Naturpark

Der Naturpark stösst auf Skepsis

An einem Podium in Hinwil hatten die Befürworter eines Naturparks im Zürcher Berggebiet einen schweren Stand. Das Publikum zeigte sich kritisch und die Gegner waren informiert.

Michael Dubach (links), Regionalmanager bei Pro Zürcher Berggebiet (PZB), sieht einen Naturpark über die 13 Verbandsgemeinden als Chance. Ebenso  Ernst Kocher, PZB-Präsident (rechts). Als geübte Gegner diskutierten Ruedi Lieberherr (2. v. l.) und Pascal Huser (3. v. l.), Ruth Frei (2. v. r .) moderierte.

Michael Dubach (links), Regionalmanager bei Pro Zürcher Berggebiet (PZB), sieht einen Naturpark über die 13 Verbandsgemeinden als Chance. Ebenso Ernst Kocher, PZB-Präsident (rechts). Als geübte Gegner diskutierten Ruedi Lieberherr (2. v. l.) und Pascal Huser (3. v. l.), Ruth Frei (2. v. r .) moderierte. Bild: Marc Dahinden

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Fördert ein regionaler Naturpark den Standort Zürcher Oberland oder versteckt sich dahinter ein halbheimliches Naturschutzprojekt? Am Donnerstagabend diskutierten in Hinwil Befürworter der Parkidee: Ernst Kocher, Präsident Pro Zürcher Berggebiet (PZB) und Michael Dubach, Regionalmanager PZB. Mit Gegnern, die im Neckertal SG schon einmal gegen einen Naturpark gekämpft und 2014 gewonnen haben: Pascal Huser und Ruedi Lieberherr.

Eingeladen hatte die Interessensgemeinschaft Bachtelschutz-Perimenter, die das Podium anschliessend an ihre Generalversammlung durchführte. Vor rund 40 Zuschauern durfte jede Seite zu Beginn ihre Argumente präsentieren. «Der Begriff Naturpark ist irreführend. Es geht um Standortförderung», sagte Dubach. Man wolle die Region sichtbarer machen. Mit dem Projekt erschliesse man sich nationale Plattformen wie Schweiz Tourismus. Allfällige Aufwertungsmassnahmen würden eigenständig und freiwillig beschlossen, betonte er. «Wer nicht mitmacht, dem nützt es nichts, es schadet aber auch nicht.»

Das Label bringt Auflagen

Von eigenständig und freiwillig wollte Pascal Huser nichts wissen: «Ein Naturpark bedeutet neue Vorschriften und Regulierungen. Ihr werdet ein Stück weit entmachtet.» So sehe die Pärkeverordnung etwa Forschung vor, man öffne Naturwissenschaftlern die Türen, argumentierte Huser. Er zitierte auch die Biodiversitäts-Strategie des Bundesrats, die bis 2020 17 Prozent Naturschutzfläche in der Schweiz vorsieht. «Bis jetzt haben sie noch nicht alle Flächen zusammen.»

«Auch wir führen teilweise harte Diskussionen mit Ämtern. So haben wir erwirkt, dass das Dossier kantonal unter Landwirtschaft und nicht unter Naturschutz behandelt wird.»

SVP-Kantonsrätin und IG-Präsidentin Ruth Frei hatte die Moderation inne und richtete die erste Frage an die Contra-Seite: «Sie haben jetzt viel aus Sicht der Landwirtschaft argumentiert, wo stand das Gewerbe bei der Abstimmung im Neckertal?» Lieberherr antwortete, dass bei einem Produkt, das unter dem neuen Label verkauft werden soll, alle Inhaltsstoffe aus dem Naturpark stammen müssen. «Bis hin zu den Futtermitteln für die Tiere. Diese Einschränkungen hat auch das Gewerbe gesehen.» Kocher konterte, dass diese Rahmenbedingungen nur für diejenigen gelten würden, die das Label Naturpark nutzen wollen.

Auf Nachfrage aus dem Publikum spezifierte Dubach: Produkte aus einem Inhaltsstoff wie etwa Käse müssten zu 100 Prozent im Park hergestellt werden. Bei zusammengesetzten Produkten seien es 80 Prozent. «So hat man bei Wurstwaren beispielsweise etwas Jongliermasse.»

Risiko Naturschutz

Die Befürworter hatten an diesem Abend keinen leichten Stand. Nicht nur, weil das Publikum mehrheitlich aus Naturschutz-Kritikern zu bestehen schien, sondern auch, weil sich die Gegenseite mindestens so gut im Thema auskannte. Huser kannte etwa ein Negativbeispiel aus dem regionalen Naturpark Gantrisch. Die dortigen Landfrauen hätten jeweils in Bern Guetzli verkauft und vor der Gründung des Parks damit satte 4,5 Millionen Franken Umsatz gemacht. Als unter dem Label die Vorgaben und damit die Preise gestiegen seien, hätten viele Bäckerinnen aufgegeben und die Landfrauen zum Schluss nur noch 1,5 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet.

Mehrere Zuschauer brachten überdies ihre Skepsis gegenüber pro natura zum Ausdruck, die die Naturpark-Idee in der Schweiz ursprünglich lanciert hat. «Der Name Naturpark ist schon richtig, es geht um politischen Naturschutz», votierte jemand. Dubach hielt dagegen, ein regionaler Naturpark bringe keine gesetzlichen Auflagen. «Auch wir führen teilweise harte Diskussionen mit Ämtern. So haben wir erwirkt, dass das Dossier kantonal unter Landwirtschaft und nicht unter Naturschutz behandelt wird.»

Auch auf das Argument, dass man mit einer aufgeblasenen Parkadministration Subventionen beim Bund abholen wolle, hatte Dubach eine Antwort: «Ich hatte bestimmt schon zehn Anrufe von Ingenieuren, die Arbeit suchen. Ich sage allen immer: Das machen wir selbst.» PZB sei schlank organisiert und so wolle man das auch beibehalten.

«Nicht blauäugig»

«Ich bin froh um Rückmeldungen», sagte Kocher. Er zähle sich nicht per se zur Pro-Seite, aber als Organisation sei es ihre Aufgabe, solche Projekte zu prüfen. Man erhalte verschiedene Zeichen und der Tourismus etwa zeige sich sehr interessiert. Er sei nicht blauäugig, was Risiken für die Landwirtschaft betreffe.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.02.2017, 18:09 Uhr

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