Elsau

«In den Ferien widme ich mich Olympia»

Der Elsauer Schulpräsident Roman Arnold ist als Technischer Delegierter an den olympischen Winterspielen 2018 für die Sicherheit in drei Ski- und Snowboarddisziplinen verantwortlich. Ohne sein Go fährt in Südkorea niemand los.

2018 überwacht Roman Arnold Ski- und Snowboardwettkämpfe an den olympischen Spielen in Südkorea.

2018 überwacht Roman Arnold Ski- und Snowboardwettkämpfe an den olympischen Spielen in Südkorea. Bild: Heinz Diener

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Herr Arnold, Sie wurden zum Technischen Delegierten für die Olympischen Winterspiele 2018 ernannt. Was ist Ihre Aufgabe?
Roman Arnold: Ein sogenannter TD muss sicherstellen, dass bei den Wettbewerben alles regelkonform ist. Er ist in seinen Disziplinen für die Sicherheit verantwortlich, ohne sein Go darf nicht gestartet werden. Ich bin für die drei Disziplinen Halfpipe, Slopestyle und Big Air zuständig.

Was machen Sie genau vor Ort?
Vor dem Wettkampf laufe oder fahre ich die Strecke ab und bestimme, wo Schutzelemente hinkommen. Bäume oder Schneekanonen, die zu nahe stehen, müssen beispielsweise mit Matten und Netzen abgedeckt werden. Ich muss auch überprüfen, ob die Landung nach Sprüngen steil und lang genug ist. Das kann sonst gefährlich werden. Daneben unterstütze ich den Renndirektor in organisatorischen und administrativen Belangen.

Kennen Sie sich in diesen Ski- und Snowboard-Disziplinen so gut aus oder wie überprüfen Sie die Vorgaben?
Das Reglement ist riesig. Vor Ort habe ich es immer dabei. Wichtiges weiss ich mittlerweile auswendig, aber bei Ausnahmen muss ich nachschauen können.

«Wenn ich die Sicherheit nicht verantworten kann, muss ein Event im schlimmsten Fall abgesagt werden.»Roman Arnold

Wie sieht das Worst Case Scenario für einen TD aus?
Wenn ich die Sicherheit nicht verantworten kann, muss ein Event im schlimmsten Fall abgesagt werden. Passiert ein Unfall, könnte man theoretisch Regress auf das Organisationskomitee und den TD nehmen. Wenn alles gut läuft, merkt man es nicht so, aber es lastet schon eine Verantwortung auf einem.

Wo sind Sie beim Startpfiff?
Der TD ist meistens beim Start, der Renndirektor im Ziel. Ein bis zwei Assistenten unterstützen uns. Im Start bin ich schnell zur Stelle, um Proteste abzuhandeln oder jemanden allenfalls zu sanktionieren oder zu disqualifizieren.

Wie sind Sie zum TD für die Spiele in Südkorea geworden?
Der Kongress des Internationalen Ski-Verbands (FIS) hat mich ausgewählt. Die TD werden von den Verbänden ihrer Länder vorgeschlagen und stammen bei internationalen Anlässen immer aus dem Ausland, damit sie möglichst neutral und unbeeinflussbar sind. Natürlich möchte jedes Land gerne den TD stellen. In der Schweiz gibt es zehn TD mit einer A-Lizenz, ein bis zwei schlagen sie jeweils vor. Wie genau die Auswahl getroffen wird, weiss ich nicht. Es spielen sicher auch sportpolitische Aspekte eine Rolle.

«Bis zum Technischen Delegierten an Olympischen Spielen muss man sich schon hocharbeiten.» Roman Arnold

Wie sieht eine TD-Karriere aus?
Ich mache diese Arbeit nun seit 18 Jahren. Bis zu den Olympischen Spielen muss man sich schon hocharbeiten. Meine Ausbildung habe ich bem Schweizerischen Ski-Verband gemacht. Danach ist man zuerst TD auf nationaler Ebene, später dann bei Europacups und irgendwann ist man auf dem Niveau Weltcup. Das dauert aber relativ lange, sicher fünf bis sechs Jahre. Wenn man gute Einsätze leistet, kann man so in die Auswahl für Olympische Spiele kommen. Ich war bereits einmal bei Olympischen Jugendspielen.

Wie viel Arbeit kommt auf einen TD bei Olympischen Spielen zu?
Ausgewählt wird man drei Jahre zuvor. Zur Vorbereitung auf die Spiele habe ich in den letzten Jahren versucht, in jeder Disziplin einen Event auf Weltcup-Niveau zu machen. Unter anderem damit ich die Sportler und Trainer kennenlerne. Es wird schon etwas mehr Einsatz erwartet, ich bin pro Jahr an drei bis vier Anlässen dabei. Für die Spiele selbst rechne ich etwa vier Wochen ein. Die Meinung ist auch, dass man vorgängig alle Test-Events für die Spiele durchführt. Nächste Woche bin ich deshalb in Bokwang für den Halfpipe-Test. Der Schweizer Snowboarder und Olympiasieger Iouri Podlatchikov wird dort im nächsten Jahr seinen Titel verteidigen.

«Es ist ein Verlustgeschäft. Ich erhalte 100 Franken pauschal pro Tag.»Roman Arnold

Weshalb braucht es diese Test-Events?
Man kann sie als eine Art Hauptprobe betrachten. Gerade in Südkorea ist punkto Olympische Spiele alles neu, das lokale Organisationskomitee hat noch nie einen solchen Grossevent durchgeführt. Da sind Leute dabei, die teilweise noch nie mit Ski- oder Snowboardwettkämpfen zu tun hatten. Die Zusammenarbeit vor Ort und mit dem FIS muss sich deshalb noch einspielen. In anderen Ländern wie Frankreich oder Deutschland wäre das nicht ganz so wichtig.

Sie arbeiten als Leiter Schulentwicklung bei der Stadt Winterthur und sind daneben Primarschulpräsident in Elsau, geht das zeitlich alles aneinander vorbei?
Meine Arbeit ist zum Glück relativ flexibel. Für die Events setze ich Überzeit und Ferien ein. Der Test in Bokwang fällt grösstenteils in die Sportferien.

Ist TD ein lukrativer Nebenjob?
Nein, definitiv nicht. Entschädigt wird die Arbeit pauschal mit 100 Franken pro Tag. Für jemanden aus der Schweiz ist das ein Verlustgeschäft. Für Personen aus dem Ostblock wiederum kann das viel Geld sein. Man merkt, dass dort in den letzten Jahren viel Nachwuchs nachgerückt ist.

Viel Aufwand, wenig Geld, was ist der Reiz?
Es ist reine Freude an der Sache, ganz klar. Als Walliser hatte ich schon immer einen starken Bezug zum Wintersport. Als TD kommen noch das Reisen und die interkulturellen Erfahrungen dazu. Und jetzt sehe ich sogar hinter die Kulissen von Olympischen Spielen. Dafür lohnt es sich.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.02.2017, 11:46 Uhr

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