Turbenthal

Start-Up entwickelt Drohnenabwehr

Drei junge Unternehmer bauen derzeit das alte Kino in Turbenthal um. In der entstehenden Werkstatt wollen sie Raketen zur Abwehr von Drohnen bauen.

Die Brüder Franco (25 Jahre alt) und Manuel Metz (28) sowie Patrick Schramm (34) entwerfen in Turbenthal unbemannte Jets und Raketen.

Die Brüder Franco (25 Jahre alt) und Manuel Metz (28) sowie Patrick Schramm (34) entwerfen in Turbenthal unbemannte Jets und Raketen. Bild: Marc Dahinden

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Vor gut zehn Jahren montierten die Brüder Franco und Manuel Metz erstmals eine kleine Kamera auf ihren Modellflieger, um Bilder aus der Luft zu schiessen. «Das Bild hat wahnsinnig gerauscht, aber das Elternhaus aus der Luft zu sehen war schon ein Erlebnis», sagt Franco Metz. Heute boomt der Verkauf von Drohnen im Hobbybereich, sogenannten Quadrocoptern. Bilder und Videos aus der Vogelperspektive sind erschwinglich geworden.

Das erschliesst neue Geschäftsfelder: Die Brüder Metz wollen Raketen bauen, die gefährliche Drohnen abfangen sollen. Dazu bauen sie derzeit das alte Kino in Turbenthal zur Werkstatt um. Der Name der neuen Firma: Skysec – Himmelsicherheit.

Solche Raketen aus Turbenthal sollen künftig gefährliche Drohnen vom Himmel holen.

Gefährliche Drohnen mit einem Netz einfangen

«Wenn eine Drohne in einen gesperrten Luftraum eindringt, gibt es momentan keine Abwehrlösung und die Sicherheitskräfte müssen einfach zuschauen», sagt Franco Metz. Im Syrienkrieg würden auf bereits handelsübliche Drohnen mit Bomben eingesetzt. Sie wollen eine Lösung für dieses Szenario anbieten. «Wenn eine terroristische Attacke dank unserer Drohnenabwehr verhindert werden kann, ist das moralisch natürlich sehr erstrebenswert.» Mögliche Kunden wären etwa Flughäfen, Konferenzen oder Veranstalter von Open-Airs.

«Wenn eine Drohne in einen gesperrten
Luftraum eindringt, gibt es momentan keine Abwehrlösung.»
Franco Metz,
Mitbegründer der Firma Skysec

Die Software steht in einem stetigen Kontakt mit einem Radarsystem des Besitzers. Die Rakete ist fix installiert. «Dringt eine Drohne in den geschützten Luftraum ein, wird sie vom Radar erfasst. Der sendet die Koordinaten laufend an die Abfangrakete», sagt Franco Metz. Anhand von diesen Zielkoordinaten berechne die Rakete, wie sie die Drohne möglichst schnell abfangen könne. «Das System funktioniert, vom Abschussknopf abgesehen, komplett autonom», sagt er. Bislang existieren zwei verschiedene Prototypen. Die zweite Version kann mobil abgeschossen werden, ähnlich wie ein Raketenewerfer. Dank eines «intelligenten Suchkopfes» kann diese Rakete das Ziel ohne Radar verfolgen.

Quelle: youtube

Selbstgebaute Jets werden von Laserkanonen abgeschossen

Es ist bereits die zweite Firma . Die erste, PM Robotics, entstand im Sommer 2013. Die Gründer Patrick Schramm aus Turbenthal und Manuel Metz aus Ettenhausen TG lernten sich beim Modellfliegen kennen. «Als ersten Auftrag bauten wir einen Flieger für einen Industriekonzern, der automatisch Punkte abfliegen sollte», sagt Metz. Nach und nach seien weitere Aufträge reingekommen, bis sie sich zur Firmengründung in Turbenthal entschlossen, Schramm stand neben dem alten Kino ein Raum zur Verfügung.

PM Robotics stellt heute zusammen mit Franco Metz auch «unbemannte Abschussziele» her: Ferngesteuerte Jets in der Länge von gut zwei Metern, die von internationalen Waffenherstellern als fliegende Zielscheiben verwendet werden. Alles wird selber hergestellt, auch die Software. Franco Metz hat Informatik und sein Bruder Manuel Systemtechnik studiert, Schramm ist Spezialist für Faserverbundwerkstoffe und Mechanik. Der Rüstungsbetrieb Rheinmetall Defence testet mit ihren Jets etwa seinen High Energy Laser, eine Laser-Flugabwehr. Ab und an wird auch scharf geschossen, dann landet der Jet in vielen Einzelteilen wieder auf der Erde. Tut das nicht weh? «Nein, dafür wurde der Flieger ja hergestellt, wäre es mein Modellflugzeug, wäre es hingegen etwas anderes», sagt Schramm und lacht.

Quelle: youtube

Moralische Bedenken, weil sie Waffenhersteller beliefern, haben sie nicht. Franco Metz sagt: «Die Zielflugobjekte, die wir herstellen, testen Waffen, die der Verteidigung dienen.» So gesehen seien sie in einem sehr guten moralischen Spektrum. «Ausserdem kann jeder eine Drohne kaufen und böse Dinge damit anstellen.»

Mehr Mitarbeiter, mehr Verantwortung

Die Verantwortung steigt, das Start-up hat zum ersten Mal Angestellte, denen ein Lohn ausgezahlt werden muss. «Die letzten vier Jahre waren ein bisschen eine Durststrecke für mich und Manuel, wir haben Vollzeit gearbeitet und das meiste Geld direkt in die Firma investiert», sagt Franco Metz. Sie seien eine der ersten Firmen, die ein konkretes Produkt anbieten kann. Trotzdem sind sie noch auf Investorensuche. «Ziel ist es, die ersten im Marktsegment der Drohnenabwehr zu sein», sagt Manuel Metz.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.02.2017, 11:22 Uhr

«Drohnen werden noch massentauglicher»

Die Firmengründer von Skysec im Interview über medikamentenliefernde Drohnen, New York und das Potential der Branche.

Schwirren in naher Zukunft abertausende von Drohnen durch unseren Luftraum?
Manuel Metz: Ja, das ist durchaus denkbar. Eines Tages könnten uns Drohnen etwa Lebensmittel oder Medikamente liefern. Am Ende ist es immer eine Effizienz- und Zeitfrage: Wenn ich mit einer Drohne Zeit gewinnen und das Produkt günstiger anliefern kann als auf dem herkömmlichen Weg, dann wird das sehr attraktiv für Pharmakonzerne, Lieferdienste oder die Post. Die Technologie dazu stände bereit.

Aus juristischer Sicht ist aber noch vieles unklar.
Ja, die Hauptfrage, die sich stellt ist: Wer ist verantwortlich, wenn etwas passiert, was für Regulierungen braucht es?

Was bedeutet das für die aktuelle Flugsicherheit?
Der Luftraum wird durch die unbemannten Systeme natürlich zusätzlich belastet. Irgendwie müssen die Drohnen, ähnlich wie der bemannte Verkehr, auch koordiniert werden. Ob und wie das gemacht werden soll, ist eine weitere grosse Frage.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt diskutiert derzeit eine Registrierung für die Drohnen in der Schweiz. Etwa via Chip. Braucht es mehr Regeln?
Franco Metz: Das beste Beispiel ist New York. Dort wurde das Problem mit den Drohnen so gross, dass die Sicherheit laut den Behörden nicht mehr gewährleistet werden konnte. Deshalb ist heute die ganze Stadt New York eine Flugverbotszone für Drohnen. Nur mit einer Spezialbewilligung darf man sie steigen lassen.

Gab es da schon Fälle von Übertretungen?
Ja, erst vor drei Wochen ist eine Fotografiefirma ohne Bewilligung losgezogen und erwischt worden. Das Unternehmen muss nun eine Busse in der Höhe von 200 000 US-Dollar zahlen, die können den Laden dichtmachen.

New York als Vorbild für die Schweiz?
Ja, ich glaube schon. Weil New York mit seiner Regelung ein Exempel statuiert hat. In der Schweiz wird das, zumindest in grösseren Städten, wohl ähnlich werden. Denn grundsätzlich kann eine Drohne immer runterfallen und das kann bei einem Gewicht von 500 Gramm bis zu einem Kilo unangenehm werden.

Der Staat sollte also strikter gegen Drohnen vorgehen?
Ja und Nein. Meiner Meinung nach würden gewisse Eingrenzungen vor allem im Hobby- und Freizeitbereich, der mehrheitlich auf Spass ausgelegt ist, Sinn machen, um Umfälle zu minimieren. Gleichzeitig sollten Firmen, die Drohnen für Ihre Arbeit einsetzen, nicht zu stark bei ihrer Arbeit eingeschränkt werden.: Im Moment ist die Lage am Himmel noch überschaubar. Aber wenn man die Tendenz des Marktes betrachtet, wird es in kurzer Zeit wohl ziemlich unübersichtlich. Gewisse Reglementierungen machen sicher Sinn, wobei beispielsweise Fotofirmen Ausnahmebewilligungen erhalten sollten. Auch Medien sollten in der Lage sein von irgendeiner Stelle eine kurzfristige Erlaubnis zu bekommen, wenn sie für einen Artikel rasch ein Luftaufnahme schiessen müssen. Vorstellbar wäre auch ein Lizenzwesen.

Werden Drohnen trotz möglicher Regulierungen noch massentauglicher?
Ja, das wird ganz sicher der Fall sein.

Was macht euch da so sicher?
Die Nachfrage von Privatpersonen und auch der Industrie ist klar vorhanden. Gerade im Auslieferungsbereich. Orte, die ich mit Fahrzeugen aufgrund der geographischen Lage schlecht erreiche, etwa Bergdörfer, sind über den Luftweg deutlich besser zugänglich.

Habt ihr vor, eure Drohnenabwehr auch an Privatpersonen zu verkaufen?
Grundsätzlich kann die jeder kaufen, der will und das Geld hat. Allerdings ist das Abwehrsystem aufgrund der doch etwas aufwändigeren Sensorik und Steuerung nicht ganz in derselben Preisklasse wie eine Drohne aus einem Spielzeugladen.

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