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Klassikkino im Winterwunderland

Wer am Samstag froh darüber war, daheim im ­Warmen zu sitzen, hat etwas verpasst: das Schöntalkino in der heissen Badewanne, unter freiem Himmel.

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Bunte Lichterketten, flackernde Lagerfeuer, liebevoll-heimelige Getränkestände und dampfende Badewannen – ein Winterwunderland. Es hat sich schon gelohnt, sich durch den Schnee auf das Gelände des Zirkus Pipistrello zu kämpfen. So wie man den Spielwerkplatz betritt, auf dem das Januar-Schöntalkino nun schon zum achten Mal stattfindet, stellt man in den Modus Gemütlichkeit. Ein grosses Hallo für die, die sich bereits kennen. Doch auch die Gäste, die das Angebot gerade zum ersten Mal entdecken und sich staunend umschauen, werden herzlich empfangen und freundlich aufgenommen.Die Organisatoren des Kinoabends, die etwa zehn Mitglieder des Vereins Schöntalkino und ­ihre vielen freiwilligen Helfer, freuen sich über den Schnee. «Der ist bisher nicht jeden Winter gefallen», meint Manuel Lindt, Vorstandsmitglied, seit jeher Projektionsleiter des Anlasses und zudem Betreiber des Wanderkinos. Während im Winter jeweils nur ein Film – ein Schweizer Klassiker – analog gezeigt wird, gibt es noch eine Sommerausgabe des Schöntalkinos mit drei Filmen. Immer auf dem jeweiligen Quartierplatz des Zirkus, der die Idee vor 13 Jahren vorbrachte. Als dann 2009 der Verein Schöntalkino gegründet wurde, wollte man das Open-Air-Kino von da an auch im Winter anbieten – eine originelle und bislang einzigartige Idee. «Im Sommer ist der Anlass zwar grösser, doch trotzdem ist im Winter mehr los. Oft haben wir zwischen 80 und 100 Besucher», erklärt Claudine da Silva vom Verein.

Wetterfeste Frauen

Wer also annahm, dass nur eine kleine Gruppe tapferer Kino­begeisterter bei frostigen Temperaturen durch die winterliche Landschaft Richtung Schöntal­kino gestapft war, liegt falsch. Nach und nach finden sich immer mehr Besucher auf dem Spielwerkplatz ein, um bei heisser Bowle und Tee, bei Käseschnitten und Sauerkrautsuppe, im Stuhl, auf der kleinen Tribüne oder in der Wanne, den Dürrenmatt-Klassiker «Es geschah am helllichten Tag» zu geniessen. Bis sich kurz nach 19 Uhr eine bunt zusammengewürfelte Schar aus Jung und Alt auf den Sitzplätzen einfindet, die dann auch recht schnell alle belegt sind. In Wolldecken eingekuschelt, mit zuvor verteilten Kirschsteinkissen und Bettflaschen auf dem Schoss, trotzt man der Kälte und wartet gespannt auf das schwarzweisse Geschehen mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe auf der Leinwand.

Als es heisst, man fange nicht vorher mit dem Film an, bis nicht auch der letzte Badewannenplatz vergeben sei, springt sofort noch eine Mutige auf, um sich in ihre Badesachen und danach in die mit warmem Wasser befüllte und mit Gas beheizte Wanne zu werfen. Leicht enttäuscht kommt sie nach einigen Minuten zurück und verkündet, es seien nun schon alle Plätze belegt. Tatsächlich sieht man kurz darauf drei weitere Frauen (der erste Mann traut sich erst in der zweiten Filmhälfte ins Wasser!) in die heissen Gefässe steigen – erst noch zögerlich, doch einmal liegend, wächst die Begeisterung. «Ich finde es absolut super, von hier aus den Film zu sehen. Obwohl die Wannen heiss begehrt waren, habe ich mir eine ergattern können», sagt die Regensdorferin Andrea. Lieber auf dem Trockenplatz sitzt derweil Simon aus Basel, der scherzhaft meint, da gebürtiger Chilene, dafür extra aus Chile angeflogen zu sein. Verwundert hätte das wohl kaum jemanden. (Der Landbote)

Erstellt: 08.01.2017, 18:20 Uhr

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