Elgg

«Diese Tradition muss fortgeführt werden»

Am 1. Januar wurde Timo Barth als neuer Äschli-Hauptmann gewählt. In dieser Funktion organisiert er den grossen Tag und eignet sich auch Kompetenzen fürs Leben an.

Ist mit dem Äschli-Brauch von klein auf vertraut: Timo Barth, der frisch gekürte Hauptmann.

Ist mit dem Äschli-Brauch von klein auf vertraut: Timo Barth, der frisch gekürte Hauptmann. Bild: Johanna Bossart

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Gelassen sitzt er an diesem kühlen Wintermorgen im gemütlichen Wohnzimmersessel. Auf seinem Gesicht ein freundliches Lächeln. Der Blick in den Garten gerichtet, von wo man die verschneite Elgger Landschaft sieht. Timo Barth darf sich stolz als frischgebackener Äschli-Hauptmann betiteln. Trotz seiner ruhigen Art scheut sich der bald 15-Jährige nicht, vor Leuten zu reden, zu organisieren und mit anzupacken. Oft ist er auf dem Fussball- oder Tennisplatz unterwegs. Dazu spielt er bei der U16 im Elgger Faustballverein. Vom Äschli inspirieren lassen hat sich Timo nicht nur durch seine Passion fürs Trommeln. Auch sein älterer Bruder Mathis war schon früh Teil der Gesellschaft und übernahm vor zwei Jahren ebenfalls die Hauptmanns­funktion. «Mein Bruder hat mich sozusagen mitgezogen», erzählt Timo. Ausserdem war er in der Äschli-Gesellschaft schon in vielen Funktionen tätig – vom Tambour über den Übermittler bis zu seinem persönlichen Favoriten, dem Kanonier.

Als amtierender Hauptmann schliesst der Sekundarschüler nun eine Ära ab.Die Passion für den Elgger Brauch begann bei Timo schon früh. Kurz nach seiner Geburt in Winterthur zog er mit seiner Familie an die Bergstrasse nach Elgg. Durch seinen Bruder und Kollegen kam er schnell auf den Geschmack. Bereits als Kindergärtler war er fester Bestandteil der Kompanie. «Ich bin in Elgg mit dem Äschli aufgewachsen und finde, diese Tradition muss erhalten bleiben», so Timo. Doch dies sei nicht ganz einfach, da das Interesse der Kinder und Ju­gend­lichen nicht immer gleich gross sei. So stellte sich dieses Jahr neben Timo nur noch ein weiterer Knabe zur Wahl. «Es ist auch eine Frage der Bereitschaft und des Mutes, diese Position zu übernehmen.»

An Support mangelte es dem Elgger jedenfalls nicht: Eine Schar von Kollegen half ihm am 1. Januar, seinen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Schliesslich sind die meisten selbst in der Kompanie und freuten sich, einen neuen Hauptmann zu erhalten. Und auch seine Familie ist stolz, Timo in seiner Amtszeit zu unterstützen. «Zudem helfen die Leute aus dem Dorf, wodurch man merkt, wie bedeutungsvoll und verankert der Äschli bei den Einwohnern ist», erzählt Mutter Isabelle.

Ein förderndes Umfeld entlastet den Hauptmann enorm bei der Bewältigung all seiner Aufgaben. Für die im Vorfeld des Äschlis durchgeführten Übungen besorgen Anwohnern und Eltern die nötigen Materialien, Bewilligungen sowie Speis und Trank. «Von Mathis bin ich mir diese Verpflichtungen schon gewohnt», so Isabelle Barth. Dann wählt die Kompanie vorgängig eine der vielen Elgger Beizen als Hauptquartier. Wohnt der Hauptmann – wie Timo – nicht im Dorfkern, holt ihn die Kompanie am grossen Tag frühmorgens dort ab. Es beginnt ein langer Tag, an dem der Hauptmann die Kompanie auf mehreren Marschrunden durchs Dorf führt, über Mittag im Hauptquartier seine selbst verfasste Rede hält und schliesslich die Soldauszahlung an die Soldaten im Werkgebäude sicherstellt. Ist der Äsch­li vorbei, stehen ausser der Teilnahme an der Generalversammlung der Züri-Elgger keine Verpflichtungen mehr an.

Während seiner Amtszeit muss das Oberhaupt die Kompanie stets im Griff haben. Nicht nur Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen sind also gefragt. Ein guter Hauptmann muss auch Verantwortung übernehmen und vor vielen Leuten sprechen können. «Ein bisschen nervös bin ich jeweils schon», gibt Timo zu. Die Anerkennung mache aber das Lampenfieber wieder wett.

«Zudem könnten einem diese Kompetenzen fürs ganze Leben nützen», ist seine Mutter überzeugt. Vielleicht schon diesen Sommer, wenn Timo seine Ausbildung zum Hochbauzeichner beginnt. Gefallen findet er jedenfalls an einem schönen Neben­effekt, in dessen Genuss jeder Äschli-Hauptmann kommt: «An den vielen Geschenken, die man während seiner Amtszeit von allen Seiten erhält», schmunzelt er. Schon fast ein zweites Weihnachten also. (Der Landbote)

Erstellt: 08.01.2017, 17:12 Uhr

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