Dem Winter die kalte Schulter gezeigt

Einen Kultfilm ab Grossleinwand geniessen und sich dabei in der Badewanne rekeln, noch dazu unter freiem Himmel – das gibts nur im Schöntalkino in Rikon.

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Einladender könnte die Stimmung nicht sein: Ein Lagerfeuer, bunte Glühbirnen und unzählige Kerzen erhellen die Dunkelheit, und aus dem Küchenzelt strömen verlockende Düfte. Die ersten Gäste treffen auch schon ein auf dem von Zirkuswagen gesäumten Gelände im Schöntal bei Rikon – da, wo der Circolino Pipistrello jeweils im Winter Quartier bezieht und dem Verein Schöntalkino Gastrecht gewährt für die Durchführung seiner Open-Air-Kinoabende.

Die sommers wie winters bei jedem Wetter durchgeführten Anlässe geniessen mittlerweile Kultstatus. Verantwortlich dafür ist nebst dem Ambiente die Filmauswahl. Über die Leinwand flimmern herausragende Filme jüngeren und älteren Datums, wobei im Winter jeweils ein Klassiker der Schweizer Filmgeschichte zum Zuge kommt. An diesem Abend steht «Hinter den sieben Gleisen» von Kurt Früh auf dem Programm. Der Film aus dem Jahr 1959 porträtiert drei Stadtstreicher, gespielt von Max Haufler, Ruedi Walter und Zarli Carigiet, die sich rührend um ein Dienstmädchen aus Deutschland kümmern, das ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hat.

Allen Filmen gemeinsam ist die analoge Projektion. «Nur wenn es knistert und knackt, ist der Kinogenuss perfekt», sagt Manuel Lindt, Vorstandsmitglied und Betreiber eines Wanderkinos. Diese mobilen Lichtspieltheater waren in der Schweiz bis in die 1960er-Jahre unterwegs, um die Landbevölkerung zu unterhalten. Und diese Tradition möchte der gebürtige Tösstaler aufrechterhalten. Die Open-Air-Kinotradition im Schöntal geht auf eine Initiative des Pipistrello zurück. Der Start erfolgte vor 13 Jahren in kleinem Rahmen. Seither zog der Anlass von Jahr zu Jahr mehr Leute an – und findet seit der Vereinsgründung im Jahr 2009 nicht mehr nur im Sommer, sondern auch jeden Winter statt. Die Idee, diesem die kalte Schulter zu zeigen, kommt bei den Besuchern gut an. «Im Winter kommen sogar mehr als im Sommer», sagt Lindt.

Badewanne und Decken

Wer rechtzeitig da ist, ergattert eine eingeheizte Badewanne. Aber auch die übrigen Gäste müssen nicht frieren: Sie erhalten Wolldecken, Bettflaschen und Kirschsteinsäckchen. Von innen wärmen Glühwein und Glühmost sowie der währschafte Znacht, bei dem – zum Film passend – Bananen und Cervelats die Protagonisten sind. Mit diesem cineastisch-kulinarischen Gesamterlebnis gelingt es der siebten Ausgabe des Winterkinos spielend, weit über hundert Besucher zu verzaubern. (Der Landbote)

(Erstellt: 10.01.2016, 17:50 Uhr)

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