Pfungen

Mit Installationen den Raum neu gestalten

Kunst aus Maler-Abdeckfolie zu gestalten, ist ein extravaganter Ansatz. Dabei hat die Pfungemerin Barbara Stirnimann eine ambivalente Beziehung zum gewählten Material.

Barbara Stirnimanns Kunst kann man aus ganz verschiedenen Perspektiven geniessen.

Barbara Stirnimanns Kunst kann man aus ganz verschiedenen Perspektiven geniessen. Bild: Johanna Bossart

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Mitten im Atelier von Barbara Stirnimann ist fast raumfüllend ein weisses Spinnennetz aufgespannt. «Das ist eines meiner ersten Netze», erinnert sich die Künstlerin. An den einzelnen «Spinnfäden» schauen die Enden des Materials heraus, fast wie kleine Fähnchen. Auf den ersten Blick sieht das Material wie Pergamentpapier aus. Auf die Frage, woraus diese Installation bestehe, erklärt die 59-Jährige: «Das ist Maler-Abdeckfolie.» Die Idee, damit zu arbeiten, entstand zufällig. In der Zeit, als sie neben der Malerei dreidimensionale Kunst ausprobieren wollte, entdeckte sie die Folie. «Ich hatte damit den Arbeitstisch in meinem Atelier abgedeckt und es bot sich an, damit zu experimentieren.»Die Ideen für ihre Werke nimmt die Künstlerin aus der Natur. «Wenn ich in der Umgebung spaziere, stosse ich immer wieder auf Inspirierendes.» Oder wenn sie aus dem Fenster ihres Ateliers schaue, das sich im Garten des Hauses befindet.

Ambivalent zum Material

«Eigentlich ist Polyethylen eine Umweltkatastrophe», gibt die Künstlerin zu bedenken. Es verändere sich nicht und es baue sich ökologisch nicht ab. Und doch komme sie nicht davon weg. Sie schneide jeweils zwei Zentimeter breite Streifen aus der Folie. «Und die Länge ist gerade so lang, wie meine Arme sind. Der Körper ist mein Mass.» Daraus häkle sie Schnüre, die sie danach weiterverarbeite. Oder sie knüpft daraus verschiedene Objekte, wie Wolken oder gar Räume.

«Das raschelnde  Geräusch erzeugt so etwas wie einen  Flüsterton»Barbara Stirnimann

Das Material sei weich, stabil und doch dehnbar und transparent, ausserdem lasse es sich in fast jede Form bringen. «Ich mag es, wenn Licht auf eines meiner Objekte trifft, dann ergeben sich spannende Farben und Licht­reflexe. Auch das raschelnde Geräusch finde ich interessant, es erzeugt so etwas wie einen Flüsterton.» Ob sie ihre Objekte auch verkaufe, kann Barbara Stirni­mann nicht bejahen. «Ich habe noch keine meiner Installationen verkauft.» Die Bilder hingegen schon. Wenn jemand Interesse an ihren Objekten habe, verkaufe sie diese gerne.

Der Ort ist das Thema

Früher hat die Bezirksschullehrerin im Fach Bildnerisches Gestalten vor allem gemalt und gezeichnet, aktuell unterrichtet sie in Bremgarten. Auffallend bei ihren Werken ist die Bewegung. Die Bilder wirken nie statisch. «Wenn ich mit einem Bild oder einer Installation beginne, ist es möglich, dass sich die Arbeit ganz anders entwickelt, als ich miranfangs vorgestellt habe.» Auch wenn sie jetzt ihr Netz anschaue, könnte sie gleich wieder daran arbeiten und es verändern.

Zu der dreidimensionalen Kunst sei sie über die Malerei gekommen. «Bei den Installationen kann ich den Raum neu gestalten, das finde ich spannend.» So zum Beispiel, als sie im Kulturort Galerie Weiertal in Wülflingen ausstellte. Das Thema der Ausstellung war «Ausdehnung». Dabei hat Barbara Stirnimann «Fäden» aus gehäkelter Folie vom Stamm­ende eines Apfelbaumes an den Boden gezogen. Um die Grenzen auszuloten, hat sie Spiegel rund um den Baum auf den Boden gelegt. Wenn man nach unten auf die Spiegel schaute, konnte man die Baumgrenze anhand der Krone beobachten. «So schien der Blick in den Himmel unendlich», resümiert die Künstlerin.

Ausstellungen als Spiegelbild

Ebenfalls beeindruckend für sie war es, als sie 2008 im Kunstkasten in Winterthur ausstellte. «Ich stand in dem gläsernen Kasten, der sich auf dem Sulzer-Areal befindet, und zeichnete mit einem Filzstift die Umgebung ab.» Sie war von 2009 bis 2011 Mitglied des Kuratorenteams des Winterthurer Kunstkastens.

Barbara Stirnimann schätzt Ausstellungen. «Ich erfahre gerne, was die Leute von meinen Objekten halten.» Ausserdem erhalte sie so Abstand dazu. Für das neue Jahr hat sie noch keine konkreten Ausstellungspläne. «Vielleicht wäre eine Ausstellung hier in meinem Atelier eine Idee», denkt die Künstlerin laut nach. Ausgereift sei die Idee jedoch noch nicht. (Landbote)

Erstellt: 05.01.2017, 16:25 Uhr

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