Elgg

Zeit mit Pferd zu verschenken

Nicole Mörgeli möchte einem benachteiligten Kind Zeit mit ihrem Pferd Onida ermöglichen. Die Umsetzung erwies sich schwieriger als erwartet.

Die sechsjährige Stute Onida bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Sie eignet sich deshalb gut für Nicole Mörgelis Angebot.

Die sechsjährige Stute Onida bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Sie eignet sich deshalb gut für Nicole Mörgelis Angebot. Bild: Johanna Bossart

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Onida mag nicht so recht. Als Nicole Mörgeli die Stallbox betritt, macht die Pferdedame rechtsumkehrt und trottet davon, ins Freie. «Nein, bleib hier, du musst nicht arbeiten», ruft ihr Mörgeli hinterher. Die 22-Jährige holt ihr Pferd zurück ins Innere, wo Onida schliesslich brav neben Esel Tornado stehen bleibt, mit dem sie die Box teilt. «Auf Tornado habe ich sozusagen reiten gelernt. Meine Eltern haben mich als Kleinkind manchmal auf ihn gesetzt», erzählt Mörgeli. Der Eselherr sei mittlerweile seit fast30 Jahren in der Familie.

Nicht nur mit Eseln und Pferden, sondern auch mit Katzen, Hunden, Hühnern und Meerschweinchen ist die Elggerin aufgewachsen. Ihr sei aber bewusst, dass gerade die Möglichkeit zu reiten nicht jedem offenstehe, sagt sie. «Eine Reitstunde kostet bis zu 100 Franken.»

Der Aufruf erreichte nicht die richtigen Leute

Als die Primarlehrerin vor einigen Wochen in einer Facebook-Gruppe von der Aktion «Schenke Kindern Zeit mit Pferden» las, sprach sie die Idee dahinter sofort an. Benachteiligten oder handicapierten Kindern soll das Angebot ermöglichen, ein Pferd näher kennen zu lernen. Mörgeli startete einen eigenen Aufruf auf ihrer Facebook-Seite und schickte ihn auch an verschiedene Gruppen. Doch schon da stiess sie zum ersten Mal auf Widerstand, bei weitem nicht überall wurde ihr Aufruf freigeschaltet. «Ich habe mich etwas gewundert. Vielleicht war die Nachricht teilweise themenfremd, aber es geht ja um eine gute Sache.»

Aus ihrem Umfeld seien zwar viele positive Rückmeldungen gekommen, aber die meisten ihrer Freunde ritten bereits selbst und gehörten deswegen nicht zur Zielgruppe der Aktion. «Ich habe wohl wenig Leute erreicht, die tatsächlich vom Angebot profitieren könnten», sagt Mörgeli. Sie freute sich, als sich schliesslich doch jemand mit Kind meldete. Doch zum ausgemachten Treffen tauchte niemand auf. «Das fand ich dann doch sehr schade.»

Etwas frustriert ist sie, dass sich die gute Tat nicht so einfach vollbringen lässt. Aufgeben will sie trotzdem nicht. «Ich finde es nach wie vor eine sehr schöne Idee.» Onida sei überdies sehr gut geeignet, da sie eine sehr liebe Stute sei. «Pferde mit fremden Personen zusammenbringen ist nicht immer einfach», weiss Mörgeli aus Erfahrung. Bei Onida könne sie das aber mit gutem Gewissen verantworten.

Das Pferd hat denn auch schon diverse Stresstests überstanden. Als es vor einiger Zeit ein Fohlen zur Welt gebracht hatte, besuchte es die Lehrerin mit einer Schulklasse aus ihrem damaligen Praktikum. «Die 12 Kinder haben sie überhaupt nicht beeindruckt.»

Aus Versehen ein Fohlen dazugekauft

Das Fohlen war eine Überraschung gewesen. Als Mörgeli Onida vor zwei Jahren gekauft hatte, wusste niemand, dass die Stute trächtig war. «Wir dachten, sie ist halt einfach etwas dick, weil sie nicht so oft bewegt worden ist.» Als sie aber auch einige Wochen später noch nicht abgenommen hatte, zog die junge Frau einen Tierarzt zurate. Der erkannte Onidas Zustand schnell und gab ihr noch zwei, drei Wochen bis zur Geburt. «Am nächsten Morgen lag das Fohlen dann aber schon in der Box», erzählt Mörgeli und lacht. Es darf nun die ersten Jahre in einer Herde aufwachsen, bevor es zur Mutter zurückkommt. «Verkaufen könnte ich es nicht», sagt die Besitzerin. Auch wenn ein einzelnes Pferd schon beträchtlichen Aufwand bedeute.

Würde sich ein interessiertes Kind für ihr Angebot finden, hat sich Mörgeli bereits ein Programm ausgedacht. «Das Kind dürfte beim Putzen und Satteln helfen. Danach darf es Onida führen und, wenn es sich traut, auch reiten.» Stimmt die Chemie zwischen allen Beteiligten, könnte sich Mörgeli auch weitere Treffen vorstellen. (Der Landbote)

Erstellt: 07.01.2017, 09:08 Uhr

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