Aadorf

«Wir haben bewusst provoziert»

Am 25. Februar möchte der Aadorfer Gemeinderat «seinem Volk» den Puls fühlen. An einer Zukunftswerkstatt können alle ihre Meinung äussern. Der Anlass sei extra locker gestaltet worden, sagt Gemeindepräsident Matthias Küng.

Wie soll Aadorf im Jahr 2040 aussehen? Mit der gewagten Bildmontage einer Vision lädt der Gemeinderat zur Zukunftswerkstatt.

Wie soll Aadorf im Jahr 2040 aussehen? Mit der gewagten Bildmontage einer Vision lädt der Gemeinderat zur Zukunftswerkstatt. Bild: Lettershop Aadorf Liefert

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Herr Küng, Wolkenkratzer, Windpark, Megabrücke: Ist das die Vision des Gemeinderates, wenn es um Aadorf im Jahr 2040 geht?
Matthias Küng: Nein, wohl eher nicht. Wir haben den Einladungsflyer zur Zukunftswerkstatt bewusst provokativ gestaltet. Wir möchten die Einwohner hinter dem Ofen hervorlocken und sie dazu bringen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Wir möchten wissen, was die Menschen bewegt, wie sie sich ihre Gemeinde in der Zukunft vorstellen.

Sie amten seit anderthalb Jahren als Präsident und haben kürzlich die Legislaturziele 2015 bis 2019 des Gemeinderats kommuniziert. Warum machen Sie ausgerechnet jetzt eine solche Werkstatt?
Es stehen verschiedene wichtige Projekte an. Zum Beispiel müssen wir unsere Bau- und Zonenordnung überarbeiten. Vor dem Start wollten wir der Bevölkerung mal den Puls fühlen. Als Behörde arbeitet man mehr oder weniger im stillen Kämmerlein vor sich hin. Einmal pro Jahr gibt es bei uns eine Gemeindeversammlung und das war es dann schon. Eine grössere Plattform für den Austausch fehlt, das wollen wir mit der Werkstatt bieten.

Sie stellen an dem Anlass auch die neu gesetzten Legislaturziele zur Diskussion. Ist der Gemeinderat denn bereit, diese noch zu verändern?
Die Ziele sind für uns nicht einfach ein weiteres Dokument in der Schublade, sondern ein Arbeitsinstrument und darum dynamisch. Wenn wir Handlungsbedarf sehen, werden sie angepasst. Uns geht es aber auch darum, Schwerpunkte auszumachen, die der Bevölkerung wichtig sind.

«Wir wollten keine dreistündige Museumstour veranstalten, sondern den Leuten die Möglichkeit geben, uns das mitzuteilen, was ihnen wichtig ist.»

Wo setzen Sie persönlich die Schwerpunkte?
Aadorf ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das ist toll, aber es kann die Bevölkerung auch überfordern. Es braucht auch mal eine Phase der Konsolidierung. Raumplanerisch möchte ich Aadorf als Standort stärken. Es soll eine attraktive Wohngemeinde sein, aber auch Gewerbe und Arbeitsplätze bieten. Ein grösseres Projekt, das wir in den Legislaturzielen haben, ist ein neues Feuerwehr- und Werkgebäude. Wir müssen aber bei allen Wünschen und Zielen auch unsere Finanzen und den Steuerfuss im Auge behalten. In den letzten Jahren wurde viel investiert und die Abschreibungen schlagen sich in den Finanzen nieder.

In den Legislaturzielen ist unter anderem auch der «Brückenschlag Richtung Zürich» festgehalten. Was heisst das konkret?
Schon jetzt verbinden uns verschiedene gemeinsame Strukturen mit unseren Nachbarn Elgg und Hagenbuch. Zum Beispiel arbeiten wir bei der Abwasserreinigung zusammen und auch die Gewerbevereine stehen sich nah. Und dennoch trennt uns eine Kantonsgrenze, die jedem von uns andere Rahmenbedigungen beschert. Konkrete Projekte schweben mir keine vor, es geht mir mehr um den Austausch und eine Zusammenarbeit wo immer möglich. Wir alle haben etwas gemeinsam. Wir befinden uns in der Peripherie grösserer Städt und ganz am Rand unserer Kantone. Wenn wir unsere Interessen bündeln können wir uns vielleicht manchmal auch mehr Gehör verschaffen.

Die Zukunftswerkstatt ist kein geschlossener Anlass. Die Besucher können kommen und gehen, wann sie möchten. Haben sie keine Angst, dass das Ganze dann zu unverbindlich wird?
Wir haben lange diskutiert, wie wir den Anlass gestalten wollen und haben uns bewusst für die niederschwellige Variante entschieden. Es gibt zwar zu Beginn ein kurzes Referat zu den Hintergründen. Aber wer später kommt, wird am Eingang empfangen und kurz über das Vorgehen informiert. Wir wollten keine dreistündige Museumstour veranstalten, sondern den Leuten die Möglichkeit geben, uns das mitzuteilen, was ihnen wichtig ist. Wir möchten möglichst viele Rückmeldungen haben.

Mit wie vielen Teilnehmenden rechnen Sie?
Oh, bei dieser Angabe kann ich nur verlieren (lacht). Ich weiss es einfach nicht und hoffe, dass es nicht grad nur 20 sind. Das wäre ernüchternd. Die Beteiligung an der direkten Demokratie ist zwar gering, aber dennoch wünsche ich mir, dass sich die Bevölkerung bei einem solchen Anlass einbringt. Mit 100 Personen wäre ich zufrieden.

«Ich möchte, dass man sich in Aadorf auf der Strasse noch Grüezi sagt.»

Was machen Sie mit den Ergebnissen?
Wir möchten die Rückmeldungen, Meinungen und Visionen erst mal zusammentragen. Die Teilnehmer dürfen ihre Mailadresse hinterlassen, um später die Ergebnisse zu erhalten. Diese möchten wir in einem Bericht zusammenfassen. Dabei ist es uns wichtig, dass er attraktiv gestaltet und leicht zu lesen ist. Es soll kein 30-seitiges PDF sein, durch das man sich durchkämpfen muss. Der Gemeinderat wird sich anhand der Rückmeldungen fragen, ob er mit seinen Legislaturzielen und seiner Arbeit auf dem richtigen Weg ist und Schwerpunkte setzen.

Was ist Ihre eigene Vision von Aadorf in drei Worten?
Ach, von solchen Schlagwörtern halte ich nicht so viel. Ich habe mal für mich drei Adjektive definiert und diese aus Spass jeweils mit dem Doppel-A von Aadorf formuliert: aatraktiv, aabwechslungsreich und aaktiv. Aber eben, das sind Schlagwörter. Mir ist es wichtig, dass wir trotz Wachstum und Entwicklung eine menschliche, lebenswerte Gemeinde bleiben und die Bevölkerung nicht anonym wird. Ich möchte, dass man sich in Aadorf auf der Strasse noch Grüezi sagt.

Die Zukunftswerkstatt findet am Samstag, 25. Februar von 9 bis 12 Uhr im Gemeinde- und Kulturzentrum statt. Teilnehmende können während der Werkstatt zu jedem Zeitpunkt eintreffen oder die Veranstaltung wieder verlassen. (Der Landbote)

Erstellt: 15.02.2017, 12:18 Uhr

Legislaturziele 2015 bis 2019

Der Gemeinderat schickt die Bürger auf die Insel

An der Zukunftswerkstatt, die am 25. Februar im Aadorfer Gemeinde- und Kulturzentrum stattfindet, stellt der Gemeinderat seine kürzlich festgelegten Legislaturziele zur Diskussion. Diese wurden für folgende Bereiche definiert: Volkswirtschaft und Gemeindeentwicklung; Finanzen und Verwaltung; Tiefbau und Umwelt; Kultur, Freizeit und Sport; Gesellschaft und Gesundheit; Verkehr und Sicherheit; Raumplanung und Hochbau; sowie Soziales.

Für jeden Bereich wurden Ziele und Massnahmen festgehalten. An der Werkstatt wird für jedes dieser Themen eine «Insel» eingerichtet, heisst es in der Mitteilung der Behörde. Jedes dieser Inseln wird vom zuständigen Gemeinderat betreut. Die Teilnehmenden dürfen sich während der Werkstatt zwischen den Inseln frei bewegen und können dort mitdiskutieren, Rückmeldungen anbringen und Meinungen äussern, wo sie es für wichtig halten.

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