Weisslingen

«Einen Trainer kann ich mir nicht leisten»

Andrea Luca Ammann aus Weisslingen ist Vize-Europameister im Snowkiten geworden. Von einem Schneesportler, der auf Wiesen und Wasser trainiert und auf Glatteis landet.

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Herr Ammann, in diesem Jahr mussten Sie den Europameistertitel im Snowkiten einem Österreicher überlassen. Was hat er besser gemacht als Sie?
Andrea Luca Ammann: Ich bin eine Figur weniger gestanden als er. In der Kategorie Freestyle müssen wir sechs sogenannte Tricks, also Sprünge, zeigen. Die fünf Besten zählen. Zum Sieg haben mir nur ganz wenige Punkte gefehlt.

Was überwiegt nun, die Freude über den zweiten Rang oder die Enttäuschung, dass es diesmal nicht ganz geklappt hat?
Klar die Freude. Als Titelverteidiger kann man ja eigentlich nur verlieren. Trotzdem bin ich zufrieden. Das Resultat zeigt mir, dass die letztjährige Leistung keine Eintagsfliege war.

Die Bedingungen auf dem Reschensee im Südtirol waren für die rund 60 Fahrer verschiedener Disziplinen alles andere als ideal. Welche Schwierigkeiten haben Sie angetroffen?
Die Schneeschicht war mit dem darunter liegenden Eis nicht fest verbunden. Beim Abspringen hatte ich darum fast keinen Halt, weil ich mit dem Board einfach den Schnee wegschob und dann auf blankem Eis stand. Bei einigen der schwierigen Tricks war es mir deshalb nicht immer wohl.

Am Snowkite Open 2016 holte Andrea Amman den Titel.

Ihre Tricks haben Namen, worunter sich Laien nichts vorstellen können, wie etwa Back Mobe oder Slim Chance. Können Sie einen erklären?
Der Back Mobe ist mein Lieblingstrick. Er hat mir letztes Jahr zum Sieg verholfen. Er ist eine Kombination aus einer ganzen Drehung über die vertikale Achse sowie einer Über-Kopf-Rotation. Dabei muss man immer auch die Lenkstange, mit der man den Drachen oder den Kite hält, hinter dem Rücken übergeben. Die Figur sieht unspektakulär aus, ist aber sehr schwierig.

«Ich habe auf einer Wiese in Weisslingen trainiert.»Andrea Luca Ammann, Kitesurfer

Haben Sie einen Trainer, der Ihnen einen Plan vorgibt?
Ein Trainer wäre schön, kann ich mir aber nicht leisten. Es gibt auch keinen Verband, der Trainings für den Nachwuchs anbietet. Ich bin also auf mich alleine gestellt. Ich schaue mir zahlreiche Videos an und versuche, die Tricks nachzumachen. Dabei hilft es mir, diese mental durchzugehen, ich stelle mir den genauen Ablauf vor. Im Sommer trainiere ich auf Wasser und einem Board, das aussieht wie ein Wakeboard.

Und wie haben Sie sich auf die EM vorbereitet?
Die Vorbereitung war alles andere als optimal. Es gab ja lange keinen Schnee, dann wollte ich an einem Wettkampf in Frankreich teilnehmen, doch auch dort blieben die Wiesen grün. Ich habe daher auf einer Wiese in der Nähe meines Wohnortes in Weisslingen trainiert und dazu noch zwei Tage in der Region Chur.

Andrea Ammann braucht kein Wasser zum Kiten.

Sie gehören mit Ihren 19 Jahren zu den besten Kitesurfern der Schweiz und wollen dereinst eine Profikarriere einschlagen. Wie nahe sind Sie diesem Ziel schon gekommen?
Ich kann noch nicht vom Sport leben. Derzeit finanziere ich ihn über Sponsoren, das Sportamt Zürich, das mich unterstützt, meine Eltern und Videos sowie Fotos, die ich auf sehr hohem Niveau selbst produziere.

Was sind Ihre nächsten Pläne?
Ende März möchte ich in Norwegen an einem Snow-Kite-Rennen teilnehmen. Das ist ein Langstreckenrennen, bei dem man bis zu 100 Kilometer weit fährt. Und in einem Jahr visiere ich Kapstadt an. Dann findet der grösste Kite-Event der Welt für eingeladene Kitesurfer statt. Dort sind nur die Besten anzutreffen. Man kann sich über einen Video-Wettbewerb qualifizieren und eine Einladung erhalten. Im Video muss man beweisen, dass man mit den Tricks der Top-Fahrer mithalten kann. (Landbote)

Erstellt: 13.02.2017, 17:48 Uhr

Andrea Luca Ammann, Kitesurfer. (Bild: zvg)

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