Post verschickt Umzugsset an Tote

Peinlicher Vorfall bei der Post: Sie schickte der verstorbenen Angehörigen eines Neftenbachers ein Umzugsset. Die Post spricht von einem bedauerlichen Einzelfall.

Dass Verstorbene Umzugssets zugeschickt bekommen, sollte gar nicht vorkommen, sagt die Post.

Dass Verstorbene Umzugssets zugeschickt bekommen, sollte gar nicht vorkommen, sagt die Post. Bild: Keystone

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«Was hat der Himmel wohl für eine Postleitzahl?», fragt sich der Neftenbacher Heinz Schmitz. Seine Schwiegermutter ist kürzlich verstorben. Daraufhin schickte ihr die Post ein komplettes Umzugsset und ein Begleitschreiben mit den Worten «Für Ihre neuen vier Wände». Im Paket enthalten waren Adressetiketten mit der neuen Wohnadresse und Angebote von Partnerfirmen, etwa einem Gutschein für den nächsten Möbelkauf.

Das Set war zudem an einen Herrn statt an eine Frau adressiert. Er habe einen Sinn für grotesken Humor, sagt Schmitz, der sich in einem Leserbrief an den «Landboten» wendet. Die Ange­legenheit habe ihn deshalb «fast amüsiert». Doch nicht alle können einem solchen Fauxpas etwas Lustiges abgewinnen. Dass dies kein Einzelfall ist, zeigt ein Blick in andere Zeitungen, die von ähnlichen Fällen berichten.

«Kann schnell passieren»

Auch Schmitz’ Schwager Jürg Binkert, der das Umzugsset für seine verstorbene Schwiegermutter in Uster in Empfang nahm, nimmt die Sache mit Humor. «Bei derart grossen Unternehmen, wie die Post eines ist, können solche Dinge schnell passieren», sagt er.

Er, der eine Vollmacht besitzt, habe am Schalter einen sogenannten Nachsendeauftrag aufgegeben. Das sei die günstigste Variante, habe ihm die Schalterangestellte gesagt. Die Post seiner Schwiegermutter wird nun an seine eigene Adresse umgeleitet. «Dafür musste ich auch den Totenschein meiner Schwiegermutter vorlegen», sagt Binkert.

Die Post bedauert den Vorfall, spricht allerdings von einem Einzelfall. Wie es zu diesem «bedauerlichen Missverständnis» gekommen sei, könne die Post nicht nachvollziehen, sagt Oliver Flüeler, Leiter der Medienstelle. «Das sollte gemäss unseren Vorkehrungen und unterschiedlichen Dienstleistungen und Vorgehensweisen auch nicht vorkommen.»

Vorschriften nicht bekannt

Zwei mögliche Gründe nennt Flüeler trotzdem: wenn Kunden nur unzureichende Informationen geben oder wenn Postmitarbeitende die geltenden Vorschriften nicht kennen. Für den beschriebenen Fall sei der «vor­über­gehend gültige Nachsendeauftrag für eine verstorbene Person» vorgesehen, der 2013 eingeführt wurde. Damit wird die Post für 42 Franken während zwölf Monaten nachgesendet. Der Auftrag beinhaltet jedoch weder eine Aktualisierung der Adresse noch das erwähnte Umzugsset.

Ein solcher Nachsendeauftrag kann nur am Postschalter (also nicht online) aufgegeben werden. Der Auftraggeber muss zudem weitere Dokumente vorlegen: einen Erbschein, eine notariell beglaubigte Vollmacht und ein Familienbüchlein.

Im System falsch erfasst

Was die falsche Anrede betrifft, so gibt es laut Mediensprecher Oliver Flüeler zwei Möglichkeiten: Entweder war die Person im System bereits mit der falschen Anrede erfasst, oder sie musste bei der Auftragserteilung neu erfasst werden, und es wurde ihr die falsche Anrede zugewiesen.

Weder Binkert noch Schmitz haben weitere Schritte unternommen, also auch nicht bei der Post reklamiert. Trotzdem finden sie: «Das dürfte nicht passieren.» (Landbote)

(Erstellt: 05.01.2016, 20:03 Uhr)

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