Seuzach

Halb Kirgise, halb Schweizer und sauber unterwegs

Jeden Tag radelt Peter Huonker von Seuzach in die Grüze. Dort sucht der Mikrobiologe nach Keimen, um sie zu tilgen. In seiner Freizeit reist er öfter nach Kirgistan. Das hat familiäre Gründe.

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Paka und Tschüss. So russisch und deutsch tönt es bei Huonkers morgens zur Verabschiedung. Wenn der 36-Jährige dann aufs Velo steigt und ins Winterthurer Industriequartier Grüze fährt, dann radelt er in eine komplett andere Welt. Sie muss keimfrei sein. Denn Huonker ist Biologe, genauer gesagt Mikrobiologe, bei der Firma Zimmer Biomet, dem zweitgrössten Implantathersteller der Welt.

In der Grüze angekommen, wird Huonker zum «Microbiology Services Manager», dessen Fachgebiet die mikrobiologische Überwachung ist. Mit seinem Team überwacht er die Reinigung der Implantate sowie die Reinräume, in denen sie verpackt werden, und begleitet den Sterilisationsprozess. Auf Oberflächen, in der Luft oder in Wassersystemen wird nach Keimen gesucht. Dabei hilft ihm eine relativ neue Technologie, das Massenspektrometer, zur Bestimmung von Keimen, das er dort implementiert hat.

Er spricht Russisch. Das kommt von seinen vielen Reisen nach Kirgistan oder Kirgisien, wo das Russisch Amtssprache ist. Dieses Land im Herzen von Asien spielt in Huonkers Leben eine wichtige Rolle. Es ist die Heimat seiner Mutter ­­– und ebenso die seiner Frau. Wenn der Wahlseuzacher in seiner Freizeit Verwandte besucht, dann macht er sich auf in das wunderschöne Land in Zentralasien, das von Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und China umgeben ist und 1991 im Zuge der Auflösung der Sowjetunion seine Unabhängigkeit erlangt hat.

Für Peter Huonker, der privat Co-Instruktor für Taekwondo ist und mit seiner kleinen Reiseagentur Tripxglobe auch möglichst klimaneutrale Rundreisen in Kirgistan anbietet, sind Besuche in Kirgisien etwas Normales. Ist er dort, trifft er alte Freunde und Bekannte wieder.

Bei so einer Zusammenkunft lernte er vor rund zwölf Jahren eine junge Frau kennen. «Bei unserem ersten Treffen war ich schon sehr entzückt», erinnert er sich. Damals ahnte er nicht, dass Aijamal Huonker eines Tages die Frau an seiner Seite werden und mit ihm in der Schweiz eine Familie gründen würde.

Als die junge Kirgisin dann aber – «rein zufällig», wie er sagt – für ein Austauschjahr nach Süddeutschland und damit in seine Nähe kam, besuchte er sie als damals 24-Jähriger öfter. «Sie war froh, jemanden zu haben, mit dem sie sich in ihrer Sprache, auf Russisch, unterhalten konnte.»

Es dauerte nicht lange, bis die beiden zueinanderfanden. «Sie ist ein Sprachtalent und hat innert kürzester Zeit perfekt Deutsch gelernt», erzählt Peter Huonker lachend, während das Handy klingelt. Er nimmt ab und verständigt sich dabei mit seiner Frau, die Slawistik, Hindi und Politikwissenschaften studiert hat, auf Russisch. «Das tun wir immer, wir reden nie Deutsch miteinander», sagt Huonker, der zudem Französisch, Englisch und Spanisch spricht.

Aufgewachsen ist er in Regensdorf, wo er bis zu seinem beruflich bedingten Umzug nach Winterthur lebte. Nach Seuzach ist er mit seiner Frau vor etwa drei ­Jahren gezogen. Genauso alt ist der gemeinsame Sohn Eric. Der Dreijährige wächst zweisprachig auf. «Meine Frau spricht mit ihm nur Russisch und ich konsequent Züritüütsch», sagt der Mikrobiologe, der Seuzach wegen seiner guten ÖV-Erschliessung, seiner Nähe zu Winterthur und wegen an­genehmer Preislage schätzt.

Berge und Landschaften haben es Huonker, der auch ein begeisterter Filmer ist, angetan. Seiner zweiten Heimat hat er in seinem knapp vierminütigen Dokumentarfilm «Kyrgyzstan amazing landscape» ein Denkmal gesetzt. Er wurde auf Youtube schon 5500-mal aufgerufen.

Wie Peter Huonker von Kirgistan schwärmt, ist seine Frau von der Schweiz angetan. «Doch sie vermisst ihre Familie.» Das kennt er noch von seiner Mutter. «Mein Vater und sie lernten sich während der Sowjetzeit in Russland kennen, wohin mein Vater aus Interesse an der osteuropäischen Geschichte gereist war. 1979 kamen die beiden dann in die Schweiz. Und ein Jahr später sei er geboren worden.

Eigentlich wollte er Medizin studieren, dann wurde Biologie daraus. «Das Medizinstudium wäre neben den Freizeitaktivitäten zu zeitintensiv geworden.» So entschied er sich für ein Humanbiologiestudium. «Denn alles, was mit künstlicher Intelligenz zusammenhängt, hat mich schon immer fasziniert.» Nach dem Studium hatte er wenig Ahnung von Mikrobiologie. Doch experimentierfreudig, wie er ist, trat Huonker 2008 die Stelle bei Zimmer an. «Das habe ich bis heute keine Sekunde bereut.»

Und wo sieht er sich in zehn Jahren? Ob das jetzt ein Vorstellungsgespräch sei, fragt Huonker lachend zurück. «Ich sehe mich politisch involviert.» Stimmt. Er ist ja auch Mitglied des Regionalvorstandes der Gewerkschaft Unia. «Politisches Engagement liegt bei uns in der Familie.» (Der Landbote)

Erstellt: 19.03.2017, 19:02 Uhr

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