Thurauen

Wo Biber auf Orang-Utans treffen

Am Sonntag öffnete das Naturzentrum seine Türen zur neuen Sonderausstellung. Der Regenwald steht dabei im Zentrum.

Hand in Hand mit den Orang-Utans. Die neue Sonderausstellung widment ihnen einen eigenen Bereicht.

Hand in Hand mit den Orang-Utans. Die neue Sonderausstellung widment ihnen einen eigenen Bereicht. Bild: Madeleine Schoder

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«Orang-Utans faszinieren mich, da sie uns Menschen ziemlich ähnlich sind», sagt Petra Zajec. Und damit meint die Leiterin des Naturzentrums Thurauen nicht bloss die genetische Übereinstimmung von 96,5 Prozent. Auch das Verhalten der Menschenaffen gleiche unserem teilweise sehr stark. So ziehen Weibchen ihre Kinder bis zu sieben Jahre lang bei sich auf. Das ist auch nötig, da die Kinder ihr gesamtes Wissen von der Mutter erlernen. Dazu gehören auch eher «menschliche» Dinge wie das Herstellen von Werkzeug.

Eröffnung Sonderausstellung

Wer wissen will, was der Orang-Utan sonst noch so alles draufhat, kann das ab Sonntag im Naturzentrum Thurauen herausfinden. Dort startet nämlich die neue Sonderausstellung, in der die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Auen- und Regenwäldern genauer unter die Lupe genommen werden. Anhand von interaktiven Elementen und Erlebnispfaden lernen Kinder und Erwachsene viel über die zwei verschiedenen Lebensräume und ihre Tier- und Pflanzenwelten.

Der Orang-Utan dient als Symboltier des Regenwalds. Und das nicht ohne Grund: «Der Orang-Utan ist eine sogenannte Schirmart», erklärt Zajec. Wenn man seinen Lebensraum schütze, schütze man gleichzeitig denjenigen von Tausenden anderen Arten.

Naturschutz grosses Thema

Naturschutz ist an der Sonderausstellung allgemein ein grosses Thema. Jährlich wird Regenwald von der Fläche von mehreren Tausend Fussballfeldern abgeholzt. «Wir waren früher aber auch nicht besser», gibt Zajec zu bedenken. Sie fügt hinzu: «90 Prozent der Schweizer Auengebiete aus dem Jahr 1900 sind heute verschwunden. Etwas Ähnliches wie die Thurauen findet man in der Schweiz fast nicht mehr.» Dies sei vor allem auf die Begradigung von Flüssen zurückzuführen. Dadurch wurden viele einheimische Tiere wie Molche oder Biber aus ihrem natürlichen Lebensraum verdrängt.

Die Stiftung Paneco betreut deshalb nebst dem Naturzentrum auch diverse Schutzprojekte. «In der Schweiz setzen wir uns unter anderem für die Revitalisierung von Flüssen ein, in Sumatra für die Resozialisierung von häuslich gehaltenen Orang-Utan-Babys», sagt Zajec. Zumindest Ersteres funktioniere auch ganz gut. So findet man in den Thurauen mittlerweile wieder Molche und Biber, die sich lange zurückziehen mussten.

Abholzung wegen Palmöl

Die mittlerweile raren Schweizer Auengebiete werden heute bereits ordentlich geschützt. In Sumatras Regenwald sieht die Situation anders aus. «Es gibt dort auf der ganzen Insel nur noch eine zusammenhängende Waldfläche.» Das ist vor allem für grössere Tiere wie den Orang-Utan verheerend, da sie aufgrund ihrer Grösse viel Lebensraum benötigen. Für die Abholzung verantwortlich seien grösstenteils nicht die Einheimischen, sondern die westliche Konsumgesellschaft.

«Ein Hauptgrund für die Abholzung des Regenwalds ist die Palmölproduktion», meint Zajec. Und dieses Palmöl sei heutzutage in vielen unserer Alltagsprodukte enthalten. Dazu gehören Kosmetikartikel wie Hautcreme, aber auch Lebensmittel wie Margarine. Sogar im sogenannten Bio­diesel ist gemäss Zajec Palmöl drin: «Mit Bio hat das aber leider nicht viel zu tun.» Sie finde es deshalb schade, dass dieser Treibstoff gerade im EU-Raum oft als ökologisch angepriesen werde.

(Der Landbote)

Erstellt: 19.03.2017, 08:13 Uhr

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