Wald

Besitzer befürchten schlechteren Service

Das geplante Reviergebiet zwischen Wiesendangen, Rickenbach, Elsau und dem Staatswald Hegi-Töss löst bei den Waldbesitzern Stirnrunzeln aus. Sie befürchten, dass durch das grössere Revier der Service des Försters schlechter wird.

Die Besitzer müssen die Wälder bewirtschaften. Aber jeden Holzschlag muss der Förster zuvor anzeichnen.

Die Besitzer müssen die Wälder bewirtschaften. Aber jeden Holzschlag muss der Förster zuvor anzeichnen. Bild: Archiv / hd

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Nach einer halben Stunde Information am Mittwochabend wirkten einige der über 50 anwesenden Waldbesitzer im Schulhaus Hofacker in Sulz verärgert: «Ich bezweifle, dass damit der gleiche Service beibehalten werden kann», «Das Revier ist zu gross» oder «Wir haben keine Alternative, das ist wie in einer Diktatur», waren einige der Wortmeldungen. Was war geschehen?

Neuorganisation der Wälder

Die Wälder von Rickenbach und Wiesendangen sollen dem Staatswald Hegi-Töss angeschlossen werden. Die Elsauer Wälder sind dies bereits seit 40 Jahren. Das gesamte Waldgebiet hätte eine Fläche von 950 Hektaren. Davon wären 180 Hektaren in Besitz der Gemeinden.

Andreas Greuter, Forstwirtschaftsvorsteher von Rickenbach und Vorstandsmitglied des aktuellen Forst-Zweckverbandes Ribewi, erklärte, dass dieser mit zwei Gemeinden (Rickenbach und Wiesendangen) wenig Sinn mache: «Der Förster hat keinen Betrieb und auch keine offizielle Stellvertretung.»

Der Wiesendanger Landwirtschaftsvorsteher und Ribewi-Präsident Erwin Bräm wies auf die Gefahren hin, die der aktuelle Ein-Mann-Betrieb birgt: «Falls im Wald ein Unfall passierte, sind wir uns sicher, dass wir es erst spät merken würden.»

Mit dem neuen Revier soll auch mehr Transparenz bei den Finanzen möglich sein. Aktuell wird der Aufwand des Zweckverbands nach Waldflächen und Einwohnerzahlen auf die Gemeinden verteilt. Neu sollen die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben des Försters wie Aufsicht, Anzeichnung von Holzschlägen, Beratung und Unterstützung bei staatlichen Massnahmen separat zu den zusätzlichen Leistungen verrechnet werden. Zu diesen gehört etwa die Lehrlingsausbildung, der Holz- und Christbaumverkauf oder Aufträge für Dritte. Mit weniger Ausgaben rechnen die Gemeinden nicht. Die Bewirtschaftung der Wälder ist Aufgabe der Besitzer.

«Obere Grenze»

Erwin Schmid, Leiter Staatswald und Ausbildung, bezeichnete die Reviergrösse von 950 Hektaren als «optimal für einen Mann». Zwar betrage die durchschnitt­liche Fläche pro Förster im Kanton 700 Hektaren, allerdings «hängt es davon ab, was man nebenbei noch machen muss». Der aktuelle Staatsförster Ruedi Weilenmann, der im Sommer pensioniert werden soll, habe etwa noch in der Ausbildung mitgewirkt. Zurzeit wird sein Nachfolger gesucht. Ausserdem kann der Staatswald laut Schmid Unterstützung, etwa im administrativen Bereich, anbieten. Der krankheitsbedingt abwesende Elsauer Gemeinderat Michael Leutenegger liess verlauten, dass die Zusammenarbeit mit dem Staatswald bisher «unkompliziert, lösungsorientiert und gut» gewesen sei. Ribewi-Förster Ueli Graf sagte hingegen, dass die administrativen Tätigkeiten in den letzten 10 bis 15 Jahren «gewaltig angestiegen» seien. Angesichts des geplanten Reviers zeigte er sich skeptisch: «Die Zusammenarbeit wird sicher nicht einfacher.»

Die Grösse von 950 Hektaren löste auch im Publikum Stirnrunzeln aus. Ein Votant fragte, ob der gleiche Service wie unter Graf ­gewährleistet werden könne: «Er kam jeweils bei mir vorbei und informierte mich, dass eine Tanne umgefallen ist, bevor ich es überhaupt bemerkt hatte.» Christian Schärer, Förster von Elgg-Hagenbuch, sagte, dass die Reviergrösse aus seiner Sicht «an der obersten Grenze» liege, sagte aber auch: «So einen guten Service, wie euch Graf geliefert hat, werdet ihr auch nicht mehr haben, wenn der neue Förster 30 Jahre hier im Amt ist.»

Andere betonten deshalb, dass es wichtig sei, dass der neue Staatsförster aus der Region stamme und gut vernetzt sei. Schmid nahm das auf: «Wir werden dem zukünftigen Förster einen Umzug in die Region nahelegen.»

Keine wirklichen Alternativen

Bei aller Kritik konnte aber keine wirkliche Alternative eingebracht werden. Andere Varianten, etwa eine Zusammenlegung der Gebiete mit Altikon, Dinhard und Ellikon, kamen in den letzten Jahren nicht zustande, wie der ehemalige Ribewi-Präsident René Meili sagte. Ein eigener Forstbetrieb der Gemeinden käme laut einem Votanten «sauteuer».

Bei der Besetzung der Revierkommission, die Anträge an die Gemeinden stellen kann, forderten die Waldbesitzer Einsitz. Die Gemeinderäte Greuter und Bräm sind zwar auch Waldbesitzer, aber einige blickten weiter voraus: «Was ist, wenn drei Gemeinderäte ohne Fachwissen in der Kommission sitzen?» Schmid, der ebenfalls in der Kommission vertreten sein wird, war diesbezüglich offen: «Delegierte Waldbesitzer wären für mich kein Problem.»

Die Stimmbürger von Wiesendangen und Rickenbach entscheiden an den Gemeindeversammlungen im Juni über die Auflösung des Zweckverbandes und den neuen Reviervertrag mit Elsau und dem Staatswald. Dieser tritt aber erst in Kraft, wenn der aktuelle ­Ribewi-Förster Graf pensioniert wird. In welchem Jahr das sein wird, ist derzeit noch unklar.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.02.2017, 20:09 Uhr

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