Biber darf ungestört weiter nagen

Biberschäden im Gebiet Mädlesten haben die Gemeinde veranlasst, ihren dortigen Gemeindewald an den Kanton zu verkaufen. Nun können sich die Biber dort ungehindert entfalten.

Biber fällen Bäume, um an ihre Winternahrung – Zweige und Rinde – zu gelangen und bringen Dynamik in die Gewässerlandschaft.

Biber fällen Bäume, um an ihre Winternahrung – Zweige und Rinde – zu gelangen und bringen Dynamik in die Gewässerlandschaft. Bild: Florian Tuchschmid

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Zwischen Henggart und Hettlingen liegt das überkommunale Naturschutzgebiet Mädlestenried. Der Biber hat sich dort schon vor Jahren niedergelassen. Der Mädlestenweiher zeugt davon. Hier lebt eine ganze Familie der fleissigen Nagetiere, wie die Biberfachstelle des Kantons Zürich weiss.

Die Aktivitäten des Elternpaares und der Jungtiere bekommen die Waldbesitzer, zu denen auch die Gemeinde Hettlingen gehört, zu spüren: «Die Biber machen sich nicht nur ans Weichholz und an die Stauden, sie schälen und fällen dort seit zwei Jahren auch grosse Buchen», sagt Förster Florian Tuchschmid, der deshalb mit den Verantwortlichen das Gespräch gesucht hat.

Gemeindewald stark tangiert

Rund die Hälfte der Biberschäden im Mädlestengebiet betreffen den Gemeindewald. Bedroht sind aber auch die weiter nördlich gelegenen Forstgebiete. Wenn die Fachstelle den Biber schütze, dann solle sie ihm auch das Land zur Verfügung stellen, fand der Gemeinderat.

«Der ständige Aufwand, die Bäume zu schützen und die Schäden für eine marginale Entschädigung an den Kanton zu rapportieren, machte keinen Sinn mehr», erklärt Forstvorsteher Richard Weber. Der Gemeinderat verkaufte dem Kanton deshalb sein Waldstück für 67 000 Franken. Weitere Waldbesitzer um den Mädlestenweiher taten es ihm gleich.

Dem Verkauf waren Gespräche mit der für das Naturschutzgebiet zuständigen Fachstelle des Amts für Landschaft und Natur vorausgegangen. Man kam überein, dass es die beste Lösung wäre, wenn das Amt die betroffenen Waldflächen erwerbe.

«Der Biber, der aufgrund seines Schutzes nicht aus dem Gebiet entfernt werden darf, kann den Weiher und die angrenzenden Uferbereiche nun ungestört gemäss seiner natürlichen Bestimmung gestalten», zeigt man sich bei der Fachstelle zufrieden. (Landbote)

(Erstellt: 22.02.2016, 15:11 Uhr)

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Vom Speisezettel des Bibers und wie man Bäume vor ihm schützen kann

Am liebsten mögen Biber Weichhölzer, wie Weiden und Pappeln», sagt Laura Walther von der Biberfachstelle Kanton Zürich. «Aber auch andere Baumarten, wie etwa Buchen können auf ihrem Speisezettel stehen.» Da die Nahrungsvorlieben erlernt werden, gebe es lokale Unterschiede.

Bäume kann man vor Bibern durch relativ einfache Massnahmen schützen. Zum Beispiel durch Drahtgitter oder Wöbra – einer weissen Paste, die auf den Baumstamm aufgetragen wird. Diese Präventionsmassnahmen können vom Wildschadenfonds durch die Jagd- und Fischereiverwaltung entschädigt werden, wie Walther sagt.

Die Schäden, welche Biber an forstwirtschaftlichen Kulturen anrichten, werden geschätzt. Die Waldeigentümer beim Naturschutzgebiet Mädlesten konnten dafür eine Entschädigung geltend machen oder den Wald an die Fachstelle Naturschutz verkaufen, da ein Teilstück des Waldes bereits der Waldschutzzone zugeordnet ist.

Im Gebiet rund um den Mädlestenweiher wurden Bäume nach Ansicht der Fachstelle nicht nur aus Nahrungsgründen gefällt, «sondern auch, um mehr Licht auf den Waldboden zu bringen und damit Pflanzenarten zu fördern, welche die Biber als Nahrung bevorzugen».

Biber werden zum ersten Mal im Mädlestenweiher im Monitoringbericht von 2010/2011 erwähnt. Sie haben das Gebiet vermutlich über den Landweg über eine Strecke von 250 Metern besiedelt, sagt Walther. Wie viele Jungtiere sich heute am Mädlestenweiher aufhalten, kann die kantonale Biberfachstelle nicht sagen.

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