sternenberg, sondern zum Hang beim Rossböhlwald – dort fand wieder das Fassdaubenrennen statt. Auf 35 Jahre alten Holzbrettern aus Weinfässern, die mit Lederriemen an die Füsse geschnallt werden, rasten 57 Wagemutige die Strecke hinunter.Bereits unter der Woche hatte der Fassdaubenclub Schindlet die Piste präpariert, damit die Rennfahrer am Sonntag optimale Pistenverhältnisse vorfinden würden. «Wir haben fest auf Schnee gehofft», erklärte Mike Mitchell, Präsident des Klubs. Als Frau Holle dann am Donnerstag, so kurz vor dem grossen Tag, nochmals Schnee gebracht hatte, war den Fassdaublern ein Stein vom Herzen gefallen.

Die Kinder begannen das Rennen ab der Mitte der Strecke. Die ersten beiden Mädchen, dick eingepackt in warme Wintersachen, purzelten mehr ins Ziel, als dass sie wirklich fuhren. «Die Hosenbodenbremse ist auch in diesem Jahr wieder ein beliebtes Mittel», hallt die Stimme des Speakers den Hang hinauf. Die zahlreichen Zuschauer lachen, als die Kinder ins Ziel rollen.

Früher waren Fassdauben für die Bauern der höher gelegenen Höfe eine Notwendigkeit. Im Winter, wenn viel Schnee lag, schnallten sich die Landwirte die Bretter an die Füsse, um im Dorf das Nötigste einzukaufen. Der Rückweg erfolgte dann mühsam, mit den Fassdauben auf dem ­Rücken und den Schneeschuhen an den Füssen. Auch Jahrzehnte später am Rossböhlwald ist der Weg zum Start beschwerlich. Auf den Luxus eines Skilifts hatten einige der Teilnehmer vergeblich gehofft. Die rund 300 Meter lange Strecke musste erst hin­auf­gekraxelt werden, bevor sie mehr oder weniger galant befahren werden konnte.

Auf ihrer Fahrt boten viele Teilnehmer spektakuläre Showein­lagen. Eine Dame überquerte die Strasse bäuchlings, ein Herr legte ein Stück der Strecke nur auf einem Bein fahrend zurück, ein anderer wurde von seinem Vierbeiner begleitet – alles zur Erheiterung des Publikums.

«Aus Liebezur Nostalgie»

Klubpräsident Mitchell beobachtete das Spektakel von unten, mit gutem Blick auf den Zielhang. Er klopfte den Fahrern den Schnee von den Schultern und half beim Abschnallen der Bretter. «Fassdauben sind nicht nur für die, die fahren, lustig», erklärt er. 1980 war es unter anderen Mitchell, der mit anderen Sternenbergern den Fassdaubenclub Schindlet gründete, «aus Liebe zur Nostalgie». Auch einige Teilnehmer meinten es mit der Nost­algie ernst. Peter Levi aus Winterthur meisterte die Piste komplett im Retrolook – mit Kniestrümpfen, ausgebeulten Hosen und einem Béret auf dem Kopf. Er hatte sich auf das Drängen seiner Tochter hin zum Rennen angemeldet: «Da ich Hickery-Golf spiele, schlägt mein altmodisches Herz hoch.» Auch wenn er mehr schlecht als recht den Berg hinunterkam, sei es ihm der Spass wert gewesen.

Am Schluss standen die alten Hasen auf dem Podest. Der Schnellste war Peter Blöchlinger vom Fassdaubenclub Schattenhang mit einer Zeit von 32,37 ­Sekunden. Bei den Damen tat es ihm Namensvetterin und Klubkollegin Nadja Blöchlinger mit 42,06 Sekunden gleich. Bei den Kindern ging der erste Platz mit 17 Sekunden klar an Luca Halbheer vom Fassdaubenclub PooAlp, der vor seiner Schwester siegte. ()

Erstellt: 08.01.2017, 19:44 Uhr

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