Sonne satt in dreissig Kellern

So viel als möglich erneuerbare Energie soll ins Stromnetz einfliessen. In Rickenbach wird getestet, wie die Sonnenenergie je nach Wetter bestmöglich gespeichert werden kann.

In Rickenbachs Kellern wird die Stromspeicherung von morgen getestet.

In Rickenbachs Kellern wird die Stromspeicherung von morgen getestet. Bild: Wegmüller AG

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Spaziergang durch Rickenbach Sulz verrät nicht, dass hier an der Zukunft unserer Stromversorgung getüftelt wird. Hier, auf den flächigen Industriehallen und den umliegenden Häusern.

Es geschieht nämlich auf den Dächern und in den Kellern, auf den Solarpanels des Exportverpackungsunternehmens Wegmüller AG und in den Boilern der 30 Einfamilienhausbesitzer, die sich an einer Pilotphase beteiligen, die ab sofort für ein bis zwei Jahre dauern wird: «Die Neuheit ist, Strom in Form von Wärme im Boiler zwischenzuspeichern», sagt Dorothea Ditze, Medienverantwortliche der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ).

Um ein «Leuchtturmprojekt» handle es sich – kein anderes Projekt schweizweit habe bisher einen Pilotversuch in dieser Form durchgeführt.

Steuerung durch das Wetter

Im Sommer letzten Jahres haben die EKZ die Anwohner zu einer Informationsveranstaltung bei der Firma Wegmüller AG eingeladen. «Man hat uns erklärt, dass wir die Sonnenenergie, die ja direkt vor der Haustüre entsteht, sinnvoll für uns nutzen können», sagt Arnold Senn, einer der 30 Teilnehmer am Versuch. «Die Boiler werden in Sulz künftig nicht mehr stur nur nachts nach dem Hoch- und Niedertarifmodell aufladen.» Die Idee ist es, dass Sonnenenergie immer dann in die Boiler gelenkt wird, wenn sie auf den benachbarten Dächern entsteht. Dann, wenn die Sonne scheint. Mittels Wetterprognosen ermittelt eine Steuerung, wann wie viel Strom in die Boiler geladen wird.

Tückenreiche Technik

Vier Jahre lang haben Forscher der ETH Zürich, des Herstellers von Energiemesssystemen Landis+Gyr und der EKZ die Köpfe zusammengesteckt, um vorzubereiten, was nun in Rickenbach getestet wird. Ziel war es, intelligente Technologien zu entwickeln, um einer Knacknuss der Energiezukunft Lösungen entgegenzuhalten: der Speicherung von Wind- und Solarenergie.

«Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien wächst», sagt Dorothea Ditze. «Diese intelligent einzusetzen, ist ein Schlüsselfaktor, wenn es um die Energienetze von morgen geht.» Es gehe darum, den Ausbau des Stromnetzes zu minimieren, da der stets mit hohen Kosten verbunden sei.

Eine komplexe Technologie, die auch Tücken mit sich bringen kann: «Die Steuerung des Systems ist sehr anspruchsvoll», sagt Ditze. «Es muss schliesslich die richtige Energiemenge zur richtigen Zeit in den Boiler führen, um den Haushalten jederzeit das gewünschte Warmwasser bereitzustellen.»

Flächendeckender Einsatz

Ob sich das Projekt bewährt, wird sich laut Ditze anhand verschiedener Faktoren zeigen müssen: Die Technik muss zuverlässig funktionieren, der lokale Verbrauch von Fotovoltaikstrom soll erhöht werden, und das Konzept muss in der Zukunft zudem wirtschaftlich eingesetzt werden können.» Ein weiterer wesentlicher Punkt sei, dass die Haushalte, denen der Boiler gehöre, tatsächlich zufrieden seien.

Sollte dies eintreffen, könnte dies weitreichende Konsequenzen haben: «Der Pilot in Sulz könnte Vorreiter für einen flächendeckenden Einsatz der neuen Technologie werden», so Ditze. Das heisst, im Versorgungsgebiet im Kanton Zürich und im Bezirk Einsiedeln. «Es ist allerdings durchaus vorstellbar, dass sich das System Rickenbach für Solarenergie eines Tages auch anderswo durchsetzt.» (Der Landbote)

(Erstellt: 17.02.2016, 20:36 Uhr)

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Kommentare